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Württembergische Staatstheater

Expertenanhörung kommt vor der Opernsanierung

Die Entscheidung, ob Ballett und Oper der Württembergischen Staatstheater einen Interimsspielort bekommen, ist ausgesetzt. Wie der marode Stuttgarter Opernbau saniert werden soll, soll ein Expertenhearing klären, um Unmut bei der CDU zu dämpfen.
Großes Gebäude am See mit Bäumen und Wasserfontäne im Vordergrund.

Das Große Haus am Stuttgarter Eckensee ist sanierungsbedürftig. Über die Umsetzung und die Kosten gibt es Streit.

dpa/Michael Weber)

Stuttgart. Die Diskussion um die Opernsanierung geht in eine neue Runde. Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) haben sich darauf verständigt, eine Expertenanhörung allen weiteren Schritten voranzustellen. Damit versucht der Ministerpräsident, die Unstimmigkeit mit der CDU im Landtag zu beheben. Dort fehlten offenbar Mehrheiten für die Finanzierung der Opernsanierung.

Vor der Sommerpause stand die Entscheidung über einen abgespeckten Interimsbau an, der auf einem bereits bebaubaren Areal des Stuttgart-21-Geländes entstehen sollte. Nach Kostensteigerung auf rund 450 Millionen Euro hat die Sanierungsgesellschaft ProWST – die Abkürzung WST steht für Württembergische Staatstheater – einen abgespeckten Plan für das Interim aufgesetzt, bei dem 40 Prozent der Grundfläche wegfallen und die Kosten bei 289 Millionen Euro gedeckelt sind. Im Interim sollen nur noch 1040 statt der ursprünglich geplanten 1200 Zuschauer Platz finden.

Doch das war in der CDU-Fraktion offenbar nicht mehrheitsfähig. Fraktionschef Tobias Vogt verwies in einem Zeitungsinterview auf die Löcher im Landeshaushalt. Ihm geht es mehr um die eigentliche Sanierung des maroden Theaterbaus neben dem Landtag, bei dem mit Ausgaben in Milliardenhöhe sowie mit hohen Baurisiken zu rechnen sei. „Wir können nicht über die riesengroßen Haushaltslöcher auf kommunaler Ebene und die Diskussionen über die Schließung von Krankenhäusern hinweggehen“, sagte er vor der aktuellen Fraktionsklausur in Freiburg, bei der sich die Abgeordneten über den Haushalt und damit den Opern-Etat beugen.

Expertenvotum soll Zweifel beseitigen

Ministerpräsident Özdemir und OB Nopper reagierten auf diese Gemütslage mit der Expertenkommission. Diese soll alle Varianten der Sanierung zusammentragen und bewerten. Ausdrücklich kommt damit auch die Variante eines Neubaus auf den Tisch, die aber dem Vernehmen nach beim Spitzengespräch zwischen Nopper und Özdemir nicht ernsthaft diskutiert wurde, wohl auch wegen der unkalkulierbaren Planungsverzögerung. Ebenso soll die Sanierung ohne Interimsquartier für die Oper beleuchtet werden, was zum Beispiel die SPD-Opposition fordert.

Die Expertenanhörung soll parallel zu den laufenden Planungen stattfinden. Derzeit geht es nicht nur um die Interimsspielstätte, sondern auch um den Architektenwettbewerb, bei dem bis zum Jahresende das Büro mit dem besten Sanierungskonzept gekürt werden soll.

Über diese CDU-veranlasste Zusatzrunde ist man beim Koalitionspartner wenig erbaut. Grünen-Landtagsabgeordneter Erwin Köhler pocht auf eine möglichst geringe Zeitverzögerung durch die Expertenrunde. Ein bisschen Verständnis kann der kulturpolitische Sprecher seiner Fraktion dafür aufbringen, dass die zahlreichen neuen Abgeordneten in seiner wie in der CDU-Fraktion durch die Expertenanhörung bei dieser wichtigen Frage auf denselben Stand gebracht werden.

Zweifel am Erkentnnisgewinn

Welchen Erkenntnisgewinn das Panel zusätzlich bringen soll, diese Frage stellt sich Petra Rühle. Die Vorsitzende der Stuttgarter Grünen-Gemeinderatsfraktion zählt die Nachteile der jetzt von Özdemir und Nopper verkündeten Anhörung auf, neben der Verzögerung sichere Kostensteigerungen und die Gefahr, dass das marode Theater nicht mehr bespielbar ist. Für sie muss die Anhörung schnell erledigt sein.

Auf Schnelligkeit hofft auch CDU-Gemeinderatsfraktionschef Alexander Kotz. Er hatte mit seiner Fraktion vor der Sommerpause für eine Verschiebung des Interim-Beschlusses gedrängt mit dem Ziel, dass auch für die Sanierung des Opernhauses Sparpotenziale verankert werden sollen, bis hin zur Personal- und damit Raumreduzierung für den nach seinem Architekten benannten Littmann-Bau.

Für die dreimonatige Verzögerung durch seine Sparwünsche habe er Kritik geerntet, jetzt kämen die Kritiker selbst mit Wünschen, die nochmals ein halbes Jahr dauern könnten, sagt er süffisant. Allerdings ist mit der Expertenanhörung fraglich, ob angesichts der Ergebnisoffenheit die von Kotz geforderten Sparmaßnahmen überhaupt noch stichhaltig sein werden.

Trotzdem fordert er die weitere Suche nach Einsparmöglichkeiten. Ob der Rat überhaupt noch in diesem Jahr über das Interim entscheiden wird, ist ebenfalls unklar. Noch steht die Oper auf der Tagesordnung der Sitzungen, die den großen Gemeinderat vorbereiten, allerdings widerspricht das dem Ziel der ergebnisoffenen Anhörung.

Intendant gibt sich diplomatisch

Wie diese Diskussionen bei den rund 1400 Opern-Mitarbeitern ankommt, lässt sich nur erahnen. Der geschäftsführende Intendant der WST, Marc-Oliver Hendriks, gibt sich diplomatisch und spricht von einer Jahrhundertaufgabe, die nur im Konsens mit Land und Stadt gelingen könne: „Die angekündigte Expertenanhörung ist vor diesem Hintergrund ein folgerichtiger Schritt, um Vertrauen und breite Zustimmung zu sichern.“

Etwa zehn Jahre lang sollen Ballett und Oper am Rande des S-21-Gebiets spielen, während die eigentliche Oper in der Mitte Stuttgarts saniert wird. Bis 2033 soll der Interimsbau stehen, Kostenpunkt: 289 Millionen Euro. Eigentlich sollte der Bau der Interimsspielstätte 2026 starten und bis 2029 abgeschlossen sein. Zuletzt war von einem Baubeginn im Jahr 2028 die Rede. Der Neubau eines Werkstattgebäudes im Stadtteil Bad Cannstatt für 127 Millionen Euro soll bald beginnen.

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