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Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg ist im September leicht auf 4,7 Prozent gesunken. Trotz des saisonüblichen Rückgangs liegt die Arbeitslosigkeit weiterhin über dem Vorjahresniveau.
IMAGO/Revierfoto)Stuttgart. Mit 4,7 Prozent ist die Arbeitslosenquote im September leicht zurückgegangen. Sie liegt aber immer noch höher als vor einem Jahr. Die Jugendarbeitslosenquote ist von 4,7 auf 4,4 Prozent gesunken. Das teilt die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit mit. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im September sei allerdings saisonüblich, weil viele Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse in diesem Monat beginnen. „Die Arbeitslosigkeit liegt weiterhin leicht über dem Vorjahresniveau“, sagt Arbeitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne).
Beschäftigungsabbau belastet den Arbeitsmarkt
Positiv bewertet die Regionaldirektion, dass wieder mehr Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer neuen Beschäftigung beenden konnten. Gleichzeitig bleibt die Dynamik am Arbeitsmarkt zu schwach, um die Arbeitslosigkeit im Land nachhaltig zu reduzieren. „Ein Lichtblick ist, dass wir 2026 weiterhin mehr Beschäftigungsaufnahmen aus Arbeitslosigkeit heraus verzeichnen“, sagt die Chefin der Regionaldirektion, Martina Musati. „Auf der anderen Seite setzt sich der Beschäftigungsabbau fort. Das ist derzeit die größte Belastung für den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Menschen, die sich direkt aus Beschäftigung arbeitslos melden, ist weiterhin hoch.“
Kurzarbeit bleibt auf hohem Niveau
Für Musati ist klar: „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt ernst. Mit einem nachhaltigen Rückgang der Arbeitslosigkeit ist aktuell nicht zu rechnen.“ Auch die Kurzarbeitquote im Land liegt weiterhin über dem üblichen Niveau. Derzeit sind knapp 32000 Menschen in Kurzarbeit. In wirtschaftlich normalen Zeiten ist eine Größenordnung von 5000 bis 10000 Kurzarbeitenden üblich.
Mit Blick auf die längerfristige Entwicklung betont Arbeitsminister Hildenbrand: „Der demografische Wandel und der Fachkräftebedarf werden die Unternehmen auch in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen. Gleichzeitig sind die Unternehmen bei Neueinstellungen weiterhin zurückhaltend. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.“
Unternehmer: Land muss attraktiver werden im Wettbewerb um internationale Fachkräfte
Die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) machen sich Sorgen darüber, dass die demografische Entwicklung den Mangel an Arbeits- und Fachkräften verstärken wird. „Mit dem schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzial werden auch die Wachstumsmöglichkeiten unserer Volkswirtschaft zunehmend kleiner“, sagte Stefan Küpper, Geschäftsführer für Bildung, Arbeitsmarkt und Landespolitik der UBW. Umso wichtiger blieben qualifizierte Zuwanderung und eine überzeugende Integrationsstrategie.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatte im vergangenen Jahr mehr als ein Viertel der abhängig Beschäftigten in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte. In zahlreichen Engpassberufen liegt der Anteil deutlich höher. „Dies zeigt eindrücklich, dass rechtspopulistische Konzepte einer Abschottung oder gar breit angelegten Remigration völlig in die Irre gehen – ganz abgesehen davon, dass sie unserem Verständnis von Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und einer offenen Gesellschaft komplett zuwiderlaufen“, erklärte Küpper. „Wir brauchen mehr Menschen, die hier arbeiten und sich einbringen wollen – nicht weniger.“ Deutschland und Baden-Württemberg müssten im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte attraktiver werden, forderte der Arbeitsmarktexperte.
Dazu gehörten schnellere Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen, weniger Bürokratie und eine offene Haltung gegenüber Zuwanderern. „Qualifizierte Fachkräfte können wählen, wo sie arbeiten und leben wollen. Wir stehen hier im Wettbewerb mit anderen starken Wirtschaftsnationen. Wer diese Menschen gewinnen will, braucht schnelle Verfahren, funktionierende Integrationskonzepte und eine glaubwürdige Willkommenskultur“, machte Küpper deutlich.
Große Unterschiede zwischen den Regionen
Die niedrigste Arbeitslosenquote hat aktuell der Kreis Biberach mit 2,9 Prozent. Am höchsten ist die Arbeitslosigkeit in Mannheim (8,2 Prozent), gefolgt von Pforzheim (7,5) und Stuttgart (7).