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Tarifrunde in der Metallindustrie startet mit Protesten in Ludwigsburg

Auftakt der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie: Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld für rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Arbeitgeber warnen angesichts hoher Kosten und Arbeitsplatzverlusten vor zu großen Lohnsteigerungen.
IMAGO/Schöning)Ludwigsburg/Düsseldorf. Begleitet von Protesten sind die Tarifgespräche für die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie am Mittwoch in Ludwigsburg in die erste Runde gegangen. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Ein Ausgleich der zuletzt stark angestiegenen Inflation gilt als Mindestziel.
IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch machte vor Gesprächsbeginn deutlich, dass es aus Sicht der Gewerkschaft um mehr als die Lohnforderung geht. „Wir wollen mit den Arbeitgebern über den Industriestandort Deutschland reden“, sagte sie. Es gehe auch um die Sicherheit der Arbeitsplätze. Zugleich forderte Resch den Arbeitgeberverband Südwestmetall zur Vorlage eines Angebots auf.
Betroffen sind in Baden-Württemberg etwa 900.000 Beschäftigte in so unterschiedlichen Branchen wie Autoindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Rüstungsgüter. Bundesweit geht es um rund 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie.
Südwestmetall weist Lohnforderung zurück
Der Verhandlungsführer von Südwestmetall, Peter Krause, wies die Forderung der IG Metall zurück. In dieser Tarifrunde gehe es um die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. „Die Unternehmen brauchen ein klares Signal, dass sich Investitionen in Deutschland wieder rechnen“, sagte Krause. Wenn man so weitermache, werde man weitere Arbeitsplätze verlieren.
Der Arbeitgeberverband sieht keinen Verteilungsspielraum für eine üppige Lohnerhöhung und verweist auf den Verlust Tausender Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Einer von mehreren Gründen dafür seien die hohen Lohnkosten.
3500 Beschäftigte ziehen durch Ludwigsburg
Vor dem Verhandlungsauftakt mobilisierte die IG Metall nach eigenen Angaben 3500 Beschäftigte zu einem Protestzug durch Ludwigsburg. Vor dem Verhandlungslokal machten sie mit Trommeln und Trillerpfeifen auf ihre Forderungen aufmerksam. Auf Bannern war unter anderem „#Streikbereit“ und „Zukunft braucht Menschen“ zu lesen. Resch machte deutlich, dass die Gewerkschaft auch eine Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern nicht scheue.
Auch in Nordrhein-Westfalen beginnen die regionalen Tarifverhandlungen. Dort sind in der Branche rund 640.000 Menschen beschäftigt. Bereits im Vorfeld hatte NRW-Verhandlungsführer und Bezirksleiter Knut Giesler erklärt, die Kampfbereitschaft sei deutlich höher als in den Jahren zuvor.
35-Stunden-Woche ist nicht Teil der Tarifrunde
In Baden-Württemberg hatte Mercedes-Benz im Vorfeld noch eine Diskussion über die Arbeitszeit angestoßen und eine Rückkehr zu 40 Stunden Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich ins Gespräch gebracht. Die 35-Stunden-Woche ist im Manteltarifvertrag geregelt. Dieser steht in der laufenden Tarifrunde aber nicht auf der Tagesordnung, weil er nicht gekündigt worden ist. Die aktuelle Runde ist eine reine Lohnrunde.
Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktober. Ab dann sind Warnstreiks möglich. (dpa)