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Serie Bau-Start-ups

„Fünf Prozent“ will mit Steckbriefen für Gebäudedie Energiewende voranbringen

Um die Energiewende im Gebäudesektor voranzubringen, hat das Stuttgarter Start-up Fünf Prozent, ein Online-Tool entwickelt, mit dem Hauseigentümer ohne Vorkenntnisse eine erste Einschätzung des energetischen Zustands ihres Hauses bekommen können. Für Sanierungsmaßnahmen bietet das junge Unternehmen dann in Zusammenarbeit mit der Kommune Sammelbestellungen an.
Zwei Personen an einem Tisch mit Computern; Text: „Gemeinsam Städte klimaneutral machen.“

Die Chefs von Fünf Prozent Sally Köhler und Matthias Schöttler wollen Kommunen auf den Weg zur Klimaneutralität unterstützen. Foto: Schmidt

Jürgen Schmidt)

Stuttgart. Am Anfang stand die Simulationsplattform „SimStadt“ der Hochschule für Technik Stuttgart. Sally Köhler und Sarina Hötzel haben an dem Projekt mitgearbeitet, mit dem ein erster Überblick über den energetischen Zustand von Gebäuden in Kommunen flächendeckend ermittelt werden kann. „Wir haben damals schon länger überlegt, wie man damit einen Mehrwert schaffen kann“, sagt die Energietechnik-Ingenieurin Köhler, die zu diesem Thema promoviert hat. Die Lösung war eine Online-Plattform, die dazu beitragen soll, die Energiewende in Kommunen voranzubringen, indem sie Hauseigentümer einfach über den energetischen Zustand ihrer Häuser informiert.

Kommunen bieten Daten für Hauseigentümer kostenlos an

Denn im Gebäudebereich ist die Sanierungsquote nach wie vor viel zu niedrig, um die politisch gesetzten Klimaziele zu erreichen. Fünf Prozent, der Name des Start-ups, das Köhler und Hötzel gemeinsam mit Innovations- und Technologiemanager Matthias Schöttler gegründet haben, ist deshalb Programm. Fünf Prozent des Gebäudebestands müssten jährlich saniert werden, um die Ziele zu erreichen. Zielgruppe des vor knapp drei Jahren gegründeten Unternehmens sind aber nicht in erster Linie die Gebäudeeigentümer selbst, sondern die Städte und Gemeinden. Die schließen mit Fünf Prozent einen Vertrag über Nutzung des Portals für ihre Kommune. Fünf Prozent ermittelt die Gebäudedaten und erstellt daraus Steckbriefe für jedes Haus, in denen auch erste Sanierungsoptionen enthalten sind. Dafür nutzen die Gründer die 3-D-Gebäudemodelle der Vermessungsbehörden, Bebauungspläne, Wetterdaten aber auch die durchschnittlichen Preise für Strom und Wärme sowie Handwerkerleistungen vor Ort.

Angebot wird derzeit in 30 Kommunen genutzt

Hauseigentümer aber auch Mieter können die Daten kostenlos nutzen. Denn die Steckbriefe sollen ein erster Einstieg sein, sich mit möglichen Sanierungsmaßnahmen am eigenen Haus auseinanderzusetzen. „Die Informationen sind so aufbereitet, dass sie Hauseigentümer ohne technischen Hintergrund nachvollziehen können“, erklärt Köhler.

Momentan wird das Angebot des Stuttgarter Start-ups schon von 30 Städten und Gemeinden genutzt, die meisten davon im Südwesten. „Bis Jahresende sollen es 50 sein“, gibt Schöttler als Ziel aus. Und im nächsten Jahr strebt das Unternehmen mit derzeit neun Mitarbeitern weiteres Wachstum an.

Klimaschutzmanager lobt Aufbruchstimmung durch Aktion

Das Portal und die Gebäudesteckbriefe waren das erste Produkt von Fünf Prozent und sind heute noch das „Brot-und-Butter-Geschäft“, wie es Schöttler nennt. Und es wird angenommen, wie Zahlen aus den Städten der ersten Stunde zeigen. In Schorndorf, Überlingen und Ostfildern haben innerhalb von zwei Jahren rund 20 Prozent der Hauseigentümer die Steckbriefe abgerufen.

In den Kommunen sieht man die Aktion als Erfolg. „Durch die Gebäudesteckbriefe von Fünf Prozent ist es uns gelungen, einen Aufbruch beim Thema Wärme- und Energiewende zu erzeugen“, so der Klimaschutzmanager der Stadt Schorndorf, Nikolai Licata.

In der Stadt im Remstal startete Fünf Prozent 2024 auch sein zweites Geschäftsfeld: die Bündelungsaktionen. Gemeinsam mit der Kommune bietet das Unternehmen für Hauseigentümer Sammelbestellungen, zunächst für Photovoltaikanlagen, dann auch für Wärmepumpen. Die Resonanz war bislang stets groß, in Schorndorf beteiligten sich 50 Hauseigentümer an der ersten Aktion.

Sammelbestellung für 400 Wärmepumpen in Stuttgart

Durch die größeren Stückzahlen werde Anschaffung und Installation für jeden Teilnehmer zehn bis 15 Prozent billiger, erklärt Schöttler. Und weil örtliche Handwerksunternehmen mit der Ausführung beauftragt werden, bleibe die Wertschöpfung in der jeweiligen Region.

In Stuttgart haben Fünf Prozent und die Landeshauptstadt gerade die größte Bündelungsaktion in Deutschland gestartet. 400 Wärmepumpen sollen so von Hauseigentümern im Lauf des kommenden Jahres neu installiert werden.

Serie Start-ups über Start-ups in der Baubranche

In einer Serie stellen wir junge Unternehmen vor, die Produkte und Ideen für die Baubranche entwickelt und zur Marktreife gebracht haben. Die Auswahl der Start-ups geht auf Groundbreakers zurück. Die Initiative wurde von der Hochschule für Technik Stuttgart gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und dem Fraunhofer IAO ins Leben gerufen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Start-ups im Bau- und Immobilienbereich zu unterstützen und mit Partnern aus der Wirtschaft zusammenzubringen.

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