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Özdemir kritisiert Audi-Chef nach Trump-Auftritt und fordert Klarheit für Neckarsulm

Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) kritisiert den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei Donald Trump und fordert eine klare Perspektive für den Audi-Standort Neckarsulm.
dpa/Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr)Stuttgart/Neckarsulm. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Der Auftritt hinterlasse nicht nur bei ihm „ein erhebliches Störgefühl“, sagte Özdemir der Deutschen Presse-Agentur. „Guter Stil sieht anders aus.“
Zugleich forderte der Regierungschef eine Perspektive für den Audi-Standort Neckarsulm mit seinen mehr als 15.000 Beschäftigten. „Wer viel Geld in Georgia investiert, muss auch sagen, wie es in Neckarsulm weitergehen kann“, sagte Özdemir. Der Standort steht angesichts der Krise im Volkswagen-Konzern und der Sparpläne unter Druck. Bis Ende Juni 2027 soll ein neues Standortkonzept vorliegen.
Özdemir sieht in der Handelspolitik Trumps einen gezielten Versuch, Investitionen und Arbeitsplätze aus Europa in die Vereinigten Staaten zu verlagern. „Mit seiner übergriffigen Zollpolitik will Trump Arbeitsplätze und Investitionen aus Europa in die USA ziehen“, sagte er. Gleichzeitig müsse sich Deutschland fragen, weshalb Milliardeninvestitionen in den USA attraktiver seien als hierzulande. Europa, Deutschland und Baden-Württemberg müssten als Wirtschaftsstandorte wieder attraktiver werden.
Neckarsulms OB zeigt Verständnis für US-Investitionen
Auch Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) bewertet Döllners Auftritt bei Trump als unglücklich. Er selbst hätte einen solchen Auftritt nicht gewählt, sagte Hertwig der dpa. Schließlich habe Trump mit seiner Zollpolitik die Absatzchancen der in Neckarsulm produzierten Fahrzeuge auf dem amerikanischen Markt erheblich verschlechtert. Die teils sehr scharfe Kritik an Döllner teile er allerdings nicht in allen Punkten.
Zugleich zeigte Hertwig Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen des Konzerns. Dass Audi den Dialog mit der US-Regierung suche und seine Interessen auf dem wichtigen amerikanischen Markt vertrete, sei nachvollziehbar. Auch Investitionen in den USA könnten aus unternehmerischer Sicht sinnvoll sein, um die Folgen der Zölle abzumildern.
Entscheidend sei nun, ob die Kontakte zu konkreten Vereinbarungen oder Zollerleichterungen führten. Hertwig hoffe auf bessere Bedingungen für Audi in den USA, von denen auch der Standort Neckarsulm durch steigende Absatzchancen profitieren könnte. Sein wichtigstes Anliegen bleibe der Erhalt des Werks.
Scharfe Kritik von Arbeitnehmervertretern und Politik
Trump hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Georgia überraschend Pläne für ein neues Audi-Werk angekündigt. Der Autobauer will dort rund vier Milliarden Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro) investieren und jährlich 200.000 Geländewagen produzieren. Rund 4500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Döllner trat bei der Veranstaltung auf die Bühne und dankte Trump für dessen Unterstützung.
Der Auftritt löste auch bei Arbeitnehmervertretern massive Kritik aus. VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner in einem internen Interview „aktive Wahlkampfhilfe“ vor. Der Konzernvorstand habe sich zum Teil einer politischen Inszenierung machen lassen. IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete den Auftritt als politisch inakzeptabel. Beide kritisierten zudem einen möglichen Verstoß gegen die unternehmenseigenen Regeln zur politischen Neutralität vor Wahlen. In den USA finden am 3. November Zwischenwahlen statt.
Die SPD-Verkehrspolitikerin Isabel Cademartori sprach von Wahlkampfhilfe für Trump. Der Linken-Politiker Luigi Pantisano forderte sogar den Rücktritt Döllners. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der dem VW-Aufsichtsrat angehört, bezeichnete eine Wahlkampfveranstaltung als falschen Ort für die Ankündigung einer solchen Investition. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter kritisierte die US-Pläne als kurzsichtige Schadensbegrenzung.
Entscheidung über neues Werk steht noch aus
Unabhängig von der Kritik am Auftritt ist die Investition noch nicht endgültig beschlossen. Lies betonte, dass die zuständigen Konzerngremien darüber noch entscheiden müssten. Auch Cavallo machte deutlich, dass die Arbeitnehmerseite einer neuen US-Fabrik nur zustimmen werde, wenn die Auswirkungen auf die übrigen Standorte, insbesondere in Deutschland, geklärt seien.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht könne eine stärkere Produktion in den USA angesichts der hohen Zölle durchaus sinnvoll sein, räumte Cavallo ein. Entscheidend sei jedoch, dass die Investition nicht zulasten der bestehenden Werke gehe. (dpa)