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Smartphone-Nutzung

Herrenberger Gespräch: Was möglich ist, wenn mal keiner aufs Handy schaut

Es kann eine Droge sein, aber auch ein Helfer in der Not: Das Handy ist aus unserer Zeit nicht mehr wegzudenken. Und dies gilt nicht nur für die Jugend, sondern auch für jene, die sich um sie sorgen. Dies zeigt sich bei Folge 7 der Herrenberger Gespräche.

Carsten Beneke (3. von links) von der Diakonie Böblingen und Staatsanzeiger-Chefredakteur Rafael Binkowski (3. von rechts) moderieren.

Achim Zweygarth)

Herrenberg. „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, befand Loriot, und man wüsste zu gerne, was dem liebevollen Skeptiker eingefallen wäre, hätte er noch das Smartphone kennengelernt. Einen Gegenstand, ohne den das Leben kaum mehr möglich erscheint, dessen Sinnhaftigkeit aber immer mehr infrage gestellt wird. Insbesondere, wenn es um Kinder und Jugendliche geht.

Über diese und ähnliche Fragen wurde am Montag im Katholischen Gemeindezentrum Sankt Martin in Herrenberg gestritten – unter der Überschrift: „Vernetzt und trotzdem einsam – Kommunikation von Kindern und Jugendlichen im Zeitalter von Smartphones und Social Media“. Und wer nicht dabei war, hat Pech gehabt. Die siebte Auflage der „Herrenberger Gespräche“ hatte keinen Stargast zu bieten wie 2025 den Tübinger OB Boris Palmer . Und sie bediente auch keines jener Themen, für die sich die Stammkundschaft der Gesprächsreihe ansonsten interessiert – die Bedrohung der Demokratie etwa oder Israel und Palästina .

Und doch war zu spüren, dass dieses Thema alle angeht. Etwa, als sich gegen Ende der Debatte eine ältere Frau zu Wort meldete. Und ihr Entsetzen darüber zum Ausdruck brachte, dass junge Mütter heute oft das Handy als Babysitter benützen.

Doch wie lässt sich die Jugend vor etwas schützen, das längst Eingang in den Alltag aller Generationen gefunden hat? Was ist davon zu halten, wenn die Tübinger SPD-Landtagsabgeordnete Dorothea Kliche-Behnke ein Handyverbot im Klassenzimmer und auf dem Schulhof fordert, nicht aber im Lehrerzimmer? Oder wenn die Jugendsuchtforscherin Isabel Brandhorst die Nutzung von Smartwatches ins Spiel bringt? Also von Uhren, die es den Eltern jederzeit ermöglichen zu sehen, wo sich ihr Kind befindet?

Isabel Brandhorst forscht zum Medienverhalten der Jugend.
Achim Zweygarth)

Als die Gastgeber noch klein und die Handys groß waren

Und doch geschieht in diesen zweieinhalb Stunden im Herrenberger Gemeindezentrum ein kleines Wunder: Niemand schaut auf sein Handy, und alle hören zu, wenn der andere redet. Etwa wenn Johannes Stahl, der einzige Digital Native auf dem Podium, eine seiner verbalen Salven loslässt. „In der Jugend“, so der 19-jährige Chef des Landesschülerbeirats, „wächst immer mehr ein Bewusstsein dafür, dass ein Handy eigentlich ziemlich … ist.“

Nicht immer einer Meinung in Sachen Handynutzung: Johannes Stahl vom Landesschülerbeirat und SPD-Politikerin Dorothea Kliche-Behnke.
Achim Zweygarth)

Die Nächstältere ist Anna Berglar. Und auch die 30-jährige Schulsozialarbeiterin hat einen netten Spruch parat. Sie wünscht sich, „dass das Smartphone nicht mich benutzt, sondern dass ich das Smartphone benutze“.

Anna Berglar ist Schulsozialarbeiterin in Herrenberg.
Achim Zweygarth)

Ansonsten stehen Leute auf dem Podium, die man früher wohl als Gruftis bezeichnet hätte. Da sind die beiden Moderatoren, Carsten Beneke von der Diakonie im Kreis Böblingen und Staatsanzeiger-Chefredakteur Rafael Binkowski, die in einer Zeit groß wurden, als Handys noch so groß wie Briketts waren. Da ist David Nausner vom Diakonischen Werk Württemberg, der berichtet, dass er schon vor zwölf Jahren, als seine Zwillinge noch fünf waren, festgestellt hat, dass die Zahl der Stunden, die die Eltern am Handy und am Computer verbrachten, „krass“ gewesen sei.

David Nausner arbeitet als Referent beim Diakonischen Werk.
Achim Zweygarth)

Der Sohn findet, dass er eine Smartwatch braucht

Und eben Dorothea Kliche-Behnke, die Politikerin, und Isabel Brandhorst, die Wissenschaftlerin. Beide sind auch Mütter, und das spürt man. Kliche-Behnke etwa erinnert sich an jenen Moment, als ihr ihre damals 13-jährige Tochter berichtete, dass alle Jungen ihrer Klasse in der Pause Hardcore-Pornos schauten, auch jene, denen man es vielleicht nicht zugetraut hätte.

Und Brandhorst sagt, dass viele Eltern nicht in der Lage seien, sich von ihrer Angst zu lösen, dass ihrem Kind etwas zustößt. Und dass sie durch die Smartwatch die Angst behalten können. „Mein Sohn hat keine Smartwatch, findet es aber unbedingt notwendig, eine zu haben“, fügt sie hinzu. Der Sohn sitzt in der ersten Reihe und lauscht aufmerksam. Er ist noch ein ganzes Stück jünger als jene 13 oder 14 Jahre, die seine Mutter als Altersgrenze für soziale Medien empfiehlt. Wobei für die Wissenschaftlerin sogar SMS dazugehören.

„In dem Moment, in dem die SMS verboten wird, werde ich nichts anderes machen, als solche zu schreiben“, reagiert Johannes Stahl auf diese Einordnung. Es sind solche Einwürfe, die Carsten Beneke vielleicht im Sinn hat, als er zu seinem Resümee ansetzt: „Vielen Dank für die ja sehr unterschiedlichen Perspektiven, die ich heute so ganz besonders erfrischend und rund fand.“

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