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Homeoffice-Studie: Bei mehr als 60 Prozent leidet die Produktivität

Homeoffice fördert die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Im Wechsel mit Präsenzarbeit auch die Produktivität. Foto: IMAGO/Westend61|Collage: Herrgoß
IMAGO/Westend61)Stuttgart. Seit Beginn der Corona-Pandemie vor knapp sechs Jahren ist das Thema Homeoffice oder hybrides Arbeiten zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags geworden. Seither untersucht unter anderem die Konstanzer Universität jährlich die Entwicklung der Arbeitssituation in Deutschland und wie Unternehmen und Beschäftigte zu diesem Thema stehen. Im vergangenen Jahr kamen die Konstanzer Forscher zu dem Ergebnis, dass zwar die überwältigende Mehrheit (75 Prozent) sich nach einem hybriden Modell, also einer Kombination aus mobiler und präsenter Arbeit, sehnt, aber nicht ausschließlich von zu Hause arbeiten möchte. Dies will nur ein Fünftel der Beschäftigten.
Hybrides Arbeiten hat sich also in Organisationen fest etabliert. Nun kommt eine aktuelle Studie vom Fraunhofer Institut für Arbeit und Organisation (IAO) im Auftrag der Techniker Krankenkasse zu dem Ergebnis, dass Homeoffice einerseits sogar die Produktivität um rund 20 Prozent steigern kann – allerdings nur bis zu einem Kipppunkt.
Kombination führt zu Produktivitätseffekten
„Nur eine ausgewogene Kombination und die Nutzung der Vorteile beider Arbeitsorte führen zu insgesamt positiven Produktivitätseffekten. Wenn zu viel Zeit im Homeoffice gearbeitet wird, sinkt die Produktivität wieder. Dieser Kipppunkt liegt bei einem Homeoffice-Anteil von etwa 60 Prozent“, schreiben die Autoren.
Ziel der Studie war es, die Auswirkungen von Homeoffice auf die Produktivität und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu untersuchen. Betrachtet wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren alle Teams in der Techniker Krankenkasse (TK) mit Sachbearbeitertätigkeit und Kundenkontakt. Die Produktivität von rund 11 000 Mitarbeitenden wurde anhand der Anzahl der bearbeiteten Kundenanliegen und der Kundentelefonate gemessen.
Im Schnitt bearbeiten TK-Mitarbeiter zu Hause etwa 20 Prozent mehr Kundenanliegen und führen mehr Kundentelefonate. „Die Studie zeigt, dass eine ausgewogene Balance zwischen Arbeiten in Präsenz und Homeoffice der Schlüssel zum Erfolg ist“, sagt Karen Walkenhorst, Mitglied des Vorstands der TK. Man sehe, dass viele Mitarbeiter für konzentrierte Arbeiten das Homeoffice bevorzugen, „fachlicher Austausch und Zusammenarbeit funktionieren aber nach wie vor im persönlichen Kontakt am besten“..
Kipppunkt beim optimalen Homeoffice-Anteil
„Wir konnten sehen, dass die Produktivitätsvorteile durch das Homeoffice nur bis zu einem bestimmten Punkt bestehen“, sagt Josephine Hofmann vom Fraunhofer IAO. Ursache sei, dass ab dem Kipppunkt zu wenig Zeit gemeinsam in Präsenz verbracht wird und die Zeit für den fachlichen und sozialen Austausch fehlt – und damit oft auch Informationen, die für die produktive Arbeit im Homeoffice benötigt werden.
Wie viel Präsenzzeit optimal ist, hängt nach Ansicht der Studienautoren vom jeweiligen Unternehmen und seinen Tätigkeitsbereichen ab.
Die Präsenzzeit ermöglicht wichtige informelle und fachliche Kontakte. Sie sollte gezielt dafür genutzt werden, soziale Erosionsprozesse zwischen räumlich getrennt arbeitenden Teammitgliedern zu verhindern“, so Hofmann weiter.
„Wir betrachten Faktoren wie soziale Interaktion und Wissensaustausch je nach Unternehmen und seinen Tätigkeitsbereichen individuell und machen Frühindikatoren für Veränderungen sichtbar“, sagt Alexander Piele vom Fraunhofer IAO.
Zentraler Baustein
Die Studienergebnisse zeigen auch, dass Homeoffice einen wesentlichen Beitrag zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden leistet. „Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist für den Unternehmenserfolg essenziell. Und genau dafür ist Homeoffice ein zentraler Baustein“, sagt Karen Walkenhorst, Vorstandsmitglied der Techniker Krankenkasse. In der Studie gaben 93 Prozent an, dass Homeoffice bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hilft. 81 Prozent der befragten TK-Mitarbeitenden sagten, „dass das Homeoffice Stress und Belastung in ihrem Alltag minimiert«, erläutert Walkenhorst.