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Kindheitstraum: Wieso Weinprinzessin Carina Kratt Bürgermeisterin werden will

Schon als Kind wollte Carina Kratt Bürgermeisterin werden. Mit 19 Jahren wurde sie als jüngstes Mitglied in den Stadtrat von Ettenheim gewählt und verfolgt ihr Ziel weiterhin. Was für sie den Beruf des Bürgermeisters so spannend macht, erzählt sie im Interview.

Porträt Carina Kratt

Studentin und Weinprinzessin Carina Kratt

Carina Kratt)

ETTENHEIM. Der Berufswunsch von Carina Kratt steht seit der Grundschule fest – nämlich Bürgermeisterin. 2019 wurde sie mit 19 Jahren als jüngstes Mitglied in den Stadtrat von Ettenheim gewählt. Seit März 2020 studiert sie den Studiengang „Bachelor of Arts – Public Management“ an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl. Für die Stadträtin ist in diesem Jahr ein weiteres Amt hinzugekommen: Als Weinprinzessin vertritt sie das Anbaugebiet Breisgau. Im Interview berichtet sie über ihren Berufswunsch, ihr Studium, ihre Ämter und wie sich alles miteinander vereinbaren lässt.

Studierende: Wie kam der Berufswunsch der Bürgermeisterin? Warum nicht Winzerin?

Carina Kratt: Der Berufswunsch kam sehr früh, schon in der Grundschule. Seitdem weiß ich, dass ich Bürgermeisterin werden möchte. Das Interesse zum Wein soll nach wie vor ein Hobby – eine Leidenschaft – bleiben.

Was reizt Sie an diesem Beruf?

Mich persönlich reizt vieles daran: Ich rede gerne mit Menschen und es macht mir Spaß, mich zu beteiligen. Ich bin eine eher extrovertierte Person und finde gut, dass man als Bürgermeisterin etwas für viele Menschen macht. Im Gegensatz zur Bundes- oder Landespolitik kann man in der Kommunalpolitik viel schneller etwas bewegen und umsetzen.

Was sind Ihre politischen Ziele? Was möchten Sie als Bürgermeisterin erreichen?

Wenn ich jetzt Bürgermeisterin werden würde, wäre der Klimawandel ein wichtiger Teil meiner Politik. Was ich auch wichtig finde, ist das Thema Krisen. Das zeigt sich an aktuellen Herausforderungen wie den Hochwassern oder der Gasmangellage. Darum würde ich als Bürgermeisterin meine Gemeinde krisenfest machen.

Wie haben Ihre Familie, Freunde und Freundinnen auf den Berufswunsch reagiert?

Den Wunsch hatte ich recht früh. Damals wurde das schon eher belächelt – klar, wenn man das im Grundschulalter sagt. Viele fanden es aber schön, dass ich mich auf so etwas Ungewöhnliches festlege. Mittlerweile sind viele von meinem Berufswunsch begeistert oder fasziniert – auch ich selbst, weil ich nie gedacht hätte, dass ich nach all der Zeit noch immer auf dem Weg bleibe. Ich habe noch keine schlechte Reaktion auf den Berufswunsch Bürgermeisterin erfahren.

Was denken Sie, welche Herausforderungen und Schwierigkeiten hält der Beruf der Bürgermeisterin bereit?

Allen gerecht zu werden – das kann man in diesem Beruf gar nicht – und die Einstellung der Bürger. Viele stellen ihre Individualinteressen in den Vordergrund und denken nicht an das Allgemeinwohl. Außerdem ist der Beruf sehr breit gefächert. Es gibt zum einen viel Rechtliches, was beachtet werden muss, zum anderen muss man als Bürgermeisterin mit den Bürgern und deren Sorgen umgehen können. Ein großes Thema ist außerdem das Zeitmanagement, gerade wenn man Familie hat.

Lässt sich der Beruf der Bürgermeisterin mit Privatem/Familie vereinbaren?

Ja, ich denke schon. Insgesamt beansprucht das Amt viel Zeit – man geht nicht nach Hause und dann ist die Arbeit beendet. Aber es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht und wo man im Leben steht. Wenn die Familienplanung abgeschlossen ist und die Kinder groß sind, fällt es wahrscheinlich leichter. Für jemanden, der sehr jung ist und noch nicht weiß, ob er Familie haben möchte, ist es schwieriger das zu vereinen. Aber ich denke, dass es nicht unmöglich ist.

Haben Sie Vorbilder? Wenn ja, wer sind diese?

Ein Vorbild ist Bruno Metz: Er ist seit vier Amtsperioden Bürgermeister von Ettenheim. Ich bewundere ihn für sein umfangreiches Wissen über den Ort und die Menschen in Ettenheim. Er wird große Fußstapfen hinterlassen, wenn er nicht mehr kandidiert. Auch mein Papa ist mein Vorbild, weil er vieles weiß und kann.

Was sind drei Charaktereigenschaften, die Sie als Bürgermeisterin qualifizieren?

Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch und organisiere gerne. Diese Eigenschaft kam mir bisher in der Vereinsarbeit zu Gute. Außerdem mag ich es, mich zu Themen zu äußern. Eine weitere Stärke von mir ist, dass ich zu den Menschen und Bürgern schnell einen guten Bezug aufbauen kann.

Weshalb haben Sie sich für das Studium an der Hochschule Kehl entschieden?

Der Grund war mein Berufswunsch. Als ich jünger war, habe ich mitbekommen, dass Kehl als Bürgermeisterschmiede bekannt ist. Nach der Realschule habe ich mein Wirtschaftsabitur gemacht, um danach den Studiengang in Kehl zu studieren.

Wie vereinbaren Sie das Studium mit Ihrer Arbeit als Stadträtin, Ihrem Engagement im Verein und Ihrem Amt als Weinprinzessin?

Zu Beginn meiner Arbeit als Stadträtin im Jahr 2019 dachte ich, dass sehr viel auf mich zukommen wird, aber rückblickend ist es überschaubar. Zur Tätigkeit als Stadträtin würde ich niemandem aufgrund von Zeitgründen abraten – im Gegenteil, das ist vergleichbar mit jedem anderen Hobby. In Kombination mit meinem Studium und meinen Hobbys bekomme ich alles unter einen Hut. Aber es gehört eine gute Organisation dazu.

Durch Ihr Amt als Weinprinzessin haben Sie schon Erfahrungen zum Thema „in der Öffentlichkeit stehen“ gemacht — Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Als jüngstes Mitglied – mit 19 Jahren – im Stadtrat zu sein, sorgt für Aufsehen. Damals habe ich bereits Aufregung um meine Person erlebt. Genauso ist es als Weinprinzessin: Es ist viel Trubel, aber durchweg positiv. Vor der Wahl zur Stadträtin gab es Stimmen, die gesagt haben: „Die Leute wählen dich nicht, weil du zu jung bist.“ Aber so etwas akzeptiere ich einfach, denn daran kann ich nichts ändern. Deswegen habe ich mich trotzdem zur Wahl aufgestellt.

Welche Aufgaben bringt Ihr Amt als Weinprinzessin mit sich?

Wein trinken (lacht). Ich repräsentiere auf Veranstaltungen das Anbaugebiet Breisgau und alle Winzer, die dazu gehören. Ich finde es dabei besonders wichtig, an die Menschen heranzutragen, wie viel Arbeit in einem Glas Wein steckt.

Denken Sie Ihre Arbeit als Stadträtin bereitet Sie auf das Amt der Bürgermeisterin vor?

Ich glaube es bereitet mich gut vor. Ich lerne vieles kennen, was ich als Bürgermeisterin wissen muss, vom Haushalt der Gemeinde bis hin zu den Mitarbeitern im Rathaus. So lerne ich die Praxis zu den Grundlagen meines Studiums kennen.

Was sind Ihre Pläne nach dem Studium?

Bürgermeisterin ist mein Traumberuf, aber ich möchte es nicht unmittelbar nach meinem Studium werden. Ich bin der Meinung, dass man sich der Verantwortung bewusst sein sollte, die der Beruf mit sich bringt. Außerdem möchte ich noch „jung“ und als Carina unterwegs sein, noch nicht als „die Bürgermeisterin“. Daher kann das noch etwas warten. Ich würde mich vorerst in einer Baurechtsbehörde sehen.

In welcher Art von Gemeinde bzgl. Größe und Lage würden Sie kandidieren?

Ich bin sehr heimatverbunden, weshalb ich mir sehr gut vorstellen kann, einmal in der Heimat zu kandidieren. Auch die Größe meiner Heimatstadt Ettenheim mit etwa 13.000 Einwohnern ist sehr passend. Es gibt allerdings die Empfehlung, in einem Ort zu kandidieren, wo man den Leuten neutral gegenübersteht, also nicht in der Gemeinde in der man wohnt.

Quelle/Autor: Maja Baier, Natascha Händle, Leonie Hepp, Lena Mangold und Julia Ritz

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