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Archive

Akten-Rettung durch Tieffrieren und Gefriertrocknen

Bei einem Wasserschaden an Archivgut zählt jede Stunde, um Schimmel zu verhindern und die Bestände zu retten. Das Kreisarchiv im Schwarzwald-Baar-Kreis probte deshalb mit Papierrestauratorin Anna Coulon den Ernstfall.
Gruppe von elf Personen unter blauem Pavillon, Notfallboxen im Vordergrund.

Das Kreisarchiv Schwarzwald‑Baar‑Kreis probte für den Ernstfall die Bergung von durchnässten Büchern. Foto: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis

Ralf Schick)

Villingen-Schwenningen. Archivbestände können durch einen Wasserrohrbruch, durch Starkregen, Überschwemmung oder auch einen Feuerwehreinsatz nass werden. Wenn Archivgut nass wird, bleiben oft nur wenige Stunden, um es zu bergen und einzufrieren.

Im Kreisarchiv im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde deshalb in einem Workshop der Ernstfall geprobt. Dazu wurden laut Mitteilung des Landkreises Kollegen aus Kulturgutinstitutionen in der Region eingeladen und die Papierrestauratorin Anna Coulon aus Emmendingen.

Für den Ernstfall wurden „Aktendummys“ vorbereitet

Die „Aktendummys“, die das Kreisarchiv eigens aus Papieren ohne datenschutzrechtlich relevante Inhalte gebastelt hatte, und Buchdubletten wurden am Vortag gewässert und hatten genügend Zeit, ordentlich durchzuweichen. Das Wasser hatte sich blau-grün verfärbt unter anderem durch Leim, Druckerschwärze, Stempelfarbe und Staub.

„Wenn das durchnässte Archivgut geborgen und verpackt werden kann, bevor sich Schimmel bildet, bestehen gute Chancen, es durch Tieffrieren und anschließende Gefriertrocknung noch zu retten“, heißt es weiter.

Damit die einzelnen Stücke beim Einfrieren nicht aneinanderkleben, müssen sie vorher in Plastikfolie eingeschlagen werden, und zwar so, dass noch möglichst viel Wasser abfließen kann. Und weil sich die Bucheinbände beim Gefriertrocknen verformen würden, werden sie mit Mullbinden bandagiert.

Bevor die triefenden Stücke so behandelt werden, werden sie aber erst einmal nach Bedeutung und Schaden getrennt und einzeln dokumentiert. Denn schließlich ist es notwendig, zu wissen, welches Archivgut von einem Schaden betroffen wurde.

Das Kreisarchiv hat im vergangenen Jahr mit Förderung durch die „Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts“ in Berlin eine Notfallbox beschafft. Diese enthält für den Ernstfall Gummistiefel, Taschenlampen, Türkeile, Handschuhe, Stretchfolie sowie Folienbeutel in allen Größen. Außerdem enthält sie noch einen Generator, der Strom für Licht erzeugen kann. Die Box ist so konzipiert, dass sie mit einem größeren Auto leicht an jeden Ort im Kreis transportiert werden kann.

Beim Workshop folgte erst eine theoretische Einführung durch Anna Coulon. Sie war an der restauratorischen Behandlung der Bestände des Archivs der Stadt Köln beteiligt, das 2009 in einen daneben gebauten U-Bahn-Schacht stürzte und eine der größten Bergungsaktionen in der Nachkriegsgeschichte auslöste.

Bergen, dokumentieren, verpacken und bandagieren

Am Nachmittag standen dann alle vor den Kübeln mit dem durchnässten „Archivgut“. Dann entstand eine Art Arbeitsstraße der Mitarbeiter vom „Bergen“ über das Dokumentieren, Verpacken und Bandagieren bis zur Ablage auf Paletten, die dann ins Kühlhaus befördert würden.

Trotz aller Mühen lässt sich ein Wasserschaden an Archiv- und Bibliotheksgut nicht ungeschehen machen. Die „Akten“ sind für alle Zukunft beschädigt. (sta/rik)

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