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Stadtplanung

Weinbrenners Bauten prägen bis heute Karlsruhe

Er prägte das Karlsruher Stadtbild wie kein anderer und gilt bis heute als führender Klassizist Badens. Johann Jakob Friedrich Weinbrenner lenkte als Baudirektor, Stadtplaner und Architekt das gesamte Bauwesen in der Fächerstadt und darüber hinaus.
Backsteingebäude mit Türmen, Park, Palmen, Bänke, Spaziergänger, blauer Himmel.

Weinbrenner entwarf den Botanischen Garten in Karlsruhe. Foto: G. Bayerl/www.gbayerl.com

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Karlsruhe. Ob Rathaus, Stadtkirche, Ballhaus, Denk- und Grabmäler oder der Marktplatz mit dem pyramidalen Grab des Stadtgründers, Johann Jakob Friedrich Weinbrenner hat in Karlsruhe bedeutende Spuren hinterlassen. Es war eine Zeit, in der das Geld knapp war, deshalb zeichnet sich sein Stil „durch Schlichtheit aus“, wie die Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) schreiben. Auch im Umland setzte er mit seinen Entwürfen bauliche Akzente, davon zeugen das Kurhaus in Baden-Baden und das Belvedere im Kur- und Schlosspark Badenweiler.

Der deutsche Architektur- und Kunsthistoriker Georg Dehio schrieb im Jahr 1911 über Weinbrenner, der 1766 in Karlsruhe geboren wurde und dort am 1. März vor 200 Jahren im Jahr 1826 starb: Er sei „ein Vertreter der neuklassischen Simplizität in ihrer rigorosesten Form, anmutlos aber niemals kleinlich, durch eine karge Zeit in seinem monumentalen Idealismus nie wankend gemacht, ein Meister sinnreicher und mannigfaltiger Grundrisse“.

Weinbrenner trat in die Fußstapfen seiner Vorfahren

Als Sohn des Hofzimmermeisters Johann Ludwig Weinbrenner in Karlsruhe und Enkel des Hohenloher Zimmermeisters Johann Friedrich Weinbrenner trat Friedrich Weinbrenner früh in die Fußstapfen seiner Ahnen. Ab 1780 absolvierte er eine Zimmermannslehre im väterlichen Zimmereibetrieb.

Ab 1788 arbeitete er als Bauführer in Zürich und Lausanne. Zwei Jahre später kam er nach Wien und entschloss sich zum Architekturstudium, 1790/91 studierte er an den Akademien in Wien und Dresden, 1791/92 folgte ein mehrmonatiger Studienaufenthalt in Berlin. Für die Entwicklung seines späteren Baustils war jedoch sein Aufenthalt in Italien maßgeblich. „Von 1792 bis 1797 beschäftigte er sich dort intensiv mit antiken Bauwerken. Mächtige Säulen, vorgelagerte Giebel und ein eher sparsamer bis strenger Einsatz von Dekorationselementen prägten seine Kreationen“, heißt es bei den Staatlichen Schlössern und Gärten.

„Er entwickelt eine eigenständige Architektur, die von klarer Geometrie und blockhaften Volumina gekennzeichnet ist“, schreibt der Karlsruher Architekt Peter Thoma im Jahr 2016 in einem Beitrag für das Stadtarchiv Karlsruhe. Seine „Sprache“, so Thoma, „wird von der Antike und der Renaissance geprägt, ebenso von der französischen Revolutionsarchitektur.“

Viele öffentliche Bauten und Anlagen

Als Leiter des „Staatlichen Badischen Bauwesens“ plante Weinbrenner zahlreiche öffentliche Bauten und Anlagen wie etwa den Botanischen Garten Karlsruhe, der zu den SSG-Monumenten zählt. Der Garten wurde ab 1806 nach seinen Entwürfen angelegt. Dort ließ er unter anderem Anzuchthäuser und eine Orangerie als Holzkonstruktionen errichten. Ab 1863 ersetzte man die hölzernen Konstruktionen der Gewächshäuser durch Gusseisen, wie es seit Mitte des 19. Jahrhunderts in England für Glashäuser benutzt wurde.

Als Klassizist war Friedrich Weinbrenner fasziniert von den römischen Ruinen in der badischen Markgrafschaft – das galt auch für die römische Badruine Badenweiler, die zu den bedeutendsten römischen Denkmälern in Baden-Württemberg zählt. „Um 1820 zeichnete der Baudirektor eine eher fantasievolle Ansicht, wie er sich das antike Badenweiler vorstellte: als elegante Stadt mit Tempeln und Häusern am Hang des Schwarzwaldes“, heißt es weiter bei den SSG.

Und so entstand das Belvedere im Kur- und Schlosspark Badenweiler, das Weinbrenner entwarf als klassizistisches Parkgebäude mit einer Säulenvorhalle. Gebaut wurde es zwischen 1811 und 1813. Weinbrenner stirbt 1826, seit 1958 wird sein Sarkophag in der Gruft der Evangelischen Stadtkirche bewahrt.

Studioausstellung

Das Schaffen des Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner (1766 bis 1826) bestimmt bis in die Gegenwart das Stadtbild seiner Heimatstadt. Seine Bauten und stadtplanerischen Konzepte prägen den städtischen Raum. Anlässlich seines 200-jährigen Todestags widmet die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe dem Badischen Baudirektor bis zum 14. Juni 2026 unter dem Titel „Klassisch gegenwärtig“ eine Studioausstellung und präsentiert Werke aus dem Kupferstichkabinett.

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Ralf Schick)

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