Orte in Baden-Württemberg

Beeindruckende Hallen: Die Blauhöhle in der Schwäbischen Alb

Allein schon die Namen faszinieren: „Wolkenschloss“, „Apokalypse“, „Halle des verlorenen Flusses“, der Gang „Stairway to Heaven“ oder die Tropfsteinwelt „Avalon“. Das Blauhöhlensystem tief unter der Schwäbischen Alb mit der Blautopfhöhle und Vetterhöhle zählt zu den größten Höhlen Deutschlands.

Die Madonnenhalle ist einer der Orte in der Blauhöhle, die Forscher besonders faszinieren. Landesverband Höhlen- und Karstforschung, Andreas Kücha)

BLAUBEUREN/ULM. Es ist das längste Höhlensystem auf der Schwäbischen Alb. Als Blauhöhlensystem werden die beiden zusammenhängenden Höhlen der Blautopfhöhle und der Vetterhöhle in Blaubeuren bezeichnet. Jahrzehntelang wurde vermutet, dass die beiden Höhlen ein zusammenhängendes System bilden.

Doch erst am 22. September 2006 konnte der Beweis erbracht werden, dass die beiden Höhlen im sogenannten Wolkenschloss miteinander verbunden sind.

„Seit Jochen Hasenmayer im Jahre 1985 im Mörikedom zum ersten Mal auftauchte, ist klar, dass die Schwäbische Alb eines der größten Höhlensysteme Deutschlands unter sich birgt“, sagt Wieland Scheuerle, Geschäftsführer des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg. In diesen Tagen trafen sich Speläologen, wie die Höhlenforscher im Fachjargon heißen, des Verbandes, um sich auszutauschen und über Neuigkeiten aus dem Höhlensystem zu berichten.

Drei Höhlenvereine forschen im Blauhöhlensystem

Der Höhenzug der Schwäbischen Alb war vor 150 Millionen Jahren der Grund eines Jurameeres. Was davon übrig blieb, ist Kalkgestein. Regenwasser verbindet sich mit dem Kohlendioxid der Luft zu Kohlensäure, versickert im Boden und löst das Gestein. Diese sogenannte Verkarstung ist die Entstehung von unterirdischen Rissen, Rinnen und Klüften bis hin zu weitflächigen Höhlensystemen.

Ein Beispiel dafür ist das Höhlensystem rund um den Blautopf, welcher seit 2019 als Geotop und Geopoint des Unesco Global Geopark Schwäbische Alb ausgezeichnet ist. Die Blauhöhle speist als aktive Wasserhöhle den Blautopf als Quelltopf . Insgesamt drei Höhlenvereine forschen seit über zwei Jahrzehnten in dem verzweigten und miteinander verbundenen Tunnelsystem.

Seit 1997 forscht etwa die Höhlenforschergruppe Ostalb-Kirchheim auf dem Tauchweg über den Blautopf und über den Landweg, um die Ausmaße des Systems zu erkunden. Dort fänden sich nicht nur „beeindruckende Hallen mit teilweise riesigen Dimensionen“, schwärmt Scheuerle. Es seien aber auch Bereiche mit Tropfsteinen wie das „Reich der schönen Lau“ zum ersten Mal betreten worden, fügt der Geschäftsführer des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung hinzu.

Parallel hierzu wurde seit 2005 von der „Arbeitsgemeinschaft Blaukarst“ in einer Doline nahe Berghülen etwa zwanzig Kilometer entfernt von Ulm ein Schacht nach unten gegraben, mit dem man ein paar Jahre später in 135 Meter Tiefe auf eine Flusshöhle mit ebenso großen Dimensionen stieß: die acht Kilometer lange Hessenhauhöhle. „Färbeversuche zeigten die Verbindung zur Blauhöhle“, sagt Scheuerle. Und im Jahr 2002 wurde die Vetternhöhle entdeckt, in der der Höhlenverein Blaubeuren forscht. Die Vetternhöhle ist ein trockenliegendes älteres Stockwerk des Blauhöhlensystems. 2008 und 2009 wurde ein weiterer Eingangsschacht gegraben, der einen dauerhaften Zugang für die Höhlenforschung gewährleisten soll.

Es gibt „sicher noch viele Überraschungen“

Im vergangenen Jahr nun sei ihnen durch Grabungen im Steebschacht ein weiterer entscheidender Schritt zur Erforschung des Systems gelungen. Hier erreichte man nach zwölf Jahren Arbeit in 160 Meter Tiefe einen Flusstunnel, dessen Dimensionen die Fortsetzung der Blau in Richtung Westen nahelegen. Nach Ansicht von Scheuerle birgt der Weg zum größten Höhlensystem „sicher noch viele Überraschungen“.

Ralf Schick

Redakteur Landeskundliche Momente und Beruf und Karriere

0711 66601 185

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