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Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen: seit 2011 universelles Erbe der Menschheit

Vor zehn Jahren wurden die Pfahlbausiedlungen am Bodensee zum universellen Erbe der Menschheit erklärt. Im Südwesten sind etwa 120 Siedlungsplätze registriert worden.

Gelände des Pfahlbaumuseums, das im Bodensee steht. dpa/ Felix Kästle)

MEERSBURG. Die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen des Alpenvorlands gehören zu den herausragenden archäologischen Fundstätten Europas. Dies vor allem auch aufgrund hervorragender Erhaltungsbedingungen unter Wasser, sagt Sabine Hagmann vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD).

Hagmann arbeitet am Pfahlbauten-Informationszentrum Baden-Württemberg in Gaienhofen am Bodensee und ist zugleich tätig bei der Arbeitsstelle für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

Es geht um den Erhalt, die Erforschung und Vermittlung

Vor zehn Jahren wurden die Pfahlbausiedlungen am Bodensee zum universellen Erbe der Menschheit erklärt. Diese UNESCO-Nomination schreibt seither ein Zeitmanagement vor, „bei dem es um den Erhalt, die Erforschung und Vermittlung geht: Ich muss das Ganze koordinieren“, sagt Hagmann.

Wenn beispielsweise die Bodenseeschifffahrt plant, einen neuen Katamaran einzusetzen, muss genau überprüft werden, wie lang das Boot ist und wo es an- und ablegen darf, sagt Hagmann. Oder wenn eine Bodenseegemeinde plant, ihren Hafen zu erweitern, „dann geht das nur unter Berücksichtigung der Einhaltung des besonderen Schutzes“, betont Hagmann.

Seit mehr als 150 Jahren kommen am Bodensee, aber auch in Oberschwaben in den Moorgebieten etwa am Federsee, immer wieder sensationelle Funde ans Tageslicht. Mal waren es drei große Scheibenräder aus Holz, Spuren der frühen Metallurgie wie ein Gusstiegel, oder wie zuletzt in diesem Jahr am Bodensee der Fund eines Einbaums.

„Das Besondere an den Pfahlbauten ist, dass wir hier rund 20 übereinander liegende Schichten haben“, sagt Hagmann. Anhand von Pollen oder Nahrungsresten könne man eine detaillierte Rekonstruktion von Lebens- und Umweltverhältnissen aus der Zeit zwischen den ältesten Funden um 4000 vor Christus bis zu den jüngsten um 800 vor Christus erhalten – „wenn Sie so wollen, liegen da unsere Klimadaten“, betont Hagmann.

Mit einer Kiesschicht, die wie Sedimentfallen wirken, werden die Pfahlbauten am Bodensee vor Erosion geschützt.

Foto: Landesamt für Denkmalpflege

Durch die Unesco-Nominierung vor zehn Jahren sei die Aufmerksamkeit auf ein Welterbe gelenkt worden , das es besonders zu schützen und zu erhalten gelte, sagt Hagmann – „und es geht dabei immer um Originalbestände“.

Rund 900 Pfahlbaufundstellen in sechs Ländern registriert

Rund um die Alpen, in den Seen und Mooren der Schweiz, Ostfrankreichs, Oberitaliens, Sloweniens, Österreichs und Deutschlands sind insgesamt etwa 900 Pfahlbaufundstellen registriert. „Südwestdeutschland hat davon mit etwa 120 Siedlungsplätzen einen bedeutenden Anteil daran“, erläutert Hagmann. Sie liegen in der Flachwasserzone des Bodensees, aber auch in den Verlandungsgebieten des Federsees und in weiteren Kleinseen und Mooren Oberschwabens.

„Wir erkunden und betreuen das besondere Kulturerbe unter Wasser und führen Projekte zur Rettung und Erforschung bedrohter Fundstätten durch“, sagt Hagmann. „Anders aber als bei historischen Bauten wie etwa dem Kölner Dom, den man begehen und bestaunen kann, handelt es sich bei den Funden oft um Dinge, die einen technologischen Quantensprung bedeuten, den man auf den ersten Blick gar nicht so wahrnimmt“, weiß Hagmann.

Ralf Schick

Redakteur Landeskundliche Momente und Beruf und Karriere

0711 66601 185

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