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Andreas Eschbach bringt die drei ??? zurück

Andreas Eschbach hat 1995 seinen ersten Roman "Die Haarteppichknüpfer" veröffenlticht.
Privat)Brest. Was wäre, wenn… sich ein Autor dafür entscheidet, Tausenden Menschen ein Stück ihrer Kindheit zurückzugeben? Dann entstünde ein Buch mit Protagonisten, die man abseits von Jugendbüchern nicht mehr erwartet hätte. Genau das ist Andreas Eschbach mit seinem neuesten Roman „Die Auferstehung“ gelungen: Er hat „Die drei ???“ wieder zum Leben erweckt und dem legendären Ermittlungsteam ein neues Rätsel aufgegeben – diesmal als Erwachsene, mitten in einem ganz normalen Leben.
Eschbach hat in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Immer getrieben von der Frage: Was wäre wenn? Bei seinen Werken legt er sich dabei nicht auf ein Genre fest: „Ich habe eine Idee, und diese Idee will eben eine bestimmte Art von Buch.“ Entsprechend vielfältig sind seine Romane. Einige werden klar als Thriller vermarktet, andere sind stark von Science-Fiction-Elementen geprägt. Auch bei der Zielgruppe zeigt sich Eschbach flexibel. In der Vergangenheit hat er sowohl Bücher für Erwachsene als auch für Jugendliche geschrieben: „Meine Sozialisation zum Lesen hat ja auch mit Jugendromanen angefangen“, sagt der mittlerweile 66-Jährige: „Enid Blyton, die Fünf Freunde, das war eine ganz große Hausnummer in meiner Kindheit.“
Sein Vater erzählte Geschichten von fliegenden Autos
Eschbach schreibt auch immer wieder für die am längsten laufende Science-Fiction-Serie der Welt: Perry Rhodan. Die Heftromanreihe wirbt auf ihrer Website mit einem Zitat des Autors. Darin erklärt Eschbach, dass ihn erst Perry Rhodan selbst zum Schreiben gebracht habe.
Der ehemalige Baden-Württemberger stammt aus einer „etwas mehr als durchschnittlich“ kreativen Familie. Sein Vater, Sachbearbeiter einer Personalabteilung, erzählte Eschbach und seinem Bruder Geschichten von einem Helden mit Fahrzeugen, die fliegen, fahren und tauchen konnten: „Das waren immer Abenteuer gegen die Bösewichte“, erinnert er sich. Eigentlich habe sein Vater die Geschichten jeweils an einem Tag beenden wollen, doch Eschbach und sein Bruder, der heute gelernter Zimmermannsmeister ist, hätten am nächsten Tag darauf bestanden, dass es weitergehen müsse: „Da habe ich gelernt, dass man eine Geschichte immer fortsetzen kann.“
Das Weitererzählen von Geschichten prägte seine Karriere. Ab 2001 schrieb Eschbach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Roman in Echtzeit. „Exponentialdrift“ erschien wöchentlich in Episoden und war zunächst auf unbestimmte Zeit angelegt. Am Ende umfasste der Fortsetzungsroman 42 Folgen: „42 ist eine magische Zahl in der Science-Fiction“, sagt Eschbach und spielt damit auf einen Roman von Douglas Adams an.
Nun hat er auch der Jugendbuchreihe „Die drei ???“ eine Fortsetzung geschenkt. Als der Kosmos-Verlag mit der Anfrage auf ihn zukam, war für ihn klar: „Wenn ich das schreibe, dann muss es so sein, dass sich die drei verkracht haben. Ganz logisch, sonst gäbe es ja Tausende Romane mit den drei Fragezeichen als Erwachsene.“
Die drei ???-Reihe gibt es seit dem Jahr 1964
Sein Buch erzählt deshalb davon, wie die Kinderdetektive Justus, Peter und Bob wieder zueinanderfinden. Eschbach hat dabei zahlreiche versteckte Hinweise eingebaut, über die sich die Fan-Community freuen dürfte: „Bob kauft einen gelben VW, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, und er hat ein gelbes Notizbuch. Auch Skinny Norris taucht auf.“
Ob ihm die Leser für dieses Werk den „Geldbeutel-Preis“ verleihen werden? Für Eschbach ist das der wichtigste Literaturpreis der Welt: „Wenn man sich den Namen eines Autors merkt mit dem Vorsatz: Von dem kaufe ich mal wieder was, dann hat man ihm den Geldbeutel-Preis verliehen.“
Dass es dafür Kandidaten gibt, zeigte sich auf der Frankfurter Buchmesse. Bei der letzten Lesung sei der Andrang enorm gewesen: „Der Verlag hat mir Leibwächter an die Seite gestellt, damit ich hinein- und rauskomme, ohne erdrückt zu werden.“
Leser, die bereit sind, den Geldbeutel-Preis zu vergeben – oder auch nicht –, scheint es also mehr als genug zu geben.