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Berufsschulen klagen über zu viel Bürokratie

Rund 22 000 Lehrkräfte arbeiten an 300 Standorten im Südwesten.
IMAGO/Michael Bihlmayer)Stuttgart. Sie sind das Scharnier zwischen Schulwelt und Wirtschaft: Mit neun Forderungen wenden sich Baden-Württembergs Berufsschullehrer an die vermutlich bald wieder regierenden Grünen und CDU. „Wir brauchen ein Signal für Verlässlichkeit. Wettbewerbsfähigkeit und Anerkennung“, sagt der Vorsitzende des Berufsschullehrerverband Christoph Franz (BLV) am Donnerstag in Stuttgart. Es gehe um eine „zentrale Zukunftsinfrastruktur des Landes“.
Berufsschulen bieten auch Fehlstartern Perspektive
An 300 Standorten im Südwesten arbeiten rund 22 000 Lehrkräfte. Berufsschulen verstehen sich nicht nur als zuständig für berufliche Orientierung, sondern auch für „Aufstieg und Anschluss“, weil nach einem Fehlstart, so Franz, doch eine Perspektive geboten werde: „Aus einem jungen Menschen, der sich lange als gescheitert erlebt hat, wird wieder ein Auszubildender.“ Dieses Angebot sei von großer Bedeutung.
Auch deshalb verlangt der BLV nach einem „sichtbaren Kapitel“ im künftigen Koalitionsvertrag. Es gehe um Fachkräftesicherung, um Integration, um Innovation, um Übergänge und Weiterbildung. Und um ein „Sofortprogramm gegen Bürokratie und Konzeptionitis“.
Berufsschullehrer beklagen die „Übersteuerung des Systems“. Viel zu viel Zeit müsse für die Erstellung von Nachweisen, Rückmeldungen und Konzeptfassung verwendet werden, so die stellvertretende BLV-Vorsitzende Michaela Keinath. Zeit, die fehle, sich um Jugendliche zu kümmern, „die beginnen, sich aus dem Schulleben zurückzuziehen“. Dann sei schnelles pädagogisches Handeln gefragt.
SPD für digitale Ausstattung „auf Höhe der Zeit“
Immerhin darf sich der BLV von Punkt acht des Sondierungspapiers mitgemeint fühlen, in dem von Grünen und CDU die Abschaffung von Berichtspflichten in Aussicht gestellt wird.
Stefan Fulst-Blei, der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, selber gelernter Berufsschullehrer, verlangt, auf die veränderte Schülerschaft durch mehr individuelle Förderung einzugehen. Die neue Landesregierung müsse Geld in die Hand nehmen, auch „um die digitale Ausstattung der Schulen endlich auf Höhe der Zeit zu bringen“.