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Bauernregel

„Eisheilige“: Geschichten von Kälte, Mord und Verfolgung

Mit Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und der kalten Sophie kann es Mitte Mai nochmals richtig frostig werden.

Der heilige Pankratius ließ sich nicht vom christlichen Glauben abbringen und wurde deshalb öffentlich enthauptet.

epd/Annette Zoepf)

Stuttgart/Bremerhaven. Ihre Namen finden sich allesamt im ökumenischen Heiligenkalender. Gemeint sind Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und dazu noch die kalte Sophie.

Sie stehen für die Tage vom 11. bis 15. Mai, für die „Eisheiligen“, einem besonderen Wetterphänomen im Frühjahr. In diesen Tagen nämlich, so besagen alte Bauernregeln, kann es noch einmal richtig kalt werden.

Bauernregel: „Pflanze nie vor der kalten Sophie“

Gemeint ist mit der „kalten Sophie“ der 15. Mai, der Tag der heiligen Sophia. Tatsächlich könne es sein, dass im Mai noch einmal kalte Polarluft Deutschland erreiche, erläutert die Wetter-Expertin Annika Brieber, Meteorologin im „Klimahaus“ Bremerhaven.

„In der Übergangszeit bricht über dem Nordpol der Polarwirbel zusammen, der die kalte Luft festhält, die dann zu uns kommt.“ Das sei für Mitteleuropa durchaus typisch und werde als meteorologische Singularität bezeichnet. Späte Fröste gefährden zum Beispiel blühende Obstbäume, Weinreben, Gemüsepflanzen oder Sommerblumen.

Doch der pünktliche Wetterumschwung zwischen dem 11. und 15. Mai ist eher die Ausnahme. Eine päpstliche Kalenderreform im 16. Jahrhundert hat zudem das Zeitfenster verschoben, sodass die Regel heute noch weniger exakt zutrifft. „Die Eisheiligen halten sich nicht an den Kalender“, bringt es Brieber auf den Punkt. Die Wahrscheinlichkeit für späte Fröste sei im Mai generell erhöht. „Aber eben nicht speziell an den Tagen der Eisheiligen.“

Annika Brieber hat da vielmehr einen Zeitkorridor im Blick, der mehrere Wochen im Mai umfassen kann, auch schon die Tage Anfang des Monats. Mit dem Setzen junger Pflanzen bis Mitte Mai und darüber hinaus zu warten, um sie vor zerstörerischem Frost zu schützen, sei insofern „keine schlechte Idee“.

Erster im Bunde der „Eisheiligen“ ist Mamertus (11. Mai), um 461 Erzbischof von Vienne in Frankreich. „Nach zahlreichen Feuern und Erdbeben und großen Zerstörungen in seiner Heimatstadt führte er die Drei Bittgänge vor dem Fest Christi Himmelfahrt ein, Prozessionen zur Abwendung von Gefahren und zur Erflehung göttlicher Hilfe“, sagt Joachim Schäfer, evangelischer Pfarrer in Stuttgart und Webmaster des digitalen Lexikons www.heiligenlexikon.de .

Pankratius (12. Mai) wurde um 289 in Phrygien in der heutigen Türkei geboren. Er gilt als Märtyrer, weil er sich nicht von seinem christlichen Glauben abbringen ließ und deshalb öffentlich enthauptet wurde.

Servatius (13. Mai) stammt vermutlich aus dem heutigen Armenien und wurde um 340 Bischof der belgischen Stadt Tongern in der Nähe von Lüttich. „Legenden erzählen, er sei mit einem Holzschuh erschlagen worden. Andere berichten, dass er seinen Tod vorausfühlend, nach Maastricht ging, da er dort begraben werden wollte“, sagt Schäfer.

Ein qualvoller Tod durch siedendes Pech

Bonifatius (14. Mai), der laut Überlieferungen im dritten Jahrhundert in Rom geboren wurde, ließ sich angesichts der Christenverfolgung unter Kaiser Galerius taufen. „Worauf er selbst durch siedendes Pech sterben musste“, sagt Schäfer. Als Letzte folgt Sophia von Rom (15. Mai), die Schäfer zufolge als junge Frau um 304 den Martertod erlitt, wahrscheinlich in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian. (epd)

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