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Fünf Amtszeiten, ein Ort: Frank Hornek bleibt Kirchberg treu

Frank Hornek wurde 1994 zum ersten Mal Bürgermeister und geht jetzt in seine fünfte Amtszeit.
Privat/Tschepe; Montage: Herrgoß)Kirchberg an der Murr. An einen konkreten Berufswunsch in Kindertagen kann sich Frank Hornek nicht erinnern. Wohl aber an sein Faible für Zahlen – bereits im zarten Alter von vier Jahren haben ihm seine Eltern immer und immer wieder Kopfrechenaufgaben stellen müssen. Das erzählt der Bürgermeister von Kirchberg an der Murr an einem trüben Tag und mit einem Grinsen im Gesicht – es ist mittlerweile ein paar Wochen her, dass der 62-jährige Kommunalpolitiker seine fünfte (Wieder)Wahl zum Schultes der knapp 4200 Einwohner zählenden Gemeinde im Rems-Murr-Kreis feiern konnte. Am 1. April beginnt für Hornek die neue Amtsperiode – kein Scherz. Zahlen, sagt er sinngemäß, seien nach wie vor sein Ding.
Der wandelnde Taschenrechner
Zurück in die Jugend des Mannes, der 1994 erstmals zum Bürgermeister im Murrtal gewählt worden ist. In der siebten Klasse nennt ihn eine Lehrerin „den wandelnden Taschenrechner“. Rund fünf Jahre später macht der junge Mann am Gymnasium in Ditzingen Abitur – klar: mit dem Leistungskurs Mathematik.
Wegen einer Sportverletzung muss Frank Hornek nicht zur Bundeswehr und deshalb schnell entscheiden, wie es beruflich weiter geht. Lange nachdenken über seine Zukunft muss er nicht. BWL studieren sei eine Option gewesen, doch schnellt steht fest: Frank Hornek wird die Beamtenlaufbahn einschlagen, erst zwei Jahre bei der Stadt Ditzingen arbeiten und dann zwei Jahre an der Hochschule in Ludwigsburg studieren. Diplom-Verwaltungswirt, klingt nicht sexy. Von manchen Mitschülern sei er damals regelrecht verspottet worden. Egal. Hornek macht sein Ding. Die Sicherheit eines Beamtenpostens ist ihm damals nicht unwichtig. Und er will Kämmerer werden, der Mann, der bei der Verwaltung einer Stadt oder einer Gemeinde zuständig ist, genau: für die Zahlen.
Im Sommer 1987 die erste Stelle, Frank Hornek wird stellvertretender Kämmerer in Denkendorf – und kaum ein Jahr später dann Kämmerer in Weisenbach bei Rastatt. Während seiner „sechs Jahre im badischen Exil“ kommt er zu der Erkenntnis: „Bürgermeister, das kann ich auch!“ Seit ziemlich genau 32 Jahren beweist Frank Hornek in Kirchberg: stimmt! Dieser Mann kann’s. Mehrmals wird er mit 90plusX Prozent im Amt bestätigt. Hornek sitzt fest im Sattel. Bei der Wahl jetzt im Februar kommt er auf knapp 70 Prozent. Er hatte einen ernst zu nehmenden Konkurrenten.
Warum macht einer wie Frank Hornek das? Weiter arbeiten, obwohl er sich nach vier Amtsperioden längst mit einer ordentlichen Pension zurückziehen könnte aus dem zeitaufwendigen Bürgermeister-Job. Rein rechnerisch hat er mit seinen jetzt 32 Berufsjahren als Schultes ganz bestimmt längst viel mehr gearbeitet als ein Otto-Normal-Angestellter mit einer 40-Stunden-Woche.
Schnelle Antwort: „Ich werde noch fünf Jahre arbeiten, dann bin ich 67.“ Arbeiten bis 67: Das werde doch auch von allen anderen Menschen im Land erwartet. Bereits im Wahlkampf hatte er erklärt, nicht mehr für eine ganze, achtjährige Periode zur Verfügung zu stehen. Denn arbeiten bis 70, „das will ich nicht“.
32 Jahre Kirchberg, plus weitere fünf. Dieser Rathauschef hat nach eigener Aussage nie den Drang verspürt zu neuen Ufern aufzubrechen. Warum auch? Der kleine Ort im Murrtal sei toll, „natürlich, dörflich – das hat immer gepasst“. Er habe hin und wieder Anfragen aus größeren Städten bekommen, diese aber immer sofort abgelehnt. „Ich stehe für Klarheit“, sagt der Bürgermeister.
Das wichtigste Projekt seiner bis dato vier Amtsperioden in Kirchberg? Für den Bürgermeister ganz klar: Die Eröffnung der S-Bahnstrecke von Backnang nach Marbach mit Stopp in Kirchberg im Jahr 2012. Sein persönliches „Lieblingsprojekt aller Zeiten“ sei der Neubau der Sporthalle 2005, diese Halle habe „Maßstäbe gesetzt“.
Ein ganz besonders Kirchberger Projekt sei „Kiga Plus“ – laut Hornek weit und breit einmalig. Im Ort werden alle Buben und Mädchen des letzten Kindergartenjahres zusammen betreut, nicht im jeweiligen Kindergarten, sondern in Räumen der Schule. . Einige Eltern seien skeptisch gewesen, nun indes sei man sich einig, so der Bürgermeister: „eine tolle Sache, ein totales Erfolgserlebnis“.
Was in den finalen fünf Jahren ansteht
Würde Frank Hornek alles nochmal so machen? Würde er heute als junger Mann wieder Bürgermeister werden wollen? Kurze Denkpause. Ja, sagt er dann. Wobei jedem klar sein müsse: „Du arbeitest von Montag bis Sonntag.“ Er selbst habe damals beim Wechsel vom Kämmerer zum Schultes eine sichere Stelle als Beamter auf Lebenszeit aufgeben müssen. Ein Risiko. Wäre er nach den ersten Jahren als Bürgermeister nicht wiedergewählt worden, „ich hätte auf der Straße gestanden“.
Jetzt also die finalen fünf Jahre. Was steht an? Hornek, der Mann der Zahlen, erzählt vom bis dato größten, teuersten Projekt in der Geschichte der Kommune: Der Neubau der Gemeindehalle, in der auch die Schulmensa untergebracht wird, die Halle soll rund 13 Millionen Euro kosten und Mitte/Ende 2027 fertig sein. Dann wird Frank Hornek noch rund dreieinhalb Jahre im Amt sein. Wann endgültig Schluss ist, das weiß der Mann, der schon als kleiner Bub Zahlen liebte, ganz genau: am 31.3.2031.