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Influencer im Fokus der Steuerfahnder: 438.000 Euro Nachzahlungen

Beim Finanzamt Karlsruhe sitzen Sonderermittler für Steuerfahndung im Internet.
IMAGO/Schoening)Stuttgart. Influencer zu sein, also sein eigenes Leben mit hunderttausenden Menschen in den sozialen Netzwerken zu teilen, das ist in Deutschland längst ein eigener Berufszweig. Experten schätzen, dass bis zu 20.000 Menschen im Land davon leben können, über das Internet für Produkte zu werben. Nur dieses Einkommen auch richtig zu versteuern, scheint häufig nicht so gut zu klappen. Allein in Baden-Württemberg mussten Influencer im ersten Halbjahr 2026 rund 438.000 Euro an Steuern nachzahlen.
„Für digitale Geschäftsmodelle gilt dieselbe Steuerpflicht wie für jeden anderen“, sagt Finanzstaatssekretärin Andrea Lindlohr am Freitagmorgen. „Die Bürger haben den Anspruch an uns, dass Steuergerechtigkeit für alle gilt.“
900 Kontrollmitteilungen an die Finanzämter
Seit Ende des vergangenen Jahres hat die Sondereinheit für Steueraufsicht rund 900 Kontrollmitteilungen an die Finanzämter im Land verschickt. Für die Ämter ist das ein Hinweis, dort eine steuerliche Prüfung zu beginnen. Unterstützt wird die Steuerfahndung von einer spezialisierten Ermittlungsgruppe, die im Finanzamt Karlsruhe angesiedelt ist. „Es gibt mit Sicherheit Influencer, die bewusst versuchen zu tricksen“, sagt Baden-Württembergs Oberfinanzpräsident Bernd Kraft. „Aber gerade bei den Kleineren sind auch welche dabei, die es wahrscheinlich einfach nicht besser wissen.“
Die Sondereinheit nimmt laut Kraft nicht nur Influencer ins Visier, sie konzentriert sich auf alle Bereiche, in denen Menschen über das Internet Geld verdienen. Die Einheit aus Steuerbeamten und Informatikern analysiert große Datenmengen und durchforstet gezielt die digitale Welt. Neben Social Media steht auch der internationale Onlinehandel oder der Handel mit Kryptowährung im Fokus.
Insgesamt 98 Milliarden Euro Steuereinnahmen
Der Social-Media-Bereich macht bislang nur einen Bruchteil der Summe aus, die die Sondereinheit für Steueraufsicht im vergangenen Jahr eingetrieben hat. Insgesamt stehen knapp 31,4 Millionen Euro Mehrsteuern in der Bilanz der Einheit. Die Steuerfahndung kommt auf ein Ergebnis von fast 206 Millionen Euro, die Finanzermittler sicherten 178 Millionen Euro.
Unterm Strich stehen für Baden-Württemberg im Jahr 2025 Steuereinnahmen von 98 Milliarden Euro, das sind 1,8 Milliarden Euro mehr als 2024. Mit 43,2 Milliarden Euro entfällt fast die Hälfte davon auf die Lohnsteuer. Einen Rückgang verzeichnen die Finanzämter bei der Körperschaftssteuer, wo die Einnahmen von 7,3 Milliarden im Jahr 2024 auf 5,2 Milliarden Euro gesunken sind.