Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Der Rems-Murr-Kreis hält an der Hagelabwehr fest

Pilot Frank Kasparek im Jahr 2021 neben einem Flugzeug zur Hagelabwehr.
dpa/Marijan Murat)Waiblingen. Nach dem Ausstieg der Kreise Ludwigsburg und Heilbronn setzt der Rems-Murr-Kreis auch künftig auf die Hagelabwehr. Der Beirat Hagelabwehr habe beschlossen, den Schutz in den Jahren 2027 bis 2031 fortzuführen, teilt das Landratsamt in Waiblingen mit. Statt einer Reduzierung auf ein Flugzeug soll weiterhin mit zwei Maschinen gearbeitet werden – allerdings mit verändertem Einsatzgebiet und flexibleren Einsatzzeiten.
In der Hagel-Nebensaison steigt nur ein Flugzeug auf
Die Finanzierung in Höhe von 50 000 Euro für die Jahre 2027 und 2028 ist bereits gesichert. Hintergrund der Neuausrichtung sind finanzielle Herausforderungen: Aufgrund der angespannten Lage im Weinbau musste das bisherige Modell überprüft werden. Da die Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn sowie der Großteil der dortigen Finanzierungspartner aus dem Weinbau die Förderung der Hagelabwehr nicht weiterführen, verbleiben nur der Großraum Stuttgart und der Rems-Murr-Kreis im Schutzgebiet. Gleichzeitig spielte auch die Haushaltskonsolidierung eine Rolle.
Der Beirat entschied sich dafür, das Schutzgebiet um den Landkreis Reutlingen zu erweitern, das Konzept wird aber zeitlich angepasst: In den weniger hagelgefährdeten Zeiträumen vom 1. bis 31. Mai sowie vom 16. August bis 15. September ist nur ein Flugzeug vorgesehen. Während der Hauptsaison vom 1. Juni bis 15. August stehen zwei Maschinen bereit. Nach Angaben des Kreises zeigen Auswertungen vergangener Einsätze, dass sich Hagelwolken auch mit diesem Modell gezielt bekämpfen lassen.
„Die Fortsetzung der Hagelabwehr im Rems-Murr-Kreis ist ein starkes Signal für den Schutz unserer landwirtschaftlichen Flächen und Weinberge“, sagt Landrat Richard Sigel (parteilos) .
Durch die Zusammenarbeit mit Reutlingen könne das Schutzgebiet nach Südwesten erweitert werden. Viele Gewitterzellen würden aus dieser Richtung in die Region Stuttgart ziehen und könnten so bereits früher erreicht werden. Nach den Einsatzjahren 2027 und 2028 soll das Konzept überprüft werden. Sollte sich Reutlingen ab 2029 nicht mehr beteiligen, könnte der Schutz des Rems-Murr-Kreises auch mit einem Flugzeug fortgeführt werden.
Die Wirkung ist unter Experten umstritten
Auch andere Landkreise mit Rebflächen setzen auf die Hagelflieger, beispielsweise der Ortenaukreis. Die Flugzeuge versprühen Silberjodid in Hagelwolken. Die Partikel sollen die Zahl großer Hagelkörner verringern – und so das Schadensrisiko für Landwirtschaft, Fahrzeuge und Gebäude reduzieren. Ob diese Technik tatsächlich wirkt, ist unter Experten umstritten.