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OB-Wahlen

Konkurrenz für Belz in Böblingen und Holzwarth in Winnenden

Am Sonntag stehen die Oberbürgermeisterwahlen in Böblingen und Winnenden an. Stefan Belz hat fünf Herausforderer, Hartmut Holzwarth in Winnenden hinegen nur einen.
Links Fachwerkhäuser, rechts Fachwerkhaus mit Sonnenschirmen, je ein Porträt.

Sie wollen wiedergewählt werden:
Stefan Belz in Böblingen (links) und Hartmut Holzwarth in Winnenden.

IMAGO/Eibner/Arnulf Hettrich/Depositphotos)

Böblingen/ Winnenden. Vier Mitbewerber und eine Mitbewerberin treten gegen den amtierenden Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz an, keiner von ihnen kann einen Verwaltungshintergrund vorweisen. Für Belz, der vor acht Jahren selbst überraschend ins Amt gekommen ist, sprechen sich seine eigenen Grünen, aber auch die SPD und die Freien Wähler aus. Und es gibt Unterstützung von einzelnen Mitgliedern anderer Parteien.

Der 45-jährige OB, promoviert am Institut für Raumfahrtsysteme, setzt die Wirtschaft auf Platz eins seiner Agenda – ungewöhnlich für einen Grünen, doch sei sie Grundlage für die kommunalen Bildungsfragen, die Klimaanpassung und das Miteinander. Die einst prosperierende Stadt macht Schulden, das aber für investive Zwecke flankiert von Förderprogrammen, so Belz. Das kritische Thema Windkraft sei in Böblingen abgeräumt, es gebe keinen Platz mehr für neue Windräder.

Keine Windräder will Stefan Thien, der für die Werte-Union antritt. 2017 war er noch Bundestagskandidat der AfD im Wahlkreis Hohenlohe/Schwäbisch Hall. Der 63-jährige Geschäftskundenberater einer Bank ist in der Altersteilzeit und fordert weniger Ausgaben und Steuern.

Scharfe Verbalkonkurrenz für Böblingen Oberbürgermeister

Den Fokus auf die Finanzen legt auch Werner Schneider, dessen Kandidatur als letzte bekannt geworden ist. Der 53-jährige Diplom-Physiker hat Karriere in der französischen Luxusindustrie gemacht und fährt einen Konfrontationskurs zum Amtsinhaber: Belz solle von seiner Kandidatur Abstand nehmen, fordert Schneider auf seiner Webseite, weil der OB das strukturelle Defizit der Stadtkasse mit zahlreichen Projekten vergrößert habe. Lucas Guimaraes de Macedo kommt von der Kleinpartei Volt, ist 30 Jahre alt. Der IT-Consultant und Personaler will ins Chefbüro des Rathauses wechseln und dort die Gemeinderatsarbeit digitalisieren.

Auch der IT-Systemkaufmann Aleksandar Blazarski will im Rathaus vorneweg arbeiten. Verkehrsthemen und der Zusammenhalt in der Stadt beschäftigen ihn. Den 1981 Geborenen hatte vorher niemand auf der Liste, ganz im Gegensatz zu Fridi Miller. Die Dauerkandidatin kommt aus Böblingen und will bei ihrer wohl 113. Kandidatur ihre Wohlfühlstadt verwirklichen.

Aufgabenkritik nach der erhofften Wiederwahl

Im rund 30 Kilometer entfernten Winnenden tritt Hartmut Holzwarth (CDU) wieder an. Priorität in seiner dann dritten Amtszeit haben die Stadtfinanzen. Winnenden stehe wie alle Kommunen „erheblich unter Druck“ aufgrund gestiegener Kosten. Ersatzinvestitionen oder neue Anschaffungen fielen der Stadt zunehmend schwer. Daraus resultiere ein Personalabbau, wenn auch nicht „mit harter Hand“. Dabei will der 56-jährige Holzwarth Aufgaben kritisch hinterfragen, gegebenenfalls digitalisieren und effizienter gestalten. Auch das Thema Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder wird die Stadt in den kommenden Jahren noch beschäftigen.

Kontroverse Themen des Herausforderers

Sein Herausforderer setzt auf kontroverse Themen: Hans-Martin Fischer ist seit eineinhalb Jahren Stadtrat für die zweiköpfige Gruppierung „Bürgerstimme Winnenden“. Der gelernte Bankkaufmann arbeitet als Fotograf und Filmproduzent und bezeichnet sich selbst als aus der „Mitte der Gesellschaft“. Top-Thema für die Große Kreisstadt sind für ihn ebenfalls die Finanzen: „Wir haben keine Einnahme- sondern ein Ausgaben-Problem“, sagt der 60- Jährige. Als Kostentreiber nennt er, die nicht finanzierten Aufgaben, die die Kommunen in Schieflage bringen. Aber auch die Stadt habe mit der Sanierung des Wunnebads falsche Prioritäten gesetzt. Für Holzwarth ist die Generalsanierung und Erweiterung der Freizeitbades dagegen längst abgehakt: „Der Betrieb läuft gut.“

Fischer will mehr auf den Bürgerwillen hören und über wichtige Themen abstimmen lassen. Als Beispiel nennt er Windkraftanlagen. Diese machten in „Schwachwindgebieten“ keinen Sinn, zudem würden sie Häuser entwerten und Bewohner belasten, etwa durch Infraschall. Die Stadt plant mit Nachbarkommunen drei Windräder auf einem Waldgrundstück. Die Region Stuttgart hat hier bereits eine Vorrangfläche beschlossen.

Konstruktive Zusammenarbeit nach der Wahlentscheidung

Fischer will mit kostenfreiem Parken punkten. Auch Holzwarth würde gern über ein Zeitparken via App einführen, beispielsweise die erste halbe Stunde könnte kostenlos sein. Er möchte im Falle eines Wahlsieges weiter konstruktiv mit Fischer im Gemeinderat zusammenarbeiten.

Wahlvorschau

Sollte einer der Kandidaten in Böblingen oder in Winnenden nicht über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen kommen, sind Stichwahlen in beiden Städten für den 8. Februar vorgesehen. Genau einen Monat Später, zur Landtagswahl am 8. März, finden im Land über 30 Bürgermeisterwahlen statt, darunter OB-Wahlen in Baden-Baden , Eislingen an der Fils und in Ravensburg . Während bei den zwei ersten Städten es sicher eine Neubesetzung gibt, kandidiert in Ravensburg Amtsinhaber Daniel Rapp (CDU) .

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