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Wärmeplanung ist bei über 650 Kommunen Thema

Wärmeplanung klärt, ob sich eine PV-Anlage für die Wärmepumpe lohnt. Foto: IMAGO/Shotshop
imago images/Shotshop)Stuttgart. Städte und Gemeinden, die kleineren bis Mitte 2028, müssen erkunden, in welchen Gebieten welche Form der Wärmeversorgung am wirtschaftlichsten ist, immer mit Blick auf die Klimaziele. Baden-Württemberg will bis 2040 die Netto-Treibhausgasneutralität erreichen. Von einem Planungsinstrument zur Orientierung spricht Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), falls die Heizungserneuerung ansteht.
Im Karten- und Datendienst der Landesanstalt für Umwelt sind die Einzelheiten abrufbar, etwa in einem Gestrüpp aus roten, orangenen, gelben und hellgrünen Linien der Wärmebedarf jeder einzelnen Straße. Der Grund: „In Baden-Württemberg macht Wärme über 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus.“
Die Versprechen von Grün-Schwarz im Koalitionsvertrag 2021 waren ehrgeizig. „Wir wollen die Wärmepumpentechnik gezielt fördern“, hieß es, „und als Ergänzung zu den kommunalen Wärmeplänen eine Strategie erarbeiten, wie die Wärmeversorgung so gestaltet werden kann, dass Baden-Württemberg seinen Beitrag leistet, die Paris-Ziele für diesen Sektor zu erreichen“.
Finanzielle Unterstützung für kleinere Gemeinden
Daher hatte die Koalition 2020, damals bundesweit einmalig, die 104 Stadtkreise und Großen Kreisstädte im Klimagesetz verpflichtet, bis Ende 2023 bei den Regierungspräsidien Wärmepläne vorzulegen. Laut Umweltministerium lag die Unterstützung dafür bei fast sieben Millionen Euro. Mit dem Förderprogramm „Freiwillige kommunale Wärmeplanung“ seien zudem Planungen von mehr als 470 kleineren Gemeinden mit rund zwölf Millionen Euro bezuschusst worden. Außerdem werden 250 Millionen Euro der dem Land zustehenden Bundesmittel aus dem Investitionsfond in die Wärmewende fließen.
Baden-Württemberg hat Erfahrung damit, die Weichen früh und vor anderen in der Republik zu stellen. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) hatte sich nicht nur Freunde gemacht, als sie 2007 das erste Wärmegesetz für den Neubau ab 2008 und den Heizungstausch ab 2010 anstieß. Bei Neubauten mussten damals 20 Prozent der Heiz- und Warmwasser-Energie aus erneuerbaren Quellen stammen, bei Sanierungen zehn Prozent. Schon damals waren Wärmepumpen, Solaranlagen, PV, Biomasse, Blockheizkraftwerke, Erd- oder Fernwärme empfohlen sowie ersatzweise Photovoltaik-Anlagen und Investitionen in eine effiziente Wärmedämmung, was auf den Anteil angerechnet werden konnte.
Gönner, heute Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, nannte erneuerbare Wärme damals „einen schlafenden Riesen“, der geweckt werden müsse. Sie erinnerte daran, dass finanzielle Anreize den „großen Sprung“ nicht gebracht hätten. Wer in erneuerbare Wärme investiere, heize „auf lange Sicht günstiger“.
Wie vor fast zwei Jahrzehnten zog der Bund auch diesmal nach – mit dem aus dem Streit um die Heizungserneuerung entstandenen Wärmeplanungsgesetz. Wie damals musste Baden-Württemberg die eigenen Regelungen anpassen. Seit August 2025 gilt die Umsetzung. Das Land hat nach Angaben des Umweltministeriums die vom Bundesgesetz eingeräumte Möglichkeit genutzt, gemeinsame Wärmeplanungen für alle Gemeinden zuzulassen und Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern vereinfachte Verfahren zur Verfügung zu stellen.
Bisher unverbindlich sind die Auskünfte zur Finanzierung der Konsequenzen, die sich aus den Planungen ergeben. Sie hängen „von einer Vielzahl an Faktoren ab, darunter unter anderem von der verfügbaren langfristigen Förderkulisse, vom Rechtsrahmen oder vom Verhältnis des Ausbaus von dezentralen klimafreundlichen Heizungstechnologien gegenüber der zentralen Wärmeversorgung über Wärmenetze“, antwortet Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) auf eine parlamentarische Anfrage der AfD.
Förderung für Investitionen in die Wärmewende
Die kommunalen Spitzenverbände pochen auf eine ausreichende Förderung, auf möglichst wenige Vorgaben und darauf, Kompetenzen vor Ort für flexible Lösungen zu nutzen. „Wir müssen bewusst machen“, sagt Gemeindetagspräsident Steffen Jäger, „dass eine Wärmeplanung noch keine einzige Kilowattstunde Wärmeenergie erzeugt.“