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Bestseller

Annika Strauss und Sebastian Fitzek: Zwei Autoren wollen den Horror etablieren

Was haben eine Reutlingerin und ein Berliner gemeinsam? Sie stehen beide auf der Spiegel-Beststellerliste. Annika Strauss kommt von der Schwäbischen Alb, wo auch ihr Thrillerdebüt spielt. Jetzt möchte sie ihre große Leidenschaft als Buchgenre etablieren: Den Horror. Dafür hat sie einen Weggefährten gefunden.
Zwei Personen vor großem Traumfänger, roter Rauch im Hintergrund.

Das Bestseller-Duo lernte sich über die gemeinsame Literaturagentur kennen.

Thomas Beyerlein)

Reutlingen. Eigentlich wollte Annika Strauss immer nur Schauspielerin werden. In zahlreichen Horrorfilmen hat sie diesen Plan in die Tat umgesetzt und bis heute ist sie als Ermittlerin bei den Filmen der „Mordkommission Calw“ mit dabei. Aber: „Meine Lieblingsrolle ist die der Autorin und die verfolge ich am meisten“, erzählt Strauss.

Dabei hat alles mit eben diesen Horrorfilmen angefangen – und mit ihren Drehbüchern. Denn Strauss störte immer wieder, wie wenig sich ihre Figuren während der Handlung entwickeln konnten: „Vorher waren sie schon tot.“ Für die heute 41-Jährige war klar, dass ein kleines Budget nicht bedeutet, auf eine gute Story verzichten zu müssen. Also hat sie begonnen, bei den Drehbüchern einiger Low-Budget-Produktionen mitzuwirken. Ein ganzes Buch hatte sie sich damals noch nicht zugetraut: „Damals war ich gar nicht sicher, ob ich einen Roman schreiben kann.“

Als sie dann aber am Set einem Unternehmensberater begegnet, der möchte, dass sie seine Unternehmensstrategie in einen Wirtschaftskrimi verpackt, macht sie genau das: Und öffnet sich damit selbst die Tür zu einem Medium, die bisher verschlossen war. Das war 2014. Anschließend schreibt sie an einem Manuskript in dem Genre, das sie am meisten liebt: Horror-Thriller. Das Buch, das zwischen Berlin und Paris spielt, schreibt sie parallel zu ihrer Tätigkeit als Redakteurin beim SWR. Es dauerte also einige Jahre, aber als sie fertig ist, wagt sie den nächsten Schritt und bewirbt sich bei einer Literaturagentur. Eine, die in ihren Augen nur gut sein konnte: „Weil Sebastian Fitzek dort ist“, sagt Strauss. Und tatsächlich hat diese Agentur sich zurückgemeldet: „Das war für mich ein Gamechanger.“

Das damals vorgelegte Manuskript schlummert aber bis heute in einer ihrer Schubladen, auch weil Verlage mit Horror eher vorsichtig seien. Ihr Agent schlug ihr dann vor, „einen waschechten Psychothriller“ zu schreiben. Das gewählte Thema schlug ein: Innerhalb von 48 Stunden, nachdem „Nachtfahrt“ den Verlagen angeboten wurde, war es verkauft.

Vielleicht auch deshalb, weil Strauss ein eher unübliches Setting wählte. Die geborene Reutlingerin ist nämlich mit einem Fahrlehrer verheiratet, der sie zu dem Buch inspirierte. Während er zuerst dachte, sein Beruf sei ungeeignet für einen Thriller, klärte Strauss ihn kurzerhand auf: „Überleg mal, wie viele fremde Personen zu dir ins Auto steigen und du bist auf engem Raum mit ihnen allein“, erklärte sie. Das ergebe viel Konfliktpotenzial. Weil sie seit über 20 Jahren mit ihrem Mann zusammen ist, bezeichnet sie das Buch auch mit einem Augenzwinkern als „Langzeitrecherche“.

Literaturagentur brachte sie zur Zusammenarbeit

Zeitgleich in Berlin: Thrillerautor Sebastian Fitzek hat eine Idee. Und das schon eine ganze Weile – er formuliert sie schon 2013 in seinem Buch „Der Nachtwandler“. Was wäre, wenn wir unsere Träume sichtbar machen könnten? Er setzt seine Idee jedoch lange Zeit nicht um, es sei nicht sein Genre. Doch nach einigen Jahren macht sein Agent ihm einen Vorschlag, denn in der Agentur gibt es ein neues Talent mit Faible für Horror: Annika Strauss.

Also liest Fitzek das, was sie bisher geschrieben hat – und sagt zu. Die beiden schreiben gemeinsam ihren ersten Horror-Thriller „REM“: „Ich konnte es nicht fassen, dass ich plötzlich Sprachnachrichten von Herrn Fitzek bekomme“, lacht Strauss heute. Denn er war schon vor der Zusammenarbeit ein Vorbild für sie. In „Nachtfahrt“ erwähnt sie sogar den Titel eines seiner Bücher: „Als Hommage an ihn“, wie sie selbst sagt.

Die Zusammenarbeit mit Fitzek sei schon beim ersten Buch eine positive Erfahrung gewesen: „Er hat mich von Anfang an auf Augenhöhe behandelt und mir die ganzen Ängste sehr schnell genommen“, erzählt sie. Immerhin habe sie zu diesem Zeitpunkt erst einen Thriller veröffentlicht. Aber so habe er sie nie behandelt. Sie seien insgesamt auf einer Wellenlänge: „wobei ich wahrscheinlich eine Tendenz habe, ein bisschen brutaler zu sein.“ Die Gewalt, die in ihren Büchern angewendet wird, sei aber nie wahllos. Tabuthemen gibt es für sie zwar nicht, wohl aber Grenzen in der Darstellung. Gewalt in einer Geschichte müsse immer die Stelle markieren, in der alles aus den Fugen gerät: „Diese Szenen sollen körperliche Reaktionen hervorrufen: Herzklopfen, Abwehr, Ekel, Schock.“ Es sei ein Kommunikationsmittel für sie. Wenn sie Gewalt in ihrer Geschichte einsetze, dann weil sie ihre Figuren verändert – und diesen Terror sollen die Leser miterleben können.

Gänsehaut direkt aus dem Bücherregal

Gemeinsam wollen die beiden das Genre „Horror“ auf dem deutschen Markt etablieren: „Sebastian hat dafür gesorgt, dass Thriller in Deutschland funktionieren – das war vor 20 Jahren ähnlich wie jetzt mit Horror“, sagt Strauss. Sie wünschen sich auch jetzt, dass Verlage wieder mutiger werden und dass sie merken, wie viel Potenzial das Genre habe. Alle, die Lust auf Horror haben, sollen ihre Geschichten auch schreiben können, so Strauss.

Aktuell arbeiten sie an ihrem zweiten gemeinsamen Horror-Thriller „Ear“, der im März 2027 erscheinen soll. Ein Buch mit dem Catchphrase „Wenn du es hörst, gehörst du ihnen“: „Es wird eher in die Richtung Pandemic Horror gehen, ein bisschen apokalyptischer“, sagt sie vorab. Damit wollen die Autoren ihren „Lehrauftrag“ fortsetzen: Nämlich zu zeigen, „was Horror alles kann“.

Auch Autorin Romy Hausmann schreibt Thriller – was sie von anderen Künstlern unterscheidet.

„Ear“ von Annika Strauss und Sebastian Fitzek erscheint im März 2027.
Droemer Knaur)

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