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VfB Stuttgart und SC Freiburg im Finalfieber

Zwei Trainer, zwei Konzepte: Julian Schuster (links) und Sebastian Hoeneß werden in ihren Clubs verehrt.
imago/Oliver Vogler/Arne Amberg)Immerhin eine Frage ist geklärt: Wer reist denn von der Landesregierung zu den Finals? Ministerpräsident Cem Özdemir besucht am Samstag im Berliner Olympiastadion das DFB-Pokalfinale, während der Vize-Regierungschef und Innenminister Manuel Hagel am Mittwoch nach Istanbul geflogen ist, wo der SC Freiburg spielte – und leider verlor.
Beide Vereine sind sich übrigens erst vor wenigen Wochen im DFB-Pokal-Halbfinale gegenüber gestanden, das Baden-Württemberg-Duell entschieden die Schwaben mit 2:1 für sich. Dafür schied der VfB schon im Achtelfinale gegen den FC Porto aus der Europa League aus, während der SC Freiburg schon mit dem Erreichen des Finales den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erzielt hat.
VfB wieder zurück auf der großen Bühne
Der schwäbische Traditionsclub ist wieder zurück auf der großen Bühne, nach zehn Seuchenjahren mit zwei Abstiegen. 2023 übernahm Sebastian Hoeneß den VfB auf dem letzten Tabellenplatz, führte ihn in die Relegation. Es folgte die Vizemeisterschaft 2024, der Pokalsieg 2025 und jetzt erneut das Erreichen der Champions League.
Wie ist das gelungen? Zwei Faktoren sind entscheidend: Die jahrelangen Grabenkämpfe im Vorstand sind Geschichte, mit dem Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, dem Präsidenten und Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier ist Ruhe und Sachverstand eingekehrt. Solides Wirtschaften folgte den früher hektischen Kurswechseln und ständigen Trainerentlassungen.
Der Erfolg ist untrennbar mit dem Trainer verknüpft
Der Erfolg ist untrennbar mit dem Trainer verknüpft: Der Sohn des Ex-VfB-Profis und späteren Fußballmanagers Dieter und Neffe des Ex-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß ist ein Bessermacher, der das Potenzial aus allen Spielern herauskitzelt. Das beste Beispiel ist Nick Woltemade: Bankdrücker beim SV Werder Bremen, ablösefrei gekommen, entwickelt und dann für die Rekordsumme von 90 Millionen Euro verkauft.
Der Freiburger Weg verläuft in ruhigeren Bahnen. Die Legende Volker Finke blieb 26 Jahre Trainer, Christian Streich 13 Jahre, der Verein stieg 2015 mit ihm ab und wieder auf. Noch erstaunlicher aber ist, dass der Nachfolger Julian Schuster in die großen Fußstapfen tritt – und ihn sogar noch an Erfolgen überragt. Die Mannschaft ist, anders als beim VfB, durchlässig für Jugendtalente, zahlreiche Profis stammen aus dem Nachwuchsleistungszentrum, das als bundesweit vorbildlich gilt.
Professionellere Strukturen als Basis
Herausragend ist Nationalspieler Matthias Ginter, der in Freiburg ausgebildet und nach einer Station bei Borussia Mönchengladbach zurückgeholt wurde. Der Kapitän Christian Günther hat sein ganzes Fußballerleben beim SC Freiburg verbracht und ist eine Identifikationsfigur. Und dennoch ist der Erfolg des Clubs mehr als die Folge von elf Freunden, die in einem schnuckeligen Stadion zusammen halten. Mit dem Bau des Europa-Park-Stadions mit fast 34 700 Plätzen und professionelleren Strukturen wurde die Basis für den Höhenflug gelegt.
Obwohl den Freiburgern jedes Jahr gute Spieler weggekauft werden, sind sie eine Talentschmiede und halten sich seit dem Wiederaufstieg 2016 in der Liga. Und spielen immer wieder international. Geschlossenheit, Verlässlichkeit, langfristiges Denken, das zeichnet den SC Freiburg aus.
Und das ähnelt dann trotz aller Unterschiede auch dem Stuttgarter Modell mit Hoeneß und Wohlgemuth. Dass auch die TSG 1899 Hoffenheim in der nächsten Saison Europa League spielt, sei nicht unerwähnt. Und einen Tribut an den FC Heidenheim, der mit Würde abgestiegen ist.