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Kultusministerin lernt in Schwäbisch Gmünd dazu

Auf dem Campus des Landesgymnasiums befindet sich auch ein Internat. Dort leben die hochbegabten Schüler.
Leonie Henes)Schwäbisch Gmünd. Am Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd ist es vollkommen „okay, nerdig zu sein“, erklärt eine Schülerin Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) bei deren Schulbesuch. Schopper möchte mit den hochbegabten Schülern ins Gespräch kommen und sich ein Bild davon machen, welche Aktivitäten am LGH gefördert werden – und wie das Land solche Hochbegabtenschulen künftig noch besser unterstützen kann.
Das LGH ist die einzige Hochbegabtenschule in Baden-Württemberg. Schüler können ab der siebten Klasse dort lernen und auch vor Ort im Internat leben. An insgesamt 14 anderen Gymnasien hat das Land einzelne Hochbegabtenklassen eingerichtet. „Es ist beeindruckend, mit was für einer Vielfalt und großartigen Talenten die Schülerinnen und Schüler hier gesegnet sind“, sagt Schopper, nachdem die Schüler des LGH über ihren Alltag und ihre Errungenschaften sprechen. Eine Schülerin berichtet von ihrer Teilnahme an den Debating-Weltmeisterschaften in Panama, ein anderer Schüler von seinem Interesse an Informatik sowie von seiner Teilnahme am Hackathon der Firma Bosch: „Wenn man sieht, was die Kinder gleichzeitig beherrschen können, ist das phänomenal“, so Schopper.
Wichtig ist, Kreativität in jedem Bereich zu fördern
Die meisten Schüler meistern nicht nur eine Disziplin: Neben ihren schulischen Interessen spielen sie häufig ein Instrument oder nehmen an verschiedenen sogenannten Addita teil. Ein Additum ist vergleichbar mit den Arbeitsgemeinschaften an allgemeinbildenden Gymnasien.
In Schwäbisch Gmünd gibt es rund 80 solcher Angebote, während derzeit insgesamt 239 Jugendliche die Schule besuchen. Die meisten Addita sind von Lehrern geleitet, aber engagierte Schüler können auch selbst Verantwortung übernehmen. So sind etwa 30 Addita von Schülern und ihren Interessen geleitet.
Thomas Schäfer ist Lehrer am LGH im Bereich Musik und Italienisch. Er sagt, man versuche Kreativität bewusst Raum zu geben: „Wer wird eine bahnbrechende Erfindung hinterlassen? Derjenige, der gelernt hat, kreativ zu sein.“ Auch deshalb gleicht man am LGH mit den Addita aus, wofür im Schulalltag zu wenig Platz ist. Beispielsweise in der Mittelstufe, in der kein Musikzug gestellt wird. So habe die Schule trotzdem „eine überdurchschnittlich hohe Zahl an brillanten Instrumentalisten“. Kultusministerin Schopper ist aber nicht nur zu Besu ch, um von den positiven Aspekten der Schule zu hören. Sie fragt auch nach, wo es Schwierigkeiten gibt. Die Schüler des LGH haben darauf eine klare Antwort: Der Datenschutz erschwert ihnen die Öffentlichkeitsarbeit. Sie möchten in den Sozialen Medien gerne von ihrem Alltag berichten, Podcasts veröffentlichen und potenzielle neue Schüler ansprechen. Derzeit sei es ihnen aber untersagt, ihre Namen, Gesichter oder Stimmen auf Instagram und Co zu teilen. Deshalb fänden Interessierte diese Inhalte derzeit nur auf der Website des LGH.
Ministerin kündigt Suche nach Lösung bei Datenschutz an
Auch bei anderen Themen stoßen die Schüler immer wieder an die Grenzen des Datenschutzes. Sie wünschen sich etwa statt der gelben Schülerausweise aus Papier digitale Ausweise, „weil es praktischer ist“, erklärt eine Schülerin. Auch das „Austragebuch“ im Internat, in dem sich die Schüler eintragen, wenn sie das Gelände verlassen, möchten sie gerne digitalisieren. Die Kultusministerin verspricht diese Themen mitzunehmen und mit den Datenschützern zu sprechen. Wenn Einwilligungserklärungen vorlägen, „habe sie da kein Störgefühl“. Vielleicht, so sagt sie, könne man da etwas daran ändern.
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