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Der Landesvater - 15 Jahre Winfried Kretschmann als Ministerpräsident

Sogar ein Bärtierchen wurde nach Kretschmann benannt

Ministerpräsident Winfried Kretschmann wurde eine ungewöhnliche Ehre zuteil. Ein erstmals im Nationalpark Schwarzwald entdecktes Bärtierchen wurde nach ihm benannt. Das Ramazzottius kretschmanni gilt als Überlebenskünstler und als hart im Nehmen. Eine Auszeichnung für Kretschmanns Engagement für Natur- und Artenschutz.
Nahaufnahme eines Bärtierchens zwischen grünen und braunen Strukturen.

Das nach Ministerpräsident Kretschmann benannte Bärtierchen " Ramazzottius kretschmanni".

Eye of science)

Es war eine Herzensangelegenheit für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): Noch vor dem Ende seiner 15-jährigen Amtszeit wollte er den Nationalpark im Schwarzwald erweitern. Und damit eines der ersten großen Naturschutzprojekte aus seiner ersten Amtszeit weiter vorantreiben. Die Verhandlungen mit der CDU waren schwierig. Das Thema wurde zur Chefsache. Doch schließlich einigten sich Kretschmann und CDU-Fraktionschef Manuel Hagel im vergangenen Jahr auf die Details.

Die Einrichtung des Nationalparks im Nordschwarzwald, des ersten im Südwesten, war eines der ersten großen Projekte, das Kretschmanns Regierung 2011 in Angriff nahm. Das Schutzgebiet war damals hochumstritten, wurde von CDU und FDP heftig bekämpft und auch die Bürger im betroffenen Gebiet waren bei der Frage nach dem Schutzgebiet tief gespalten. Besonders groß waren die Sorgen in Baiersbronn, das direkt an den Nationalpark grenzt. Und auch bei der Erweiterung war es die einzige Kommune im Nationalparkrat, die dagegen stimmte. Immerhin liegt das Langenbachtal mit seinen rund 150 Einwohnern nun mitten im Nationalpark.

Der Park selbst ist längst zu einem Besuchermagneten geworden. Rund 10.000 Arten leben im Nationalpark. Darunter der in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Dreizehen-Specht und die Zitronengelbe Tramete, eine Pilzart, die nur in sehr totholzreichen Wäldern vorkommt. Sie gilt in Deutschland als extrem selten. Im Nationalpark hat sich ihr Vorkommen stabilisiert.

Im Nationalpark findet der Auerhahn gute Lebensbedingungen.
IMAGO/imageBROKER/Horst Jegen)

Auch das Auerhuhn, das Wahrzeichen des Schwarzwaldes, ist im Nationalpark heimisch. Rund 20 Prozent der gesamten Population des rund 6000 Quadratkilometer großen Schwarzwalds lebt in dem kleinen Schutzgebiet.

Neben dem Nationalpark im Nordschwarzwald konnte im Südschwarzwald nach der Schwäbischen Alb ein weiteres Biosphärengebiet eingerichtet werden. Ein drittes, das vor allem die Moorlandschaften in Oberschwaben im Blick hatte, scheiterte allerdings an Widerständen vor Ort.

„Wir müssen das Artensterben unbedingt aufhalten – sowohl im Interesse der Natur als auch der Menschen. Der Schutz der Natur und der Artenvielfalt erhält auch unsere Lebensgrundlagen und Lebensqualität“, hat Kretschmann immer wieder betont.

Das Land hat sich daher das Ziel gesetzt, dass bis 2030 auf 15 Prozent der Offenlandfläche ein zusammenhängendes Netz an Biotopen entsteht mit Wiesen, Streuobstbeständen, Hecken, Wacholderheiden und Gewässerrandstreifen, damit Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn sowie zahlreiche Insekten und andere Tierarten in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten ein Zuhause finden.

Naturschutzhaushalt wurde verdreifacht

Über ein entsprechendes Wegenetz, den Biotopverbund, können die Tiere wandern. Die Grundlagen dafür wurden bereits 2011 gelegt. Damals hatte der ehemalige Landwirtschafts- und Naturschutzminister Alexander Bonde (Grüne) bereits Planungen für einen landesweiten Biotopverbund erarbeiten lassen und bedeutende überregionale Achsen festgelegt.

Auch die Haushaltsausgaben für den Naturschutz wurden ab 2011 deutlich erhöht. Waren es unter der CDU-FDP-Vorgängerregierung noch 30 Millionen Euro, wurde der Ansatz unter Kretschmann verdreifacht.

Doch Kretschmann und seine Regierung wurden auch zum Handeln getrieben: vom Volksbegehren „Pro Biene“ zum Schutz für Insekten. Das Ziel: mehr ökologische Landwirtschaft, weniger Pestizide, mehr Schutz für Streuobstwiesen, ein wirksamer Schutz des Biotopverbunds. Hintergrund für das Volksbegehren waren mehrere Studien, die einen Rückgang der Artenvielfalt in Baden-Württemberg – und insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Gebieten – belegten.

Das Volksbegehren ging vielen dann aber doch zu stark zu Lasten der Landwirtschaft. Und so erarbeiteten der damalige Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) gemeinsam ein Eckpunktepapier. Dieses wurde zur Grundlage für einen Runden Tisch, an dem Vertreter der beiden Ministerien, des Trägerkreises des Volksbegehrens und der Landwirtschaftsverbände gemeinsam einen Gesetzentwurf erarbeiteten. Dieser wurde am 22. Juli 2020 im Landtag verabschiedet. Damit haben erstmals Regierungsparteien, Naturschutz- und Landwirtschaftsverbände sich auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf geeinigt.

Zwischenbilanz des Gesetzes fällt durchwachsen aus

Beschlossen wurde eine Reduktion der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel um 40 bis 50 Prozent bis 2030. Festgelegt wurde auch, dass der Anteil der ökologischen Landwirtschaft bis 2030 auf 30 bis 40 Prozent steigen soll. Streuobstwiesen sollen erhalten werden, Schottergärten wurden verboten. Die Lichtverschmutzung wird minimiert. Der Biotopverbund soll bis 2030 rund 15 Prozent der Landesfläche umfassen und Schutzflächen für Tiere und Insekten sollen zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen umfassen.

Die Zwischenbilanz dieses Gesetzes fällt nach Ansicht der Umweltschutzverbände BUND und NABU, dem Landesnaturschutzverband und den Initiatoren des Volksbegehrens „Pro Biene“ gemischt aus. „Unsere Analyse zeigt, dass sich das Land in vielen Bereichen auf den Weg gemacht hat.

Es braucht an zentralen Stellen aber deutlich mehr Engagement, um die Ziele zu erreichen“, sagt die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch. Von der nächsten Landesregierung fordert sie ein Nachsteuern.

So stagniere die Pestizidreduktion bei zwölf Prozent, auch die Bioanbaufläche wachse nur sehr langsam. Besser sieht es laut den Naturschützern hingegen beim Biotopverbund aus.

Die Wiederansiedlung des Wolfs ist im Land umstritten.
IMAGO/Martin Wagner)

Streit um den Wolf

War das Land 2011 noch „Wolfserwartungsland“, leben inzwischen fünf Tiere im Südwesten. Doch an ihnen scheiden sich immer wieder die Geister. Landwirte und Schafzüchter haben Angst um ihre Schafe, Ziegen und Rinder, zumal es in der Vergangenheit immer wieder zu Rissen kam. Das Land investiert deshalb viel Geld in Herdenschutzmaßnahmen. Zuletzt sollte ein Wolf, der sich Menschen näherte, geschossen werden, doch der Wolf verschwand und die Frist verstrich.

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