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Kommentar

Stuttgart 21: Frau Palla, veröffentlichen Sie den Bericht!

Die neue Bahnchefin will alles anders machen als ihre Vorgänger. Dann sollte sie auch den Revisionsbericht veröffentlichen, der die Fehler bei Stuttgart 21 benennt. Ein Kommentar von Michael Schwarz.
Zwei Personen im Gespräch, eine Frau in rotem Blazer, unscharfer Mann im Vordergrund.

Die Gesichter von Cem Özdemir und Evelyn Palla zeigen: Stuttgart 21 ist kein Kindergeburtstag.

dpa/Christoph Schmidt)

Das Wort „Vertrauen“ fiel zehnmal, dicht gefolgt von „verlässlich“ in seinen unterschiedlichen grammatikalischen Formen. Und darum ging es ja auch: endlich einmal einen Plan zu bekommen, auf den man sich verlassen, dem man trauen kann. Doch wer kann das schon bei Stuttgart 21?

Die Pressekonferenz im Anschluss an die 37. Lenkungskreissitzung – allein das ist schon Rekord – unterschied sich von ihren Vorläufern allein schon vom Personal. Jetzt sitzen dort der neue Ministerpräsident, ein Stuttgart-21-Gegner ersten Stunde, und seine Verkehrsministerin, die vor inzwischen auch schon einer halben Ewigkeit einmal sagte, dass Stuttgart 21 das bestkalkulierte Projekt sei und dass jeder, der anderes behaupte, lüge. Beide sitzen in einem Boot, das auch noch Platz für zwei weitere Partner, den Stuttgarter Oberbürgermeister und den Regionalpräsidenten, findet.

Macht die Bahn doch nur weiter wie bisher?

Es ist das Beiboot, und in welcher Beziehung es zu dem Dampfer namens Deutsche Bahn steht, ist nicht ganz klar. Jedenfalls mag die neue Bahnchefin noch so oft beteuern, dass sie nun alles auf Links dreht – aber den Revisionsbericht zu Stuttgart 21, den alle gerne lesen würden, rückt sie nicht raus. Dies sei ein internes Dokument, sagt sie, und schürt Zweifel, ob nun wirklich alles anders wird. Oder ob es mit Stuttgart 21 doch so weitergeht wie gehabt: Die Bahn tut und lässt, was sie für richtig hält, und stellt die Projektpartner und die Stuttgarter Bevölkerung immer wieder vor vollendete Tatsachen.

Für die optimistischere Variante spricht, dass die Bahn jetzt endlich ein Projektmanagement auf die Beine stellen will, das seinen Namen verdient. Bislang hat man offenbar vieles mit der Hand am Arm gemacht. Immer mit dem Ziel, Eröffnungstermine einzuhalten, die nicht einzuhalten waren. Außerdem spricht für diese Sicht der Dinge, dass die neuerliche, die neunte Verschiebung, nun fünf Jahre beträgt. Dass man also nicht nur scheibchenweise mit der Wahrheit rausrückt, sondern eine realistischere Hausnummer nennt.

Der Beweis, dass es unter Palla besser wird, steht noch aus

Dagegen spricht leider, dass in der Vergangenheit die Bahn so oft gemauert und verschleiert hat, dass man gar nicht glauben mag, dass es nun anders wird. Deshalb wäre es schlauer gewesen, Evelyn Palla hätte den Mut besessen, den Revisionsbericht zu veröffentlichen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es wäre der Beweis, dass sie es mit ihrer Ansage, dass bei der Bahn und insbesondere bei Stuttgart 21 kein Stein auf dem anderen bleibt, wirklich ernst meint. Und dass die Südtirolerin nicht nur bellen, sondern auch beißen kann, wenn es darum geht, aus einer Aktiengesellschaft, die mal an die Börse wollte, wieder ein Unternehmen zu machen, das zumindest eine Idee davon hat, dass es zu 100 Prozent dem Staat gehört. Also uns allen.

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