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Bahn-Chefin Palla räumt erhebliche Projekt-Versäumnisse ein

Bahn-Chefin Evelyn Palla: Die Entscheidung zur neuen Inbetriebnahmeplanung ist dem Management der Bahn außerordentlich schwergefallen.
dpa/Christoph Schmidt)Stuttgart . Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, hat eingeräumt, dass sie der Revisionsbericht zu Stuttgart 21, den sie vor einem halben Jahr bestellt hatte, erschüttert hat. Der Bericht zeige, dass das bisherige Prozessmanagement nicht ausreichend war, um ein Großprojekt dieser Komplexität sicher zu steuern. Nach den Erkenntnissen aus dem Revisionsbericht war der Inbetriebnahme-Termin Ende 2026 auf Basis der zugrunde gelegten Prämissen und der identifizierten Risiken aus heutiger Sicht realistisch betrachtet nicht erreichbar. Der Bericht weist insbesondere auf organisatorische Defizite in Prozessen und Kontrollen, auf mangelhafte Abstimmungen an zentralen Schnittstellen sowie auf Verbesserungspotenziale in der vorausschauenden Steuerung hin.
Zu den Hauptursachen für die Verzögerungen gehöre die Digitalisierung des Bahnknotens. Diese habe sich als deutlich anspruchsvoller erwiesen, als vor einigen Jahren absehbar war, so Palla.
Die Bahn will aus den Fehlern nun Konsequenzen ziehen, kündigte Palla an, „organisatorisch, personell und in der weiteren Projektführung“. Zugleich stelle die Bahn-Chefin einen neuen Inbetriebnahmeplan vor. Danach soll das Projekt im Zeitraum 2027 bis 2033 in Stufen an den Start gehen.
Das neue Management bei S-21 habe sich bei den neuen Plänen von unrealistischen Prämissen verabschiedet. „Risiken wurden umfassend analysiert und neu bewertet. Ehrlichkeit und Realismus sind im Projekt eingezogen. Nur so können wir verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen“, sagte Palla.
Stufenweise Inbetriebnahme in fünf großen Schritten.
Schon ab dem kommenden Jahr soll es deutliche Verbesserungen für die Reisenden in Stuttgart geben. Täglich Zehntausende Menschen profitieren ab Ende 2027 von kürzeren Wegen durch den Bonatzbau und über das Dach des Durchgangsbahnhofs.
2028 eröffnen die Läden und Serviceeinrichtungen im Bonatzbau, auch das Bahnhofsumfeld wird schrittweise attraktiver. Dezember 2030 soll der Flughafenbahnhof ans Netz gehen. Zunächst fahren laut Palla voraussichtlich Regionalzüge aus und in Richtung Reutlingen, Tübingen und Ulm. Der Anschluss aus und in Richtung Hauptbahnhof erfolge 2031 mit dessen Eröffnung.
Dezember 2031 ist dann die Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs in Stuttgart vorgesehen. Der Fernverkehr und große Teile des Regionalverkehrs sollen dann im Durchgangsbahnhof halten. Lediglich Züge aus und in Richtung Bad Cannstatt können erst ab 2032 in den Durchgangsbahnhof einfahren. Für diese wird bis Jahresmitte 2032 der alte Kopfbahnhof weiterbetrieben. Ab diesem Zeitpunkt werde der Kopfbahnhof nicht mehr benötigt. Bereits im Frühjahr 2032 ende die Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen, um den neuen Teil der S-Bahn-Stammstrecke an die bestehenden Gleise anschließen zu können.
Im Juli 2032 sollen die digitalisierte und verlängerte S-Bahn-Stammstrecke und S-Bahn-Haltestelle Mittnachtstraße/Rosenstein den Betrieb aufnehmen. Die S-Bahn werde dadurch deutlich zuverlässiger.
Dezember 2033 ist die Inbetriebnahme des Pfaffensteigtunnels geplant. Der Tunnel solle die Gäubahn über den Flughafen an die Infrastruktur von Stuttgart 21 anschließen und wesentlich zu einer rund 15 Minuten kürzeren Reisezeit zwischen Stuttgart und Zürich beitragen.
Berücksichtigt seien in der neuen Projektplanung auch die vielschichtigen Verflechtungen zwischen Stuttgart 21 und den damit verbundenen Projekten Digitaler Knoten Stuttgart, Gäubahnausbau sowie Sanierung des Bonatzbaus.
Bahnchefin Evelyn Palla räumte ein, dass der DB die Entscheidung zur neuen Inbetriebnahmeplanung außerordentlich schwergefallen sei. Man wisse um die Hoffnungen, die viele Menschen in das Projekt setzen.
Die Verschiebungen wirken sich auch auf den Finanzierungsrahmen aus. Für das Projekt Stuttgart 21 rechnet die DB mit zusätzlichen Kosten von rund 3 Milliarden Euro, die Gesamtwertprognose beträgt nun 14,5 Milliarden Euro. Der Großteil der Mehrkosten entsteht aus den für die Inbetriebnahme noch notwendigen Arbeiten.
Ticker: Stuttgart 21: Neue Entwicklungen auf der Baustelle und beim Bauprojekt S 21
Kommentar: Stuttgart 21: Frau Palla, veröffentlichen Sie den Bericht! | Staatsanzeiger BW