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Kommentar zur EM

Was die Politik vom Fußball lernen kann

Aufbruchsstimmung, Toleranz, Weltoffenheit und ein fröhliches Miteinander gegnerischer Fans: Wenn die Politik ein wenig von dieser Stimmung bei der EM mitnehmen könnte, wäre schon viel gewonnen. 

Eine Gruppe Schotten vor der zweiten Halbzeit in Stuttgart - ein Zeichen der friedlichen Feiern rund um die EM.

dpa/ Eibner-Pressefoto/ Dennis Duddek)

Stuttgart. Die Begeisterung für die Europameisterschaft im Land überlagert derzeit die politischen Debatten. Bei den Spielen in Stuttgart von Ungarn und Schottland herrschte Ausnahmestimmung, nicht nur im Stadion. Und auch in den unzähligen Fanmeilen und Public-Viewing-Areas von Freiburg über Karlsruhe bis Ulm kann man vor allem eines beobachten: Feiernde, entspannte Fans, faire Gesten zwischen den Anhängern der Länder. Der Südwesten erweist sich einmal mehr als guter Gastgeber.

Wie schon beim „Sommermärchen“ 2006 oder bei der Leichtathletik-WM in Stuttgart 1993 zeigt man, dass Schwaben und Badener weltoffen sind, eine entspannte Liebe für ihr eigenes Land zelebrieren, ohne andere Nationen abzuwerten. Dass die deutsche Nationalmannschaft mit einem pinkfarbenen Hemd, das sich aller Unkenrufe zum Trotz rekordverdächtig gut verkauft, und mit einem hohen Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund, in die Herzen der Fans spielt, passt dazu.

Die Fanfeste bleiben bislang friedlich

Politisch ist zunächst einmal die Bilanz wichtig, dass es keine schweren Zwischenfälle wie Gewalt oder Schlägereien gegeben hat. Auch wenn der tragische Tod eines Polizisten aus der Motorradeskorte für den ungarischen Staatspräsidenten Victor Orbán betroffen macht. Aber die Sicherheitsvorkehrungen scheinen zu funktionieren. Wer einmal im Korso feiernder türkischer Fans war, hat vor allem eines erlebt: ausgelassene Freude, ohne eine Spur von Aggressivität oder Gewaltbereitschaft.

Eine Geschichte über über das EM-Fieber in der Landespolitik lesen Sie hier.

Das sind allesamt gute Botschaften. Übertragen auf die Politik, kann man daraus einige Lehren ziehen. Die erste wendet sich an alle, die Abgrenzung, Überhöhung der eigenen Nation und Ausländerfeindlichkeit auf ihren Fahnen haben: Diese Ideologie ist von gestern und führt vollständig in die Sackgasse.

Spieler mit Migrationshintergrund helfen

Denn so wie die deutsche Mannschaft ohne Spieler mit Migrationshintergrund nicht die Qualität und Stärke hätte, so wäre auch unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft ohne Migranten arm dran. Sie sind das Rückgrat der Produktion in den Fabriken, in der Gastronomie, auf den Baustellen oder in der Landwirtschaft. Ein weltoffenes Deutschland in Europa, das vom internationalen Handel wie kein anderes profitiert, ist das Erfolgsmodell.

Und: Unser Land ist stärker, als viele denken. Keinen Pfifferling gab man vor einem Jahr auf unsere Elf, jetzt sind wir Titelanwärter. Aufbruchsstimmung statt Trübsal, auf die eigenen Stärken besinnen, genau das ist politisch auch geboten.

Und gleichzeitig muss in einem Team der Kapitän klare Ansagen machen, alle müssen Teamspieler sein und nicht den eigenen Vorteil suchen. Das könnte eine Mahnung an egoistische Akteure in der Berliner Ampel sein. Aber auch an die Politik im Land, nicht schon jetzt in einen bis Frühjahr 2026 reichenden Dauerwahlkampf zu verfallen. Die Etatberatungen in Berlin und Stuttgart werden zeigen, wieviel Sommermärchen die Politik zu bieten hat

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