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Wahlrecht

Wie denken 16 und 17 Jahre alte Jugendliche, die erstmals wählen?

Bei den Landtagswahlen 2026 dürfen erstmals auch Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. Am Mörike-Gymnasium in Göppingen begrüßen viele Schüler das neue Wahlrecht. Sie haben sich Gedanken über Politik, gesellschaftliche Fragen und ihre eigene Zukunft gemacht – und vertreten dazu klare Meinungen.
Zwölf Personen stehen auf einer Treppe und blicken in die Kamera.

Am Mörike-Gymnasium in Göppingen diskutieren Schüler, wie man sich für die Landtagswahl am besten informieren kann.

Leonie Henes)

Göppingen. Jeden Montagmorgen startet der Gemeinschaftskundekurs am Mörike-Gymnasium (MöGy) in Göppingen mit einem Quizduell in die Woche. Dabei sprechen die Schüler mit ihrem Lehrer Marius Pfleghar über politische Themen aus aller Welt. Ob der Angriff der USA und Israels auf den Iran oder die Landtagswahlen in Baden-Württemberg – aktuelle Nachrichten stehen regelmäßig auf dem Stundenplan.

Die Schülerinnen und Schüler, im Schnitt 17 Jahre alt, dürfen dank des neuen Wahlrechts bei den Landtagswahlen 2026 erstmals ihre Stimme abgeben: „Man will nichts falsch machen oder dass die eigene Stimme zu etwas Ungutem führt“, erklärt Lea-Marie Weber, Schülerin im Kurs. Wenn sich andere zu wenig informieren, könne das schnell zu Überforderung führen. Trotzdem findet sie das neue Wahlrecht gut – so wie die meisten im Kurs.

Auch ihre Klassenkameradin Maria Funk stimmt zu. Funk, selbst 18 Jahre alt, hat eine 16-jährige Schwester, die ebenfalls zu den Erstwählern bei der Landtagswahl gehört. Über die Klasse ihrer Schwester sagt sie: „Dort ist die Gefahr größer zu wählen, ohne sich wirklich informiert zu haben.“ Die Schüler müssten sich aktiv informieren. In der Klasse ihrer Schwester sei politisches Wissen weniger verbreitet.

Soziale Medien können junge Wähler beeinflussen

In einem Punkt sind sich alle im Kurs einig: Sich zu informieren ist entscheidend – und der Schlüssel dafür, dass das neue Wahlrecht funktioniert. Sie selbst ziehen ihr Wissen vor allem aus dem Unterricht oder aus verlässlichen Medien: „In Göppingen gab es eine Podiumsdiskussion, von Schulen organisiert. Im Unterricht haben wir das Triell geschaut“, so Weber. Das habe sehr viel Aussagekraft, sagt sie. Außerdem erzählen die Schüler des Kurses, dass sie vieles auch indirekt mitbekommen – etwa im Auto über das Radio oder in Gesprächen mit Eltern und Geschwistern. Auch in den sozialen Medien werden die Jugendlichen mit aktueller Politik konfrontiert. Wenn Schülerin Louisa Speidel dort politische Beiträge sieht, überprüft sie diese noch einmal und sucht nach verlässlichen Quellen, etwa bei der Tagesschau: „Vor allem auf TikTok werden viele Inhalte übertrieben dargestellt. Andere werden bewusst rausgelassen, um falsche Bilder zu verbreiten.“

Gleichzeitig hätten soziale Medien auch Vorteile: Man komme näher an die Personen heran. Politiker könnten die Plattformen gezielt nutzen, um Sympathiepunkte zu sammeln, sagt Speidel – so wie die Linke bei der letzten Bundestagswahl: „Sie konnte so noch sehr viele junge Wähler dazugewinnen.“

Funk sieht die Sozialen Medien kritisch: „Ich würde nicht sagen, dass es was Gutes ist, wie sie politisiert werden.“ Auf junge Wähler, die sich ausschließlich über Soziale Medien informieren, könnte das einen negativen Einfluss haben.

Klimawandel und Wirtschaft sind präsente Themen

Die Schüler sind nicht mehr weit vom Abitur entfernt und der Einstieg in den Arbeitsmarkt rückt näher. Das Thema Wirtschaft werde deswegen immer präsenter, so Funk: „Wirtschaft steht oftmals im Gegensatz zum Klima. Deswegen muss man hier einen Mittelweg finden.“ Denn auch der Klimaschutz sei jungen Wählern wichtig, genauso wie die Sicherheit. Für all diese Themen wollen sie zur Wahl gehen.

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