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Bausparkassen wollen, dass Wohneigentum höhere Priorität bekommt

Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft kritisiert, dass Selbstnutzer von Immobilen gegenüber Kapitalanlegern steuerlich benachteiligt sind.
Jürgen Schmidt)Stuttgart. Ist mehr Wohneigentum ein Weg, um den Wohnungsmangel zu lindern? Aus Sicht der Bausparkassen im Land auf jeden Fall. Denn Wohneigentum schaffe Wohnungen, nicht nur durch die direkten Investitionen, sondern auch durch Sickereffekte, meinte der Vorstandschef der Badenia, Volker Kreuziger bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen in Stuttgart. Mit Sickereffekten ist gemeint, dass neue Wohnungs- oder Hauseigentümer Mietwohnungen frei machen, die dann dem Markt wieder zur Verfügung stehen.
Selbstgenutztes Wohneigentum senkt das Risiko von Altersarmut
Zudem sei Wohneigentum ein Mittel gegen Altersarmut, betonte der Badenia-Chef. Während 22,4 Prozent der Mieter unter Altersarmut litten, seien es bei den Eigentümern nur 8,3 Prozent. Und durch Wohneigentum werde Familienvermögen gebildet, das auch späteren Generationen zugutekomme.
An Land und Bund hat Kreuziger deshalb eine klare Forderung: „Wohneigentum muss politisch wieder höher priorisiert werden.“
Aktuell ist nach Einschätzung von Michael Voigtländer wenig zu sehen. „Wohneigentum ist ein Thema, das eigentlich verwaist ist“, sagte der Immobilienökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Dabei könnte mit mehr selbst genutzten Eigentumswohnungen und Häusern auch ein umstrittenes Thema abgeräumt werden. „Eine höhere Eigentumsquote würde die Diskussion um die Vergesellschaftung überflüssig machen“, meinte Voigtländer.
Lob für Koalitionsverträge, aber Zweifel an Umsetzung
Grundsätzlich wären die politischen Rahmenbedingungen aus Sicht der Immobilienexperten eigentlich günstig. Sowohl Kreuziger wie auch Voigtländer lobten die Koalitionsverträge im Bund und in Baden-Württemberg. Beide sorgen sich allerdings, ob die wohnungspolitischen Festlegungen auch tatsächlich umgesetzt werden.
So kritisierte IW-Ökonom Voigtländer, dass der „Heimvorteil“ im Südwesten wegen der Haushaltslage des Landes schon wieder zur Debatte stehe. Grüne und CDU hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag sich darauf verständigt, Familien beim ersten Kauf einer Wohnimmobilie oder eines Baugrundstücks die Grunderwerbsteuer zurückzuerstatten.
Von Bau- und Immobilienverbänden wird eine Senkung der Grunderwerbsteuer oder der Verzicht auf die Steuer beim Ersterwerb schon lange gefordert. Daran glaubt Voigtländer wegen der Finanzlage der Länder jedoch nicht.
Bürgschaftsmodell in Italien könnte als Vorbild dienen
Der Immobilienexperte macht si ch deshalb für eine Differenzierung stark. Für Selbstnutzer sollte die Steuer auf zwei Prozent des Kaufpreises gesenkt werden, für Kapitalanleger auf zehn Prozent erhöht. Damit könne der bislang bestehende Steuernachteil, für Eigentümer, die ihre Immobilie selbst bewohnen, im Vergleich zu Vermietern zumindest teilweise ausgeglichen werden. Diese könnten einen Großteil ihrer Kosten steuerlich abschreiben, was Selbstnutzern bislang verwehrt sei.
Ein großes Hemmnis für bau- oder kaufwillige Privatleute sieht der Wirtschaftswissenschaftler in den hohen Eigenkapitalanforderungen. Auch 60.000 Euro Eigenkapital reichten häufig nicht aus, um eine Finanzierung zu ermöglichen, so Voigtländer. Als mögliche Lösung schlug er das italienische Bürgschaftsmodell vor. Ein Garantiefonds sichert einen Teil des Kreditbetrags bei jungen Familien oder Kinderreichen mit geringem Jahreseinkommen ab. Für den Staat bedeute dies kaum zusätzliche finanzielle Belastungen und es könne den Eigenkapitalbedarf deutlich senken, erklärte Voigtländer.