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Bert Sutter: „Wir tun viel, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu schwächen“

Die hohe Steuerlast stärkt Konkurrenten in Tschechien, Polen und der Schweiz und schwächt unsere Unternehmen, sagt Verbandspräsident und Unternehmer Bert Sutter.
privat)Gundelfingen . Der industrielle Mittelstand zeigt erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Laut Hanna Böhme, der Hauptgeschäftsführerin des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (wvib) zeigt eine Umfrage unter den über tausend meist familiengeprägten Unternehmen der Schwarzwald AG positive Tendenzen. Danach hat sich der Anteil der Unternehmen mit gestiegenen Umsätzen deutlich erhöht. „Wir verzeichnen bei unseren Mitgliedern ein Umsatzplus von 6,4 Prozent. Noch 2025 lagen wir für das Gesamtjahr bei minus 0,3 Prozent“, sagte sie. Die anhaltend hohe Inflation mit vielfältigen Kostensteigerungen dürfte diesen Erfolg allerdings deutlich relativieren.
Geschäftsklima ist auf einem Drei-Jahres-Hoch
Auch die Geschäftserwartungen und das Geschäftsklima entwickeln sich laut Böhme günstig. „Vor allem das Geschäftsklima ist auf einem Drei-Jahres-Hoch.“ Besonders gut läuft es in der Medizintechnik, während der Automotive-Bereich zumindest solide im Mittelfeld liegt. In der Kunststoff- und Metallverarbeitung bleibt das Geschäftsklima dagegen hinter dem Durchschnitt der übrigen Branchen zurück.
Sorge bereitet die Investitionsquote der wvib-Mittelständler. Mit 4,6 Prozent liegt sie auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Wert zeigt, dass die Unternehmen ihr bestehendes Anlagevermögen kaum erneuern oder erweitern. „Wir haben das frühere Niveau noch lange nicht wieder erreicht“, so Böhme. Im Vergleich zu früheren Jahren sei die Quote sogar erneut gesunken. Bleiben Investitionen aus, offenbart sich damit ein Stück weit auch ein Vertrauensverlust in den Standort.
Regulierung ist zu einer toxischen Mischung geworden
Diese Einschätzung teilt auch wvib-Präsident Bert Sutter, Inhaber eines Medizintechnikunternehmens in Emmendingen. „Wir tun in Europa sehr viel, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen zu schwächen“, sagte er. Da gebe es „eine toxische Mischung“.
Während große Konzerne wie Mercedes in Ungarn weiter kräftig investieren, sei dieser Weg für den industriellen Mittelstand versperrt. Vielen Unternehmen in der Schwarzwald AG fehle die Betriebsgröße, um Werke im Ausland aufzubauen. Dafür sei weder die finanzielle noch die Managementkapazität vorhanden. „Wir sind sozusagen zum Standort Deutschland verdammt.“
Knapp zehn Prozentpunkte mehr Steuern als im EU- und OECD-Durchschnitt
Als Beispiel für die ungünstigen Rahmenbedingungen nannte Sutter die hohen Lohnstückkosten in Deutschland, die maßgeblich von den Sozialabgaben getrieben würden. Das zweitgrößte Problem sei die hohe Steuerbelastung. „Kapitalgesellschaften zahlen in Deutschland rund 30 Prozent Steuern – knapp zehn Prozentpunkte mehr als der EU- und der OECD-Durchschnitt.“ Damit schaffe man Wettbewerbern in Ländern wie Tschechien, Polen oder der Schweiz deutliche Wettbewerbsvorteile. Ihnen bleibe mehr Geld für Investitionen, Innovationen und Produktivitätssteigerungen. „Das ist ein doppelter Effekt“, so Sutter. Über längere Zeit betrachtet sei dies ein massiver Standortnachteil für unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Ein weiterer großer Frustfaktor sei die teure Bürokratie. Diese sei sehr komplex und damit deutlich schwieriger anzugehen als die beiden anderen strukturellen Probleme.