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Krankenstand in Unternehmen

Schwarzwald AG für unbezahlten Krankheitstag

Der US-Autobauer Tesla hat die Fehlzeiten in seinem in seinem Werk in Grünheide erfolgreich gedrückt. Das hat die Schwarzwald AG veranlasst, unter ihren rund 1000 badischen Unternehmen nach dem Krankenstand zu fragen. Denn Fehlzeiten kosten die Unternehmen viel Geld.
Drei Personen bei der Inspektion eines weißen Autos in einem beleuchteten Tunnel.

Tesla hat in seiner Gigafactory in Berlin-Brandenburg die hohen Fehlzeiten auf unter fünf Prozent gedrückt und löste damit eine lebhafte Debatte aus.

dpa/Patrick Pleul)

Freiburg . Der US-Fahrzeughersteller Tesla hat zuletzt über einen deutlich gesunkenen Krankenstand in seinem Werk in Grünheide bei Berlin berichtet. Nach Angaben der Werksleitung ist er auf unter fünf Prozent gesunken, nachdem er im Sommer 2024 zeitweise bei rund 17 Prozent gelegen hatte. Eine Krankheitsquote von fünf Prozent bedeutet, dass an einem durchschnittlichen Arbeitstag fünf Prozent der gesamten Belegschaft aufgrund von Krankheit abwesend sind.

Tesla hat verschiedene Anreize geschaffen, um die Anwesenheit der Beschäftigten zu erhöhen und das Arbeitsumfeld zu verbessern. Dazu gehören insbesondere Prämien und Boni: So hat das Unternehmen ein Bonussystem eingeführt, das eine hohe Anwesenheit im Jahresverlauf finanziell honoriert, was laut Tesla besonders Fehlzeiten an Montagen und Freitagen reduziert hat. Zudem seien ein Aktienprogramm, ein Barbershop sowie vergünstigte Mietoptionen für Tesla-Fahrzeuge eingeführt worden.

Seitdem wird vielerorts über die Methoden diskutiert, mit denen das Management den Krankenstand gesenkt hat. Andere Unternehmen, so Tesla-Werkleiter André Thierig, würden neidisch auf diese Quoten schauen.

Auch in den Personal-Arbeitskreisen der wvib Schwarzwald AG ist der Krankenstand regelmäßig Gegenstand der Diskussion. Der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib) hat dies zum Anlass genommen, erstmals Zahlen zum Krankenstand aus dem industriellen Mittelstand zu veröffentlichen. Bei den wvib-Mitgliedern liegt die Quote krankheitsbedingter Fehlzeiten im Zeitraum von September bis Februar im Durchschnitt bei etwa 5,3 Prozent. Zum Vergleich: Das entspricht dem bundesweiten Durchschnitt, der in den letzten Jahren oft zwischen 5,5 bis 5,9 Prozent schwankte.

Im industriellen Mittelstand zeigen sich deutliche Unterschiede nach Tätigkeitsbereich: In der Produktion, also im gewerblich geprägten Bereich mit körperlicher Arbeit, lag die Krankenstandsquote im Durchschnitt bei 7,2 Prozent. Im kaufmännischen Bereich betrug sie im gleichen Zeitraum 3,1 Prozent.

Die Angaben basieren auf Rückmeldungen von rund 130 Unternehmen mit insgesamt etwa 40.000 Beschäftigten. Nicht alle Unternehmen differenzieren dabei systematisch zwischen gewerblichen und angestellten Tätigkeiten, weshalb die Vergleichbarkeit der Detailwerte eingeschränkt sein kann.

„Der Krankenstand wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst“, sagt Heidrun Riehle, stellvertretende wvib-Hauptgeschäftsführerin: „Ein gutes Betriebsklima schlägt sich in der Quote genauso nieder wie die konjunkturelle Lage der Unternehmen. Das macht es schwierig zu bestimmen, welcher Faktor im Einzelfall ausschlaggebend ist.“ Riehle zufolge würden die meisten der wvib-Mitglieder auf ein aktives betriebliches Gesundheitsmanagement, Eingliederungsmanagement, offene Rückkehrgespräche mit den Angestellten und eine transparente Unternehmenskultur setzen. So könnten sie ihre Krankenstände sehr stabil halten.

„Krankenstände können viel Geld kosten und die Produktivität senken, weil sie die Belastung von gesunden Kolleginnen und Kollegen erhöhen“, sagt Hanna Böhme, die wvib-Hauptgeschäftsführerin. „Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wird für bis zu sechs Wochen allein vom Arbeitgeber geleistet“, gibt sie zu bedenken. Derzeit diskutieren Union (CDU/CSU) und SPD über die Wiedereinführung eines unbezahlten ersten Krankheitstags – den sogenannten Karenztag. Diese Form der Selbstbeteiligung hält Hanna Böhme für „durchaus sinnvoll“. „Was pikant klingt, wäre im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich.“

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