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Der Nahostkonflikt trifft die Südwest-Wirtschaft

Container-Hafen am Neckar in Stuttgart: Steigende Fracht- und Transportkosten schlagen bei den Südwest-Unternehmen aktuell besonders deutlich zu Buche.
dpa/Westend61/Werner Dieterich)Stuttgart . 85 Prozent der befragten Südwest-Betriebe über alle Branchen hinweg sehen sich durch den Konflikt beeinträchtigt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie und Handelskammern, an der fast 400 Unternehmen teilgenommen haben. Danach schlagen steigende Fracht- und Transportkosten besonders deutlich zu Buche: Mehr als 60 Prozent der Unternehmen berichten von Belastungen, in der Industrie (75 Prozent) und dem Handel (78 Prozent) sind sogar drei Viertel betroffen.
Frachtraten steigen deutlich
Die Kammern machen das an einem Beispiel fest: Danach kostet ein 20-Fuß-Container von China nach Deutschland aktuell 2100 Euro. Vor dem Nahost-Konflikt waren es 1800 Euro. Zwar verlaufe die zentrale Handelsroute zwischen China und Europa nicht durch die Straße von Hormus – die Spannungen in der Region würden jedoch die Energiekosten erhöhen, die Kapazitäten verknappen und damit die Transportpreise für die Unternehmen in die Höhe treiben, so der BWIHK.
Für Claus Paal, den Vizepräsidenten des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), zeigen die Zahlen, wie sehr geopolitische Krisen direkt und indirekt auf die Lieferketten und Kostenstrukturen der Unternehmen wirken. „Gerade für eine exportorientierte Wirtschaft wie Baden-Württemberg sind stabile Handelswege essenziell.“
Lieferengpässe sind nach den Ergebnissen der Umfrage derzeit noch weniger stark ausgeprägt. Doch die Kammern halten die Risiken hier für hoch: In der Industrie berichte bereits fast jedes zweite Unternehmen (43 Prozent) von Einschränkungen. „Engpässe entstehen oft an ganz anderer Stelle der Wertschöpfungskette und breiten sich dann schnell aus“, so Paal. „Das haben wir in den vergangenen Jahren schmerzhaft gelernt – etwa bei Halbleitern.“
Unternehmen geraten zunehmend unter Preisdruck
Auch steigende Preise setzen die Unternehmen unter Druck: In der Industrie berichtet fast jedes zweite Unternehmen von höheren Einkaufspreisen. Gleichzeitig lassen sich solche Kostenschübe für viele Betriebe nicht ohne Weiteres auf Kunden überwälzen, etwa aufgrund langfristiger Verträge. Anders im Verkehrssektor: Hier haben laut Umfrage rund 73 Prozent der Unternehmen ihre Preise bereits angepasst – auch, weil sie überdurchschnittlich stark und unmittelbar von den gestiegenen Mineralölpreisen betroffen sind.
Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung sei groß – und präge zunehmend das wirtschaftliche Handeln, so der BWIHK. Jedes dritte Industrieunternehmen baue vorsorglich seine Lagerbestände aus. Zwei von drei würden ihr Risikomanagement intensivieren. Zugleich stellen 35 Prozent Projekte oder Investitionen vorerst zurück. „Die Unternehmen fahren auf Sicht“, sagt Paal. „Was wir jetzt brauchen, sind verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine klare Unterstützung für offene Handelswege. Wenn sich die Lage weiter zuspitzt, drohen zusätzliche Belastungen für Produktion, Preise und Beschäftigung – das können wir uns wirtschaftlich derzeit nicht leisten.“