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Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg sieht sich noch nicht über dem Berg

Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg hat die Zahl ihrer Beschäftigten trotz Konjunkturkrise konstant gehalten.
dpa/Rupert Oberhäuser)Stuttgart. Die Zahlen lassen einen leichten Entspannung erahnen. Nach minimalen realen Umsatzzuwachs von 0,3 Prozent in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres erwartet der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Markus Böll für 2026 ein Plus von 2,6 Prozent. Doch als generelle konjunkturelle Wende will der Bauunternehmer aus Schriesheim in der Rhein-Neckar-Region das noch nicht interpretieren. Die regionalen Unterschiede zwischen den Bausektoren seien erheblich, sagte Böll.
Erreicht werde das Umsatzplus vor allem von Großprojekten für die Schienen- und Energieinfrastruktur. Doch viele kleinere Betriebe der stark mittelständisch geprägten Branche sähen noch keinen Aufschwung, weil beispielsweise der Wohnungsbau nur langsam aus der Talsohle komme.
Branche will Senkung der Grunderwerbssteuer
Die Umsatzrenditen der Unternehmen seien sehr niedrig, der Wettbewerb um Aufträge sehr hart, betonte Böll. „Viele Betriebe leben derzeit von ihrem Eigenkapital“, beschrieb der Verbandspräsident die wirtschaftliche Situation.
An die neue Landesregierung hat der Bauwirtschaftsverband deshalb klare Forderungen. Um den Wohnungsbau anzukurbeln, solle die Grunderwerbssteuer gesenkt werden und beim ersten Kauf einer Immobilie sogar ganz wegfallen. Alle Parteien hätten in ihren Wahlprogrammen eine Ermäßigung der Steuer in Aussicht gestellt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Thomas Möller.
Zudem müsse das Land künftig für den Sozialen Wohnungsbau die Bundesmittel in gleicher Höhe aufstocken. Im laufenden Jahr stellt der Bund 456 Millionen, das Land 300 Millionen Euro zur Verfügung.
Sondervermögen wirkt sich 2026 noch nicht aus
Und als Anreiz für private Investoren will die Bauwirtschaft eine Sonderabschreibung, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Dies habe im Zuge des Aufbaus Ost auch Wirkung gezeigt, sagte Böll. Für neue Abschreibungsmodelle ist allerdings der Bund zuständig.
Der Branchenverband erwartet nicht, dass sich das Sondervermögen des Bundes für die Infrastruktur schon in diesem Jahr auswirkt. Das werde wohl erst 2027 zu mehr Aufträgen führen, so Böll.
Dabei könnte vor allem der Straßenbau Impulse dringend gebrauchen. Die Umsätze in diesem Sektor schrumpften von Januar bis November 2025 um neun Prozent, wie Vizepräsidentin Sabine Schmucker erklärte. Sie forderte eine Verstetigung der Infrastrukturfinanzierung, etwa durch die Zweckbindung der Lkw-Maut.
Zahl der Beschäftigten bleibt trotz Krise stabil
Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg hat trotz der andauernden Konjunkturkrise ihre Mitarbeiter an Bord gehalten oder die Belegschaften sogar leicht vergrößert. Im November 2025 zählte die Branche 72.434 Beschäftigte und damit rund zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Betriebe seien deshalb bei einem Aufschwung in der Lage, mehr Aufträge zu erledigen, sagte Verbandschef Thomas Möller.