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Über See, über Land und im Gebirge im Einsatz

Der Spezialkräfte-Helikopter der Bundeswehr ist wendig und erreicht bis zu 268 Kilometer in der Stunde.
Bundeswehr / Raphael Stypa)Laupheim. Vier Hubschrauber schweben hintereinander, knapp über dem Boden. Einen Hubschrauber in dieser Höhe schweben zu lassen, erfordert viel Geschick der Piloten. Die leichten Mehrzweckhubschrauber fliegen eine Formation. Die Nase der ersten Maschine neigt sich nach unten, sie gewinnt rasch an Höhe, die anderen tun es ihr gleich.
Es herrscht an diesem trüben Novembertag reger Flugbetrieb, auch wenn das Wetter nicht unbedingt das ist, was man sich als Pilot wünscht. Am Himmel drehen weitere Maschinen des Hubschraubergeschwaders 64 in Laupheim (Kreis Biberach) ihre Kreise.
Während sich manch einer unten am Boden fragt, warum sie immer und immer wieder durch die Gegend fliegen, wissen die Piloten genau, wofür sie das tun: Damit im Einsatz alles reibungslos funktioniert und damit sie alle Flugstunden erhalten, die sie als Hubschrauberführer brauchen.
Das Geschwader ist die Heimat des großen Transporters (für Technikaffine: Sikorsky „CH-53“) und des kleinen und wendigen Spezialkräfte-Hubschraubers von Airbus („H145M LUF SOF“). Der Stab, die Fliegende und die Technische Gruppe sind in Laupheim stationiert, die Lufttransportgruppe in Schönewalde/Holzdorf (Brandenburg). In Diepholz (Niedersachsen) ist eine Instandhaltungsstaffel. Am vierten Dienstort, Bückeburg, ist eine Teileinheit für den Simulatorbetrieb der CH-53 verantwortlich.
Hauptmann Andrej (Nachnamen werden auf Wunsch der Bundeswehr nicht genannt) ist seit 1989 bei der Bundeswehr, seit 1997 ist er in Laupheim stationiert. Er ist Hubschrauberführer und als Fluglehrer eingesetzt. Zusätzlich koordiniert er die „Technischen Flüge“. Dahinter verbirgt sich die Überprüfung von instandgesetzten „CH-53“-Maschinen.
Sein Arbeitstag beginnt um halb sieben, er ist immer schon etwas vor Dienstbeginn um sieben Uhr im Büro, um die Vorbereitungen für den Tag zu erledigen. Ab sieben Uhr plant er mit Piloten, Bordtechnikern und Einsatzsteuerung den weiteren Ablauf. Dann beginnen die Überprüfungen der Hubschrauber. Die Bordmechaniker führen, bevor der Hubschrauber abhebt, eine sogenannte Vorflugkontrolle durch. Dabei wird jedes relevante Teil begutachtet. Diese Kontrolle kann bis zu zwei Stunden dauern. Im Anschluss kommen die Piloten und ein oder zwei Nachprüfer. Am Boden wird alles noch einmal gecheckt, danach folgen Überprüfungsflüge. „Die Hubschrauber gehen bei mir quasi durch den TÜV“, sagt Andrej. „Bis ein Hubschrauber wieder fliegen darf, kann das auch mal zwei, drei Tage dauern.“ Die meisten CH-53 haben fast 60 Jahre auf dem Buckel, die Wartung ist dementsprechend aufwendig.
Ab 2027 kommen neue Transporthubschrauber
Muss etwa ein defektes Rotorblatt ersetzt werden, hört sich das zwar einfach an. Doch ein neues Blatt muss gewogen werden, damit es genauso schwer ist wie die anderen fünf Rotorblätter. Ist das nicht der Fall, kann es zu einer nicht kontrollierbaren Unwucht im Flugbetrieb kommen.
Ob der Rotor rundläuft, wird genau geprüft: Zunächst am Boden, dabei werden dann kleinere Einstellungen vorgenommen. Solange, bis der Rotor nachweisbar ruhig läuft. Die Freigabe für den Flugbetrieb muss wieder ein Nachprüfer erteilen. Erst dann werden die gleichen Überprüfungen noch einmal gemacht, dann aber in der Luft.
„Das kann sich ziehen“, sagt Andrej. Das Auswuchten der Rotoren kann im ungünstigsten Fall mehrere Tage dauern. „Es ist eben ein alter, aber grundsätzlich zuverlässiger Hubschrauber.“ Ab 2027 kommen neue Hubschrauber vom Typ CH-47.
Neue Hubschrauber bedeuten ein neues System, andere Wartungsintervalle, die Techniker müssen ausgebildet werden, genauso die Piloten. Es braucht Fluglehrer. All das muss koordiniert werden. Zugleich muss parallel eine Infrastruktur aufgebaut werden. Wenn ein neuer Hubschrauber kommt, muss ein alter ausgemustert werden. All das wird mit dem Personal durchgeführt, welches am Standort Laupheim zur Verfügung steht.
Personal hat die Bundeswehr zu wenig. Die Debatte um die Wehrpflicht hat Andrej aufmerksam verfolgt. „Ich finde es gut, dass sie geführt wird“, sagt er. Für ihn war das damals keine Frage, denn die Wehrpflicht war in Kraft. „Es war völlig normal, zur Bundeswehr zu gehen oder seinen Zivildienst zu leisten.“
Andrej würde eine Dienstpflicht bevorzugen, an der jeder Bürger, ob Mann oder Frau, beteiligt wird. Ob bei der Feuerwehr, beim THW, im Krankenhaus oder in der Pflege: „Jeder kann für eine bestimmte Zeit etwas für sein Land tun“, findet er. „Wir haben in diesem Land nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.“ Es sei notwendig, dies den Menschen wieder mehr zu vermitteln. „Es muss auch mehr darüber gesprochen werden, was es bedeutet, für andere da zu sein.“ Auch müsse den jungen Menschen aufgezeigt werden, was die Bundeswehr attraktiv macht, sagt Andrej, der an den verschiedensten Auslandseinsätzen beteiligt war. Die Bundeswehr sei mittlerweile hoch technisiert. „Wer sich für Technik interessiert, findet seinen Weg.“ Dazu das umfangreiche Angebot für Dienstsport und die Gesundheitsversorgung. Die Kameradschaft. Das schätzt er.
Vollgetankt und beladen kann der große Hubschrauber bis zu 19 Tonnen wiegen
Auch Stabsfeldwebel Michael hat sich schon immer für Technik interessiert. Er ist Bordtechniker und wenn er von der „CH-53“ spricht, leuchten seine Augen. Die Begeisterung für den Job ist an diesem Standort allen anzumerken. Sie brennen für das, was sie tun. Vollgetankt und beladen kann der große Hubschrauber bis zu 19 Tonnen wiegen, es gibt verschiedene Typen, 2000 Liter Kerosin habe man an Bord, so Michael. Mit 2000 Litern kann man etwa eine Stunde und 45 Minuten fliegen. Es gibt auch Hubschrauber mit Zusatztanks, mit ihnen kann man über sechs Stunden in der Luft bleiben. „Man versucht immer, nur so viel Kraftstoff mitzunehmen, wie für den jeweiligen Auftrag benötigt wird“, erklärt Michael.
Nach 50 Flugstunden ist eine Inspektion nötig. Eine der Maschinen wird gerade gewartet. „Der Wartungsaufwand ist extrem. Wenn ein Hubschrauber am Tag sechs Stunden fliegt, dann hat man schnell die nächste Wartung“, sagt Michael. Das soll bei den neuen Maschinen anders werden.
Neben den technischen Flügen beteiligt sich das Hubschraubergeschwader an nationalen und internationalen Übungen. Zusätzlich müssen andere Bundeswehreinheiten mit den „CH-53“ und deren Besatzungen verschiedene Verfahren üben. Dafür finden am und um den Standort häufig Aus- und Weiterbildungsflüge statt.
Ein Pilot muss jedes Jahr seine Lizenz erneuern. Allein für sie braucht er minimal 70 Flugstunden. Damit er „Einsatzreife“, also die Fähigkeit, im „scharfen Einsatz“ eingesetzt zu werden, erlangt, sind weit mehr Flugstunden und fliegerische Erfahrungen erforderlich: Tiefflüge, Flüge mit Innenlast, Flüge mit Außenlast, mit schweren Maschinen, mit Seilwinden, im Sommer und im Winter, über See, über Land, im Gebirge, bei Tag und Nacht.
Was also von unten aussieht, als fliege man im Kreis, hat jedes Mal einen anderen Trainingszweck. Dazu kommt, dass alle rund 300 Piloten des Geschwaders ausreichend üben müssen.
Ohne die Bundeswehrfeuerwehr hebt in Laupheim kein Hubschrauber ab
„Ohne die Bundeswehrfeuerwehr würde in Laupheim kein einziger Hubschrauber abheben“, sagt Brandoberamtsrat Daniel. Er leitet die Bundeswehrfeuerwehr am Standort Laupheim. In zwei Schichten sorgen 63 Feuerwehrbeamte für Sicherheit. Eine Schicht hat 24 Stunden. Innerhalb der ersten Minute müssen sie nach der Alarmierung mit 2900 Litern Wasser vor Ort sein. Ein Flugfeldlöschfahrzeug steht mit zwei Einsatzkräften immer an der Start- und Landebahn bereit. Der Rest ist auf der Wache in Bereitschaft, so auch das „HOT“-Fahrzeug, das kommt zum Einsatz, wenn ein Hubschrauber mit laufendem Triebwerk betankt wird. Der Flugbetrieb geht in der Regel um 7.45 Uhr los, manchmal auch schon um fünf, manchmal wird bis zwei Uhr in der Nacht geflogen. Am Wochenende ist die Wache mit zehn Leuten besetzt.
Daniel kam 1985 als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr. Er war zwölf Jahre Zeitsoldat, bei der Panzertruppe, später Fahrlehrer bei der Bundeswehr. Bis er dann die Ausbildung zum Feuerwehrmann gemacht hat.
Die Bundeswehrfeuerwehr wird auch zivil alarmiert
Neben dem Flugbetrieb hat jeder auf der Wache weitere Aufgaben in den Bereichen Kfz, Materialbewirtschaftung, Ausbildung, zivil-militärische Zusammenarbeit, Funk und Sanitätsmaterial. Der Hauptbrandmeister, der auch Daniel heißt, ist stellvertretender Leiter der Gerätewerkstätten/Sachgebiet Technik. Er kennt sich aus mit den Fahrzeugen und zeigt das Flugfeldlöschfahrzeug vom Typ „Z6“. Das lässt das normale Löschfahrzeug, das daneben in der Fahrzeughalle steht, geradezu klein wirken.
Für ihn ist die Arbeit bei der Bundeswehrfeuerwehr etwas Besonderes, sei man doch auf die Brandbekämpfung und Rettung der Besatzungen von Luftfahrzeugen spezialisiert. „Ab und an werden wir auch zivil alarmiert“, sagt er. Er und seine Kameraden unterstützen dann zivile Feuerwehren im Rahmen der Soforthilfe, etwa wenn dort viel Wasser gebraucht wird.
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Aufgaben des Hubschraubergeschwaders 64
Das Hubschraubergeschwader 64 übernimmt den Transport von Personal und Material. Auch die fliegerische Aus- und Weiterbildung mit taktischem Training für den Einsatz findet dort statt. Dazu gehören etwa Rettung und Rückführung von Personen aus dem Ausland, Evakuierungen und Geiselbefreiungen sowie der Lufttransport verletzter Personen aus unsicheren Gebieten inklusive medizinischer Versorgung. Im Rahmen des Heimatschutzes unterstützen die Hubschrauber im Katastrophenfall die zivile Seite: etwa bei Feuerlöscheinsätzen, Hochwasser, Schneekatastrophen und Erdbeben.