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Historische Wahlen

Müller und Maier regierten als erste den Südwesten

Im März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Amtsinhaber Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nach drei Amtszeiten nicht mehr an. Er ist der neunte Ministerpräsident, die ersten waren Reinhold Maier und Gebhard Müller.
Zwei Männer im Anzug geben sich die Hand in einem Raum mit Gemälde an der Wand.

Der Liberale Reinhold Maier (rechts) und der Christdemokrat Gebhard Müller waren von 1952 bis 1958 die ersten beiden Ministerpräsidenten des neugegründeten Landes Baden-Württemberg.

dpa/ASSOCIATED PRESS/Kro)

Stuttgart. Im März 2026 geht die Ära des am längsten in Baden-Württemberg amtierenden Ministerpräsidenten zu Ende. Kretschmann hat mit mehr als 14 Jahren länger regiert als alle anderen vor ihm.

Als der 77-jährige kaum vier Jahre alt und das Land Baden-Württemberg gerade erst entstanden war, übernahm der Freidemokrat Reinhold Maier am 25. April 1952 das Amt. Von den insgesamt 121 Mandatsträgern im Landtag plädierten 64 für Maier und 56 dagegen, eine Stimme wurde nicht abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag 1952 bei 63,7 Prozent.

Der gebürtige Schorndorfer war zuvor von 1945 bis 1952 Ministerpräsident des Landes Württemberg-Baden, ehe er zum ersten Ministerpräsident von Baden-Württemberg gewählt wurde.

Die drittstärkste Kraft stellte den Ministerpräsidenten

Obwohl Maier mit seiner Partei FDP/DVP bei der Wahl im März 1952 mit 18 Prozent der Stimmen nur drittstärkste Kraft im neu gebildeten Südweststaat war, wählte ihn die Verfassunggebende Landesversammlung am 25. April 1952 zum Ministerpräsidenten.

Der eigentlich stärksten Kraft im Landtag, die CDU, warf man vor, zuvor bei der Bildung des neuen Landes Baden-Württemberg sich nicht energisch dafür eingesetzt zu haben. Maier bildete er anschließend die Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE und schickte die CDU als eigentlich stärkste Partei in die Opposition.

Sein Bündnis zusammen mit den Sozialdemokraten und dem Bund der Heimatvertriebenen (BHE) hatte eine kleine Mehrheit von 67 Mandatsträgern, das heißt, dass drei Abgeordnete aus den eigenen Reihen gegen ihn gestimmt hatten. Enthaltungen gab es nach Angaben der Landeszentrale für politische Bildung damals keine. Maier zog damals mit 23 FDP-Abgeordneten in den Landtag ein, die SPD stellte 38 Abgeordnete und die CDU 50 sowie der Bund der Heimatvertriebenen sechs Abgeordnete.

Maier regierte nur ein Jahr lang den neuen Südweststaat. Als die CDU bei der Bundestagswahl vom 6. September 1953 in Baden-Württemberg über die Hälfte der Stimmen erzielte, trat Maier vom Amt des Ministerpräsidenten zurück, sein Nachfolger wurde 1953 der Christdemokrat Gebhard Müller. Müller wurde am 17. April 1900 in Füramoos im Landkreis Biberach geboren. Er war vor seiner Zeit als Ministerpräsident Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern. Nach seiner Zeit als zweiter Ministerpräsident von Baden-Württemberg war der Jurist von 1959 bis 1971 Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

Ein Bündnis von CDU, SPD, FDP und dem BHE

Müller regierte bis 1958 in einem Bündnis von Christdemokraten, Sozialdemokraten, der FDP und dem Bund der Heimatvertriebenen zunächst mit 117 Mandaten und bei seiner Wiederwahl 1956 mit 120 Mandaten.

Gewählt wurde er 1953 von 79 Abgeordneten, 31 stimmten gegen ihn, es gab keine Enthaltungen, zehn Abgeordnete hatten keinen Stimmzettel abgegeben. Die Wahlbeteiligung im Jahr 1953 lag bei 70,3 Prozent, bei seiner Wiederwahl 1956 wurden 114 Stimmzettel abgegeben von 120 Abgeordneten, 108 votierten für Müller, sechs enthielten sich, Gegenstimmen gab es keine. Müller regierte bis zum Jahr 1958.

Die CDU stellte bis zum Jahr 2011 ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Und sie war zwischen 1972 und 1992 aufgrund einer eigenen Mandatsmehrheit alleinige Kabinettspartei.

Historische Wahlerfolge in Baden-Württemberg

Neun Ministerpräsidenten hat das 1952 gegründete Land Baden-Württemberg bisher erlebt und der amtierende Winfried Kretschmann hat die längste Amtsperiode innegehabt. Seine Vorgänger waren Stefan Mappus, Günther Oettinger, Erwin Teufel, Lothar Späth, Hans Filbinger, Kurt Georg Kiesinger, Gebhard Müller und Reinhold Maier. In einer kleinen Serie stellen wir die historischen Wahlerfolge vor.

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