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Wer gewinnt welchen Wahlkreis? Wie sieht die politische Landkarte aus?

Stuttgart. Als Uwe Wagschal im Februar die Wahlkreiskarte für Baden-Württemberg gezeichnet hat, war die Lage noch recht eindeutig: Die CDU hätte 53 Wahlkreise gewonnen, die Grünen 14 und die AfD nur 3.
1. Welche Partei gewinnt wieviele Wahlkreise?
Doch nun sieht die Prognose ziemlich anders aus: Die Union würde nur noch 42 Stimmbezirke für sich entscheiden, die Grünen 26 und die AfD zwei. Die Zahlenbasis ist die neuste ZDF-Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen. „Insgesamt liegt der Abstand von CDU und Grünen innerhalb der Fehlertoleranz“, sagt der 59-Jährige, der als internationaler Experte für Wahlstatistiken gilt.
2. Wo gewinnen die Grünen?
Neben den Hochburgen Freiburg, Tübingen, Konstanz, Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim können sich die Grünen Hoffnungen in Weinheim, im Enzkreis, Reutlingen, Ulm, Ludwigsburg, Offenburg, Breisgau, Waldshut, Villingen-Schwenningen und hauchdünn sogar in Singen machen. Gleichzeitig könnte es in bislang sicheren CDU-Hochburgen knapper werden, etwa in Hohenlohe, wo die AfD der Union bis auf unter 4 Prozentpunkte nahekommt. In Vaihingen liegt die CDU nur 0,3 Prozentpunkte vor den Grünen, in Bietigheim-Bissingen etwa ein Prozent, ebenso in Bretten. Während sich die Landkarte also im Vergleich zu 2021 schwärzer färbt, bliebe sie rund um Freiburg und zwischen Ludwigsburg bis Reutlingen ziemlich grün. „Wir kommen allerdings von einem hohen Niveau“, sagt Wagschal. 2021 haben die Grünen 58 der 70 Wahlkreise gewonnen.
3. Welche Wahlkreise kann die CDU erobern?
Dennoch kann sich die CDU unter Manuel Hagel auf eine große Zahl von Wahlkreis-Eroberungen von den Grünen freuen, vor fünf Jahren gelang dies nur in zwölf Stimmbezirken. Nun sind die Aussichten in vielen Wahlkreisen gut: In Stuttgart III, Böblingen, Leonberg/Herrenberg, Göppingen zum Beispiel, aber auch Ettlingen, Bretten, Schwetzingen.
4. Wie groß wird der neue Landtag tatsächlich?
Interessant ist auch die Frage, wie groß der neue Landtag wird. In der Prognose vom Februar ging Wagschal noch von 165 Abgeordneten aus, weil die CDU einen Großteil der Direktmandate gewonnen hätte und somit stark überrepräsentiert wäre.
Nun, da CDU und Grüne wieder nahe beieinander liegen und die Ökopartei bis zu 26 Wahlkreise gewinnen könnte, und die AfD auf unter 20 Prozent gesunken ist, ist das Verhältnis von Direktmandaten zur Gesamtsitzzahl deutlich ausgeglichener. Der Politikwissenschaftler rechnet daher nur mit 137 Abgeordneten, das wären sogar weniger als bisher, wo 154 Mandatsträger nach Stuttgart entsandt wurden. „Je ausgeglichener CDU und Grüne Direktmandate gewinnen, desto weniger Ausgleichsmandate sind nötig“, sagt der Wahlexperte.
5. Welche Rennen sind besonders knapp und spannend?
Umkämpft ist der Wahlkreis Stuttgart III, wo der linke Grüne Fraktionsvize Oliver Hildenbrand kandidiert, aber auch Esslingen mit CDU-Fraktionsvize Andreas Deuschle und Kirchheim, wo Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz knapp hinten liegt. In Bietigheim-Bissingen muss CDU-Generalsekretär Tobias Voigt um sein Direktmandat kämpfen.
Für die CDU-Abgeordneten ist das oft eine Frage der politischen Existenz: Nur wer direkt gewählt wird, kommt in den Landtag. Harte Wettbewerbe gibt es auch in den Wahlkreisen Ludwigsburg, Weinheim, Offenburg, Villingen-Schwenningen, Singen, Ravensburg und Rastatt.
In Vaihingen/Enz ist es besonders spannend, da liegen die beiden Parteien fast gleichauf. in Bretten liegt der grüne Landesvorsitzende Pascal Haggenmüller knapp hinten. In Lahr hat Justizministerin Marion Gentges (CDU) nur knapp die Nase vorn.
6. In welchen Wahlkreisen hat die AfD Chancen?
Im Wahlkreis Mannheim I gibt es einen Dreikampf zwischen der AfD, den Grünen und der CDU, die Rechtspartei hat mit 22 Prozent knapp die Nase vorn. Im Enzkreis liegen alle drei noch dichter beieinander, die Grünen haben hier hauchdünn die Nase vorne. „Das ist sicher der spannendste Wahlkreis“, sagt Wagschal. Die AfD wird voraussichtlich in der Goldstadt Pforzheim erfolgreich sein. Mit Interesse blickt man auch auf Heilbronn, wo Innenminister Thomas Strobl (CDU) erstmals antritt, hier hat die AfD Außenseiterchancen. Auch in Backnang liegt die AfD in Schlagdistanz.
7. Können die Spitzenkandidaten ihre Wahlkreise gewinnen?
Keine Sorgen müssen sich die Spitzenkandidaten von CDU und Grüne um ihre Wahlkreise machen. Manuel Hagel führt in Ehingen mit 39 zu 22 Prozent, Cem Özdemir wird den Wahlkreis Stuttgart II mit 32 zu 25 Prozent recht sicher gewinnen. Der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch hält sich in Heidenheim mit 18 Prozent tapfer, müsste sich aber mit 25 Prozent der Union geschlagen geben. FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke ist in Pforzheim ohne Chance auf Direktmandat.
8. Was wären die deutlichsten Wahlkreiseroberungen?
In Backnang würde die CDU mit satten zehn Punkten Vorsprung gewinnen, bislang wurde er von den Grünen gehalten. In bisher grünen Wahlkreis Eppingen liegt die CDU 9 Prozentpunkte vorne, in Neckarsulm 8 und in Kehl 7. Den Rekord würde aber Wangen halten, wo die CDU statt mit Platz 2 das Siegerpodest mit 13 Punkten Vorsprung erreichen würde.