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Wählen Sie bitte eine demokratische Partei!

Wahlaufruf von Chefredakteur Rafael Binkowski
xx)Stuttgart. Am Sonntag gilt es: Bei der vergangenen Landtagswahl 2021 gingen nur 63,8 Prozent der Wähler an die Urnen. Bei der Bundestagswahl vor einem Jahr hingegen 83,5 Prozent. Das zeigt: Die Menschen interessieren sich durchaus für die Demokratie. Baden-Württemberg steht vor einer Weichenstellung. Nach 15 Jahren endet, so viel steht fest, die Ära von Winfried Kretschmann. Nach fünf grün-roten Jahren folgten zehn grün-schwarze. Insgesamt wurde pragmatisch regiert, und Kretschmann hat mit seiner unaufgeregten, ebenso intellektuellen wie bodenständigen Art, Politik zu machen, das Land geprägt.
In den letzten Wahlkampftagen kochten die Emotionen hoch. Das von einer grünen Abgeordneten lancierte Video gegen Manuel Hagel hat Schärfe in die Debatte – das hätte es wirklich nicht gebraucht. So wird über die wirklich wichtigen Themen wie Wirtschaft, Arbeitsplätze und Sicherheit im Endspurt leider viel zu wenig gesprochen.
Interaktive Karte mit einer Prognose für alle Wahlkreise
Die Ära Kretschmann war von Pragmatismus geprägt
Abgesehen davon war aber die grün-schwarze Ära von Konsens und Pragmatismus, aber auch von einer gewissen Beharrlichkeit geprägt. Die Kandidaten sind im Wahlkampf fair miteinander umgegangen. Es stehen den Wählern passable Angebote zur Auswahl. Die Erfahrung und der überparteiliche Ansatz von Cem Özdemir, Aufbruch und Zukunftshoffnung mit Manuel Hagel, und beides vermutlich wieder in einer Koalition.
Auch die SPD bietet mit Andreas Stoch eine kompetente und passable Alternative, und Hans-Ulrich Rülke hält die schwindsüchtige FDP mit Wortwitz und einem klar bürgerlichen Profil am Leben. Es wäre schade, wenn die Jahrhunderte alte liberale Tradition im Südwesten verschwinden würde. Und wer einen radikaleren Ansatz will, dem steht mit der Linken eine Partei mit vielen jungen Menschen zur Auswahl. Einzig die AfD steht abseits, weil sie sich in dieser Rolle gefällt und die anderen als „Altparteien“ und „System“ diffamiert, wenig bis keine Lösungen anbietet.
Es gibt eine Vielfalt auf dem demokratischen Buffet
Auch wenn sich Markus Frohnmaier müht, die rechtsradikalen Elemente zu bändigen, bleibt die Partei janusköpfig und muss mit dem Ruch der Vetternwirtschaft leben. Dennoch bindet die AfD den ganz rechten Teil der Wählerschaft und sorgt immerhin so für eine höhere Wahlbeteiligung.
Egal welcher Weltanschauung man ist oder welchen Regierungsstil man bevorzugt: Es gibt eine reiche Vielfalt auf dem demokratischen Buffet. Suchen Sie sich Ihr Menü aus, auch wenn nicht alles dem Lieblingsgeschmack entspricht. Wer nicht wählt, verpasst die einzigartige Chance mitzuwählen, für die uns Milliarden Erdenbürger beneiden. Gehen Sie wählen, und geben Sie Ihre Stimme einer demokratischen Partei.