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AfD

Espresso-Diplomatie: Frohnmaier will mit Hagel ins Gespräch kommen

Arithmetisch würde es nach der Landtagswahl für eine schwarz-blaue Koalition reichen. Doch CDU-Chef Manuel Hagel hat jede Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten ausgeschlossen. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier hält diese Haltung für "albern".
Zwei Männer sitzen, Mikrofone stehen vor ihnen, im Hintergrund eine deutsche Flagge.

Markus Frohnmaier (links), Spitzenkandidat der AfD und Emil Sänze, mit dem zusammen er die Landespartei anführt, kommentieren am Montag das Landtagswahlergebnis.

Marijan Murat)

Stuttgart. Markus Frohnmaier lässt nicht locker. Jetzt hat er angekündigt, Manuel Hagel zwei Espressotassen zu schicken, um mit dem CDU-Landesvorsitzenden ins Gespräch zu kommen. Der AfD-Spitzenkandidat sagte bei einer Pressekonferenz am Montag in Stuttgart, dass sich die Programme der beiden Parteien zu 75 Prozent überschneiden würden. Das Ergebnis der Landtagswahl bedeute: „Die Bürger wollen keine grüne Politik mehr.“

Frohnmaier hatte bereits in einem Interview mit dem Staatsanzeiger betont: „Ich würde mit Manuel Hagel einen Espresso trinken“. Damit reagierte auf das kategorische Nein von Hagel: Der Christdemokrat hatte immer wieder unterstrichen, dass für ihn die Brandmauer steht und dass er mit der AfD „nicht mal einen Espresso“ trinken würde. Es sei albern, „dass man nicht miteinander spricht“, kommentierte der AfD-Mann Hagels Haltung und ging noch einen Schritt weiter: „Jetzt muss man in Berlin mal über die Brandmauer reden“, ergänzte Frohnmaier.

Frohnmaier verteidigt erneut Tätigkeit von Familienangehörigen

Im Übrigen gehe nicht davon aus, dass die Verwandtenaffäre seiner Partei geschadet hat. Er verteidigte erneut den Umstand, dass drei Familienmitglieder für Bundestagskollegen arbeiteten oder arbeiten. Er sei stolz auf jeden in seiner Familie, der bereit sei, für die Partei Verantwortung zu übernehmen. Er habe Verständnis dafür, wenn die Presse „Störgefühle“ entwickle, wenn einer eine Fußballmannschaft beschäftige wie dies Medienberichten zufolge in Sachsen-Anhalt geschehen ist. Doch solche Fälle gebe es in Baden-Württemberg nicht.

Emil Sänze, der mit Frohnmaier zusammen den AfD-Landesverband führt, ergänzte, das interne Ziel sei die Verdopplung der Zahl der Mandate gewesen. Dieses Ziel sei mit 18,8 Prozent der Stimmen erreicht worden. Frohnmaier hatte beim Landesparteitag im November in Hechingen noch von „25 Prozent plus X“ geredet. „Man muss sich ja auch Ziele stecken“, sagte er nun zur Einordnung. Die Partei habe bei Umfragen regelmäßig zwischen 18 und 20 Prozent gelegen und nur einmal darüber – nämlich bei 21 Prozent. Insofern entspreche das Ergebnis den Erwartungen. Sänze dankte Frohnmaier ausdrücklich für seinen Einsatz: Ohne dessen Engagement hätte die AfD in Baden-Württemberg kein so gutes Ergebnis erzielt.

Frohnmaier und Sänze wollen als Landesvorsitzende weitermachen

Markus Frohnmaier und Emil Sänze kündigten am Montag zudem an, beim Landesparteitag am 23. Mai erneut als Landesvorsitzende zu kandidieren. Diese Ämter haben sie seit 2022 inne. Bereits in der nächsten Woche soll nach Möglichkeit die neue Fraktion konstituiert werden. Frohnmaier bestätigte, dass der erstmals in den Landtag gewählte Abgeordnete Martin Rothweiler die Fraktion leiten soll. Bislang wurde die Fraktion von Anton Baron geleitet. Dieser hatte jedoch schon im Vorfeld angedeutet, dass er möglicherweise nicht mehr für das Amt zur Verfügung stehe.

Zu Vorwürfen, die seine politische Vergangenheit betreffen und am vergangenen Freitag von der „Süddeutschen Zeitung“ thematisiert wurden, wollte Frohnmaier sich nicht äußern. In dem Artikel stand unter anderem zu lesen, dass Frohnmaier vor weniger als zehn Jahren Martin Sellner, den langjährigen Sprecher der Identitären Bewegung in Österreich, zu sich nach Hause eingeladen habe, dass er 2016 einen prorussischen Verein namens „Deutsches Zentrum für Eurasische Studien“ gegründet habe, welcher mittlerweile aufgelöst sei, und dass er 2009 der gewaltbereiten „German Defence League“ beigetreten sei, was Frohnmaier rundweg bestreite; er habe dieser Gruppierung nie angehört, gibt ihn die „Süddeutsche“ wieder.

Hat Frohnmaier Kreide gefressen oder ist er heute ein anderer?

In Gesprächen mit dem Staatsanzeiger hatte Frohnmaier wiederholt betont, dass er sich weiterentwickelt habe, dass er inzwischen 35 Jahre alt sei, Frau und Kinder habe, was seine Sicht auf die Welt verändert habe. Politische Gegner wie der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hatten dies im Wahlkampf in Zweifel gezogen und ihm vorgeworfen, „Kreide gefressen“ zu haben.

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