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Porträt der Woche

Ralf Kusterer wird Nummer zwei bei der Deutschen Polizeigewerkschaft im Bund

Der Polizeigewerkschafter gilt als Freund klarer Worte. Nun macht er mit 63 Jahren den nächsten Karriereschritt: An diesem Montag wird er in Berlin zum ersten Stellvertreter von Heiko Teggatz gewählt, der seinerseits Rainer Wendt ablöst, der fast 20 Jahre an der Spitze der DPolG stand.
Älterer Mann mit Brille gestikuliert, trägt Anzug und Hemd.

Ralf Kusterer stand zehn Jahre lang an der Landesspitze der Deutschen Polizeigewerkschaft. Nun wird er erster Vize im Bund.

Achim Zweygarth)

Ralf Kusterer muss nicht in der ersten Reihe stehen. Es reicht, wenn die Sicht frei bleibt. Wie auf jenem Gruppenbild, das im Januar in der Zeitschrift des Beamtenbunds Baden-Württemberg (BBW) erschien. „Die BBW-Delegation bei der dbb Jahrestagung in der Messe Köln“ steht darunter.

Dabei sein ist alles. Das ist die Botschaft. Manchmal muss man Präsenz zeigen, auch wenn es nur für einen Platz am Rand reicht. In der Mitte sind andere zu sehen, BBW-Chef Kai Rosenberger etwa und Joachim Lautensack, Kusterers Vorgänger als Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Die beiden Herren und Kusterer haben schon länger kein Verhältnis mehr, und wer verstehen will, wie es dazu kam, muss tief in die Historie der Standesorganisation eintauchen.

„Wie eine Prostituierte auf dem Straßenstrich“

Man kann aber auch einfach ein neues Kapitel aufschlagen. Das tut Ralf Kusterer gerade. Am Montag wird er, wenn alles läuft wie geplant, zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden der DPolG im Bund gewählt. Dann kann der Pforzheimer, der zehn Jahre lang den Landesverband leitete, seine Fähigkeiten auf Bundesebene beweisen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) darf sich schon einmal auf einen einstellen, der deutlich formuliert. Wie 2021, als Thomas Strobl sich, wie viele fanden, bei den Koalitionsverhandlungen den Grünen an den Hals warf. „Wie eine Prostituierte auf dem Straßenstrich“ habe die CDU um eine Regierungsbeteiligung gebuhlt, schimpfte Kusterer. Seither sprachen die beiden kein Wort.

Unter Kusterer wuchs nicht nur die Zahl der Mitglieder von 14 000 auf 24 000, sondern auch der Einfluss der DPolG im Land. In fast allen Polizeipersonalräten stellen sie inzwischen die Mehrheit. Die im Bund stärkere Gewerkschaft der Polizei (GdP) fristet ein Schattendasein.

Eins-zu-eins-Übertragung des Tarifergebnisses durchgesetzt

Außerdem hat sich der 63-jährige Polizist bei der Übertragung des Tarifergebnisses auf die Beamten vor zwei Jahren gegen Rosenberger durchgesetzt. Während der BBW-Chef sich dafür starkmachte, den Sockelbetrag in Höhe von 200 Euro in Prozente umzurechnen, bestand Kusterer auf einer Eins-zu-eins-Übertragung . Kusterer gewann gemeinsam mit CDU-Fraktionschef Manuel Hagel; Innenminister Strobl und Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) gaben klein bei.

Insofern überrascht es kaum, dass die Festschrift, die Kusterer geschenkt bekam, als er im Dezember den Landesvorsitz an Dirk Preis übergab, auch ein Bild mit Hagel enthält. Die beiden stehen in der ersten Reihe, wie es sich gehört.

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