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Schwäbisch

Was Kretschmann über Dialekt, Schwaben und Badener denkt

Wie sein designierter Nachfolger schwätzt der scheidende Ministerpräsident Schwäbisch. Warum ihm das wichtig ist, was er über Sprachpolitik sagt - und über Animositäten zwischen den Landesteilen.
Älterer Mann mit Brille und Anzug gestikuliert, Hintergrund mit unscharfen Regalen.

Kretschmann hebt die Bedeutung der Dialekte hervor: Der scheidende Ministerpräsident sieht einen Wandel im Land, hin zu mehr Wertschätzung für Mundarten als Teil der Identität Baden-Württembergs. Sprachpolitik habe dabei Grenzen – „die Leute schwätzen, wie sie schwätzen.“

dpa/Christoph Schmidt)

Stuttgart. Im Laufe seiner Amtszeit hat sich aus Sicht des scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann einiges verändert – auch in Bezug auf den gepflegten Disput zwischen Badenern und Schwaben sowie im Hinblick auf Dialekte. „Wir haben es geschafft, dass Dialekt heute allgemein wertgeschätzt wird“, sagte der Grünen-Politiker „Stuttgarter Nachrichten“ und „Stuttgarter Zeitung“ mit Blick auf eine vor Jahren gestartete Dialektinitiative.

Über Sprachpolitik und Schwätzen lassen

„Sprachpolitik zu machen, funktioniert in aller Regel nicht“, sagte der 77-Jährige, der bei der Landtagswahl im März nicht mehr angetreten war und somit bald aus dem Amt scheidet. „Die Leute schwätzen, wie sie schwätzen.“ Aber es sei gelungen, dass Dialektsprecher nicht mehr abgewertet oder gar diskriminiert und die Mundarten als kultureller Reichtum des Landes gewürdigt würden. „Dialekte gehören zur Identität dieses Landes.“

Sie seien eine Quelle von Vielfalt und Reichtum, sagte der Schwäbisch sprechende Kretschmann den Zeitungen weiter. „Man vergisst oft, dass Dialekte die ursprüngliche Sprache der Menschheit sind. Die Standardsprache kam erst später dazu. Es ist wichtig, diesen Reichtum zu achten.“

Badener? Schwaben? „Das Land ist richtig zusammengewachsen“

Der Dialekt sei der Feind von Pathos. „Das Schwäbische kann ernst sein, ist aber niemals pathetisch, und es steckt voller ironischer Metaphern“, führte er aus. „Versuchen Sie mal auf Schwäbisch nationalistisch zu sein. Das wird Ihnen schwer gelingen.“ Darin zeige sich eine enorme Stärke des Dialekts. „Er wirkt entlarvend, und er macht die Kommunikation immer ein Stück ehrlicher.“

Mit Blick auf Heimatverbundenheit beantwortete der Regierungschef die Frage, ob er von sich sage „Ich bin Baden-Württemberger“, mit einem Ja. Das habe sich grundlegend geändert. „Wenn man vor 30 Jahren vom „Baden-Württemberger“ gesprochen hätte, hätten alle gesagt, der hat sie nicht mehr alle. Wir sind doch Schwaben oder Badener!“ Heute ist es aus Kretschmanns Sicht akzeptiert, wenn man sagt „Ich bin Baden-Württemberger“. „Das Land ist richtig zusammengewachsen und fühlt sich jetzt als eins.“ (dpa/lsw)

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