Themen des Artikels

Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen

Blackout in Reutlingen

Özdemir: Wir können nicht alle Umspannwerke abschirmen

Nach dem Brand in Reutlingen sucht das LKA weiter nach Hinweisen. Wie sicher ist die kritische Infrastruktur im Land? Der baden-württembergische Regierungschef dämpft die Erwartungen.
Ein Mann mit Brille spricht in ein Mikrofon vor blauem Hintergrund.

Kritische Infrastruktur wie die Stromversorgung lässt sich nach Worten von Cem Özdemir nur bis zu einem gewissen Maß schützen.

dpa/Katharina Kausche)

Stuttgart. Kritische Infrastruktur wie die Stromversorgung lässt sich nach Worten von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) nur bis zu einem gewissen Maß schützen. „Die Vorstellung, dass wir alle Umspannwerke quasi von der Öffentlichkeit abschirmen, die ist kaum durchsetzbar“, sagte Özdemir in Stuttgart. Trotzdem prüfe man, was man nach dem Brand in einem Umspannwerk mit großflächigem Stromausfall in Reutlingen besser machen könne. „Es geht darum, unsere Resilienz zu stärken, um möglichst wenig angreifbar zu sein“, sagte Özdemir. Es sei aber zu früh, zu sagen, was man aus dem Fall in Reutlingen lernen könne.

Zugleich machte Özdemir deutlich, dass der Brand quasi ein Stresstest gewesen sei. Und die Strukturen hätten sich bewährt. So seien etwa in den Krankenhäusern sofort die Notstromaggregate hochgefahren worden. Es habe eine klare Priorisierung gegeben. Und er lobte, wie gut die unterschiedlichen Ministerien – namentlich nannte er Innenminister Manuel Hagel, Energieministerin Thekla Walker und Sozialminister Oliver Hildenbrand-, aber auch die Hilfsorganisationen, die Polizei, die Stromversorger und die Kommune zusammengearbeitet hätten. So sei etwa die Polizei mit Streifen auf den Straßen unterwegs gewesen, „damit niemand auf dumme Gedanken, aus der Lage verbrecherischen Nutzen zu ziehen“. 

Umspannwerke und Leitungen für Umschaltung bei technischen Problemen ausgelegt

Und Umweltministerin Walker ergänzte: „Das ist wirklich hervorragend gemanagt worden. Seit bekannt wurde, dass es hier einen Ausfall gibt, ist innerhalb von 24 Stunden so gut wie alles behoben worden.“ Zwar wurden die Schäden zunächst provisorisch behoben, aber die Versorgung sei sichergestellt. „Das ist ein unglaublicher Job, den alle Beteiligten hier geleistet haben. Dafür haben wir uns heute auch im Kabinett bedankt – beim Innenminister und bei allen Beteiligten vor Ort“, so Walker.

Zugleich erinnerte Walker daran, dass Deutschland gemeinsam mit der Schweiz in Europa das sicherste Versorgungssystem habe. Es gebe im Schnitt maximal wenige Minuten Stromausfall pro Kunde und Jahr. Die Umspannwerke selbst seien ebenso wie die Leitungen bereits so ausgelegt, dass bei technischen Problemen, umgeschaltet werden könne. In Reutlingen sei mit dem Umspannwerk jetzt ein kompletter Knotenpunkt ausgefallen. In solchen Fällen sei es nicht immer möglich, schnell Alternativen bereitzustellen. Beim Energieversorger EnBW befasse sich gerade eine Taskforce mit der Frage, was neben den vorhandenen Plänen und Strukturen noch getan werden kann. Für Walker kann die Energiewende mit einem dezentraleren, flexibleren und digitaleren Stromversorgungssystem ein Teil der Lösung sein. „In Berlin war seinerzeit ein Problem, dass die Versorgung der Leitungen aus einer Richtung kam. Wenn das wegfällt und es keine weiteren Netze gibt, die flexibel und digital schnell zugeschaltet werden können, hat man ein richtiges Problem“, so Walker.

Polizei ermittelt in alle Richtungen

Nach dem Feuer in dem Umspannwerk in Reutlingen hat das Landeskriminalamt weiter keine Hinweise auf Täter und mögliche Motive. Die Polizei ermittele derzeit in alle Richtungen, so Özdemir, auch der Staatsschutz sei eingeschaltet. Bislang gebe es allerdings keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. „ Ich werde mich nicht an einem Überbietungswettbewerb mit Alexander Dobrindt beteiligen, der bereits von einem Brandanschlag spricht“, sagte Özdemir mit Blick auf Äußerungen des Bundesinnenministers. Zunächst müssten die Fakten geklärt werden. Sollte es sich um einen vorsätzlichen Anschlag handeln, so Özdemir, werde man die Täter dingfest machen und mit aller Härte des Gesetzes bestrafen. (schl/dpa)

Nutzen Sie die Vorteile unseres

Premium-Abos. Lesen Sie alle Artikel aus Print und Online für

0 € 4 Wochen / danach 219 € jährlich Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Baden-Württemberg Jetzt abonnieren

Lesen Sie auch