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Landkreise erreichen die Grenzen ihrer Finanzkraft

Geld – und zwar möglichst viel davon – bräuchten die Landkreise Baden-Würtembergs, um ihre maroden Finanzen zu sanieren.
IMAGO/Wolfilser)Stuttgart. Von den 35 Landkreisen schaffen es 2026 nur noch drei, Ausgaben mit Einnahmen auszugleichen, so der Kreisfinanzbericht des Landkreistags Baden-Württemberg. Sieben Kreise weisen bei ihren Haushaltsrechnungen echte Fehlbeträge auf. 25 Kreiskämmerer müssen – oder können noch – in die Reserven greifen. Mit 194 Millionen Euro mindern sie das Minus, zum Jahresende dürften noch 19 Landkreise über Rücklagen in Höhe von insgesamt 172 Millionen Euro verfügen.
Gleichzeitig steigt die Kreisumlage. Die Kreistage haben die Hebesätze um durchschnittlich 1,14 Prozentpunkte hochgeschraubt. Gemittelt liegt der Hebesatz in Baden-Württemberg nun bei 34,27 Prozent und bringt 6,257 Milliarden Euro in die Kreiskassen. Das macht 37 Prozent der Gesamteinnahmen von 16,8 Milliarden Euro aus.
Mehr Schulden als Kreisumlage-Einnahmen
Trotz dieser Rekordsumme reichen die Einnahmen aus der Umlage nicht aus, um die Schulden zu tilgen, die mittlerweile bei 6,869 Milliarden Euro liegen. Diese haben sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht und sind von 2025 auf 2026 um 8,65 Millionen Euro oder 14,2 Prozent angestiegen.
Und noch einen Wert kann die angestiegene Kreisumlage nur knapp ausgleichen, den Zuschussbedarf im Sozialwesen. Dieser liegt bei 6,274 Milliarden Euro. Immerhin hat sich das Ergebnis der knappen Deckung vom vergangenen Jahr auch dieses Jahr wiederholt.
Eingliederungshilfe braucht besonders hohen Zuschuss
40 Prozent des Zuschussbedarfs wird durch die Eingliederungshilfe verursacht, 32 Prozent entfallen auf die Jugendhilfe, 28 Prozent auf die restlichen Sozialaufgaben. Die Sozialkosten machen die bei weitem größten Teil der Kreisausgaben aus, laut dem Finanzbericht knapp 10,7 Milliarden Euro oder 63 Prozent des Gesamtvolumens der Kreisaufwendungen.
Besserung ist laut Finanzbericht nicht in Sicht. Die Kreise erwarten für 2027 weitere Kostensteigerungen im Sozialhilfebereich. Außerdem macht sich erstmals die Kostenverlagerung zulasten der Krankenhausträger beim GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bemerkbar. Aktuell rechnen die Kreise, die auch Träger zahlreicher Krankenhäuser sind, mit einem Klinikdefizit von 822 Millionen Euro. Mit dem neuen Gesetz dürften es rund 1,6 Milliarden Euro werden.
Kommt ein Schreckensjahr 2027?
Kein Wunder, dass Achim Brötel, Präsident des Landkreistags und CDU-Landrat des Main-Tauber-Kreises, seine ohnehin schon alarmierende Rhetorik noch einmal verschärft : „Die Landkreise befinden sich inzwischen bereits jenseits des Kipppunkts“, so sein Fazit, und als Prognose formuliert er: „Das Jahr 2027 dürfte dann endgültig zu einem Schreckensjahr werden.“
Neben der Forderung nach einem höheren Anteil am Umsatzsteueraufkommen und nach einer prozentualen Beteiligung des Landes an den Soziallasten der Kommunen setzt der kommunale Interessenverband auch Hoffnungen in die neue Koalition in Stuttgart. Vom Zukunftsbündnis Land-Kommunen, einer Ankündigung des Koalitionsvertrags, erhofft man sich Stabilisierungsimpulse für die Haushaltslage im kommenden Jahr.
Den kompletten Kreisfinanzbericht finden Sie hier .