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Rüstungsindustrie

Ministerpräsident Özdemir besucht Rüstungsfirma Hensoldt

Ministerpräsident Cem Özdemir hat das Rüstungsunternehmen Hensoldt in Oberkochen besucht. Dabei hob er die zunehmende Bedeutung der Industrie für Baden-Württemberg hervor und informierte sich über den Einsatz von Software und Künstlicher Intelligenz in modernen Verteidigungssystemen.
Vier Personen in grauen Overalls stehen in einem Labor und unterhalten sich.

Hensoldt-CEO Oliver Dörre (links) und Ministerpräsident Cem Özdemir gemeinsam mit Christina Canitz (Leiterin der Division Optronics) und Christian Ladurner (Finanzvorstand, rechts) in der Reinraumfertigung am Standort Oberkochen.

Hensoldt AG)

Stuttgart. Eine Woche nach dem Stopp von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat nun Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) das Verteidigungsunternehmen Hensoldt in Oberkochen (Ostalbkreis) besucht. Der Bereich der Verteidigung werde für uns immer wichtiger, sagte der Ministerpräsident gleich zu Beginn.

Rund 300 Millionen Euro hat Hensoldt mit Hauptsitz in Taufkirchen (Bayern) in den Standort investiert. In Oberkochen arbeiten nach Unternehmensangaben rund 1000 Beschäftigte. Bis 2028 will das Unternehmen insgesamt eine Milliarde Euro investieren, den überwiegenden Teil davon in Deutschland. Vorstandsvorsitzender Oliver Dörre betonte: „Unser industrielles Herz schlägt in Baden-Württemberg.“ „Dass der Hauptsitz in Bayern ist, das verkraften wir. Hauptsache wir wissen, dass das Herz hier in ‚The Länd‘ ist und die Präzisionsgeräte, hier in Baden-Württemberg hergestellt werden“, sagte Özdemir lachend.

Südwesten produziert „Hightech“

Bei dem Besuch ging es um die Verteidigungselektronik im Land, den Ausbau von Fertigung und Arbeitsplätzen sowie den Einsatz von Software und Künstlicher Intelligenz in modernen Verteidigungssystemen.

Nach dem Rundgang zeigte sich Özdemir beeindruckt. Bei Hensoldt werde „Hightech produziert“, sagte er. Dabei informierte sich der Ministerpräsident über neue Technologien für Aufklärung und Radar, die elektromagnetische Kampfführung sowie KI-gestützte Sensordatenfusion.

Besonders interessierten ihn softwaregestützte Anwendungen und die Auswertung großer Datenmengen. Solche Technologien seien nicht nur für die Landesverteidigung, sondern auch für den Schutz kritischer Infrastruktur von Bedeutung, sagte er. Auf die Nachfrage, ob dafür künftig auch eine Alternative zu Palantir infrage komme, sagte Özdemir: „Wenn wir in der Lage sind, eine Alternative zu haben, dann wären wir mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir die Alternative nicht aus dem eigenen Land nehmen.“

Ministerpräsident Özdemir informiert sich über die Produkte des Verteidigungsunternehmens Hensoldt.
Andrea Trajanoska)

Verteidigungsindustrie als Wachstumsbranche

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage im Land bezeichnete Özdemir die Verteidigungsindustrie als wichtigen Zukunftsbereich. Die traditionellen Stärken Baden-Württembergs, etwa die Automobilindustrie und der Maschinenbau, stecken derzeit in einer schwierigen Phase. Unternehmen wie Hensoldt könnten die traditionellen Stärken und Kompetenzen des Landes auf die Zukunft übersetzen und mit moderner Technik verbinden.

Die Frage, ob die Verteidigungsindustrie für einen grünen Ministerpräsidenten eher wirtschaftspolitische Notlösung oder Erfolgsgeschichte sei, wies Özdemir zurück. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage sei eine leistungsfähige Verteidigungsindustrie notwendig. Zwar wünsche sich niemand, mehr Geld dafür ausgeben zu müssen. Die aktuellen Entwicklungen machten dies jedoch erforderlich. Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass öffentliche Mittel effizient eingesetzt würden. Er verwies dabei auf die Erfahrungen der Ukraine, von denen Deutschland bei der Weiterentwicklung seiner Verteidigungsfähigkeit lernen könne. Die Ukraine sei inzwischen nicht mehr nur Empfänger von Unterstützung, sondern liefere selbst wichtige Erkenntnisse für Europa.

Zugleich stellte Özdemir den Besuch in den größeren wirtschaftspolitischen Kontext. Baden-Württemberg müsse seine Wettbewerbsfähigkeit stärken, sagte er. Dazu gehörten der Abbau bürokratischer Vorgaben sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften, um den Industriestandort angesichts des internationalen Wettbewerbs zu sichern.

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