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Schwarzbuch

Steuerzahlerbund und Landkreis Böblingen kabbeln sich wegen Radwegekosten

Durch den Umbau eines Radweges bei Aidlingen müssen Radfahrer nicht mehr so stark in die Pedale treten. Wenn es nach dem Steuerzahlerbund ginge, hätte man bei dem teuren Projekt ganz woanders hintreten sollen: auf die Bremse.
Eine Person mit Fahrrad, ein Kind mit Laufrad auf einer Brücke von hinten.

Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt! Und wer die öffentlichen Haushalte liebt, auch?

IMAGO/Jochen Tack)

Böblingen. Der Landkreis Böblingen hat es ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes geschafft. Der Kreis hat zwischen Aidlingen und Dagersheim bis in den Juli einen Radweg neu gebaut. Die alte Strecke an der „Aidlinger Kehle“ hatte eine Steigung von bis zu 17 Prozent und brachte seit Generationen die Radfahrer aus der Puste. Das sollte sich ändern, der Kreistag beschloss im November 2025 gegen die Stimmen von AfD und FDP, einen flacheren Radweg zu bauen.

Für die neue Strecke entlang der Kreisstraße musste eine Böschung abgetragen werden, Mikropfähle und eine Spritzbetonschale sollen den Hang stabilisieren. Für die etwa 370 Meter lange Hangtrasse wurden rund 900.000 Euro fällig, zum Teil auch deshalb, weil das Erdreich auch aus altem Straßenbaumaterial besteht und wegen krebserregenden Stoffen aufwendig entsorgt werden musste.

Gegenwind für Radwegplan

Nicht von überall kam Zustimmung für das Vorhaben. Neben den Kritikern im Kreistag, die sich über die unverhältnismäßig hohen Kosten mokierten, blubberte die Internetbubble laut Regionalzeitung von „Mostköpfen“, die da mal wieder entscheiden würden. Deutlich vornehmer drückt es der Steuerzahlerbund aus, der in seinem aktuellen Schwarzbuch das Projekt als Steuerverschwendung kritisiert.

Der Lobbyverband sieht angesichts der vielen E-Bike-Fahrer die jetzt erzielte Sieben-Prozent-Steigung als überflüssig. Man könne auch mal sein Fahrrad schieben, wenn es zu steil wird. Obendrein kritisiert der Verband die Mischfinanzierung als Fehlanreiz, durch die beim Landkreis etwa zehn Prozent der Kosten blieben.

Von wegen Steuerverschwendung

Den Vorwurf der Steuerverschwendung will man im Landratsamt Böblingen nicht auf sich sitzen lassen. „Die Kosten sind durch die topografischen und geotechnischen Rahmenbedingungen begründet“, sagt Landrat Roland Bernhard (parteilos) .

Auch wenn der Abschnitt kurz sei, reiche sein Nutzen weit darüber hinaus, schreibt das Landratsamt in einer Reaktion auf den Schwarzbuch-Eintrag. Die Beseitigung der Steilstelle komme allen Radfahrern zugute. Der Abschnitt liege auf einer typischen Pendlerstrecke zu Industriebetrieben und Schulen, was sich in den rund 200 Radfahrten am Tag bemerkbar mache.

Nur Zitate aus den Medien

Verschnupft zeigt sich die Behörde über die Informationsbeschaffung des Steuerzahlerbundes, der aus Medien zitiert, ohne sich beim Landratsamt gemeldet zu haben. Auch die Einwände der Mischfinanzierung weist der Kreis von sich. Das müsse auf Bundes- und Landesebene, nicht aber anhand der Landkreise diskutiert werden. Sie können daran nichts ändern, umso mehr aber hätten sie darauf zu achten, dass sie Gelder für ihre Projekte bekommen.

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