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LBBW-Chefvolkswirt: Die Stimmung ist schlechter als die Lage

Sparkassenpräsident Matthias Neth (Dritter von links) lädt zum Kommunalforum nach Baden-Baden ein.
Rafael Binkowski)Baden-Baden. Infrastruktur sichern, Verwaltungen digitalisieren und mit weniger Personal auskommen: Beim Kommunalforum der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg zeigte sich ein Grundkonflikt. Die Herausforderungen sind bekannt, doch der Wille zum Aufbruch hält nicht Schritt. „Jeder ahnt, was kommen wird. Aber die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, fehlt noch“, sagte Sparkassenpräsident Matthias Neth. Er fragte: „Was ist das Musterländle 2.0?“ Sein Rezept: „Mut, Zuversicht und heitere Gelassenheit.“
Wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen, schilderte Baden-Badens Oberbürgermeister Thomas Jung: Als er ins Rathaus eingezogen sei, habe dort noch die Festnetztelefonie den Takt bestimmt. Der Umbau müsse schneller gehen. Vor allem dürfe nicht jede Kommune „an ihrer eigenen Lösung stricken“.
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LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer weitete den Blick auf die Weltwirtschaft. „Was uns jetzt erwartet, ist erst einmal raue See.“ Mit einem Bild aus dem „Zauberer von Oz“ beschrieb er den Verlust vertrauter Gewissheiten: „Wir sind nicht mehr in Kansas.“ Donald Trumps Politik habe die Unsicherheit massiv erhöht. Zugleich verliere die deutsche Industrie mit China einen Kunden, der längst zum Konkurrenten geworden sei.
Kraemer: Baden-Württemberg ist nicht das Ruhrgebiet
Den Abgesang auf Baden-Württemberg hält Kraemer dennoch für verfehlt. Die These vom „neuen Ruhrgebiet“ sei „Quatsch“. Das Land wachse stärker als der Bund, sei bei Forschung und Entwicklung führend und wirtschaftlich dezentral aufgestellt. Schwächen zeigten sich bei Gründungen und ihrer Finanzierung. „Wenn Bill Gates in Deutschland aufgewachsen wäre, hätte es Microsoft nie gegeben“, spitzte Kraemer zu.
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Kommunen könnten bessere Rahmenbedingungen schaffen. „Raue See muss nicht in Havarie enden.“ Ob der Kurs trägt, entscheidet sich auch beim Personal und in den Kommunen. Franziska Schott von der Stadt Schorndorf sagte, nicht die Zahl, sondern die Qualität der Bewerbungen sei entscheidend. Schorndorf erprobt ein eigenes GPT, KI in Sitzungen und die automatische Erkennung von Straßenschäden.
Kommunen haben kein Geld und Fachkräftemangel
Susanne Nusser vom Städtetag nannte die Lage paradox: Der Fachkräftemangel, besonders in Kitas, bleibe dramatisch, während Finanznot Stellenbesetzungen verhindere. Für KI gelte dennoch: „Können wir uns das leisten? Wir müssen es uns leisten.“
Die Professorin Jutta Rump warnte vor Technikgläubigkeit. Die Revolution müsse auch „wirtschaftlich und ethisch vertretbar“ sein. Die Botschaft des Forums: Digitalisierung ist keine Zusatzaufgabe der Kommunen. Sie wird zur Voraussetzung, dass sie ihre Aufgaben künftig überhaupt noch erfüllen können.