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Midterm Elections in den USA

Welche Folgen hat die Wahlniederlage von Donald Trump für Baden-Württemberg?

Die Demokraten gewinnen beide Häuser des US-Kongresses. Das ist eine deutliche Niederlage für Donald Trump, aber kein Signal für eine schnelle Rückkehr zum Freihandel. Baden-Württembergs Exportwirtschaft hofft auf Entspannung und muss zugleich neue Märkte erschließen.

Der Wahlkampf-Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner hat Donald Trump auch in Georgia nicht geholfen.

dpa/AP Photo/Mike Stewart/Mike Stewart)

Stuttgart . Die Demokraten übernehmen nach den Zwischenwahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Für Donald Trump ist das eine empfindliche Niederlage, begünstigt durch hohe Lebenshaltungskosten, die Folgen seiner Zollpolitik und den Iran-Krieg. Für Baden-Württembergs Exportwirtschaft bedeutet der Ausgang jedoch keine schnelle Kurskorrektur: Der Kongress kann Trumps Spielraum begrenzen, in der Handels- und Außenpolitik bleiben ihm weitreichende Möglichkeiten.

Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), nennt das Ergebnis eine „desaströse politische Niederlage“ für den Präsidenten. Die Wähler hätten ihm „die Quittung für seine verfehlte Politik“ ausgestellt. Trumps Versuch, ausländische Unternehmen mit immer höheren Zöllen zur Produktion in den Vereinigten Staaten zu bewegen, sei gescheitert: Das Handelsdefizit sei gestiegen, ausländische Direktinvestitionen seien zurückgegangen und am Arbeitsmarkt entstünden weniger neue Stellen. Zugleich belaste die Inflation die Bürger. „Auch Trump kann die Gesetze der Volkswirtschaft nicht außer Kraft setzen“, sagt Barta.

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Wirtschaft hofft auf Stabilisierung des Welthandels

Die IHK Region Stuttgart sieht eine leichte Stabilisierung: Von Januar bis August 2026 gingen Waren im Wert von rund 21,3 Milliarden Euro aus Baden-Württemberg in die USA, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber 2024, vor Einführung der US-Zölle, liegen die Ausfuhren aber noch 10,3 Prozent niedriger. Erholung und Sorge vor dauerhaften Einbußen liegen nahe beieinander.

„Die USA sind und bleiben ein Schlüsselmarkt“, sagt IHK-Präsident Claus Paal. Unternehmen bräuchten „verlässliche Spielregeln“, denn ohne Planbarkeit seien langfristige Geschäfte und Investitionen kaum möglich. Zugleich müssten sie sich breiter aufstellen. Für Maschinenbau, Autoindustrie und Zulieferer im Südwesten ist das konkret: Zölle verteuern Produkte und können Investitionen verschieben.

Wirtschaftsexperten sehen keine schnelle Erholung

ZEW-Präsident Achim Wambach warnt vor voreiligen Erwartungen: Die Demokraten begrenzen Trumps innenpolitischen Spielraum, doch er kann seine Agenda weiter über Handels- und Außenpolitik vorantreiben. Auch Blockaden im Haushaltsstreit bis hin zum Stillstand der Bundesverwaltung seien möglich. Eine Rückkehr zum Freihandel erwartet Wambach nicht: Der Schutz der heimischen Industrie und eine harte Linie gegenüber China fänden parteiübergreifend Unterstützung.

Die Wahl begrenzt Trump, kehrt die Grundausrichtung der US-Wirtschaftspolitik aber kaum um. Die Demokraten können Gesetze blockieren und die Regierung kontrollieren. Für Baden-Württemberg bleiben Zölle und der Wettbewerb um Investitionen bestehen; Unternehmen müssen weiter mit wechselnden Regeln rechnen.

Wahlkampf-Auftritt des Audi-Chefs hat keine Folgen

Die Debatte um Audi zeigt, wie konkret der Wettbewerb um Investitionen ist. Konzernchef Gernot Döllner kündigte bei einem Auftritt mit Trump ein Werk in Georgia mit rund 4500 Arbeitsplätzen an und dankte dem Präsidenten. Arbeitnehmervertreter und Politiker kritisierten den Auftritt scharf. Ministerpräsident Cem Özdemir sprach von einem „erheblichen Störgefühl“: „Guter Stil sieht anders aus.“ Zugleich fragte er, „warum Milliardeninvestitionen in den USA attraktiver sind als bei uns“. Für das Audi-Werk Neckarsulm mit mehr als 15.000 Beschäftigten verlangte er eine Perspektive. Die Auseinandersetzung ist damit auch eine Standortdebatte: Neben Zollschutz zählen verlässliche Bedingungen und wettbewerbsfähige Kosten. Auch der Neckarsulmer OB war wenig erbaut.

Barta fordert deshalb, Europa solle nicht auf eine Kehrtwende in Washington warten. Die EU müsse geschlossen auftreten und ihre wirtschaftliche Stärke nutzen, um Handelshemmnisse abzubauen und Märkte offenzuhalten. Er dringt auf die rasche Umsetzung der Abkommen mit Indien, Australien und Indonesien, auf die Ratifizierung des Mercosur-Abkommens sowie schnellere Verhandlungen mit Thailand, Malaysia und den Philippinen. Wambach setzt zusätzlich auf einen Abbau von Hindernissen im europäischen Binnenmarkt, engere Zusammenarbeit mit Großbritannien und mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit.

Im Südwesten hofft man auf mehr Handel

Für Baden-Württemberg folgt daraus ein doppelter Auftrag: gemeinsam mit Bund und EU Absatzmärkte zu diversifizieren und die Bedingungen für Investitionen im eigenen Land zu verbessern. Dazu gehören offene Handelsbeziehungen, ein leistungsfähiger Binnenmarkt und verlässliche Regeln. Die Midterms begrenzen Trump; auf einen dauerhaft härteren Welthandel muss sich der Südwesten dennoch einstellen.

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