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Museum

Wie Wasserkraft in Neidlingen Steine zu Kugeln schleift

In Neidlingen betreibt Stefan Metzler eine Kugelmühle und ein Museum, um das über tausendjährige Handwerk zu erhalten. Nach einer Zitterpartie wurde die wasserrechtliche Erlaubnis für die Kugelmühle bis Ende 2055 verlängert.
Person in Regenkleidung arbeitet an einem hölzernen Wasserrad, umgeben von fließendem Wasser.

Mit Wasserkraft wird in einer historischen Kugelmühle Stein zu runden Kugeln geschliffen.

epd-Bild/Peter Dietrich)

Neidlingen. Harter Stein wird zu perfekt glatten Kugeln: In unzähligen Kugelmühlen, gelegen an Bächen, trieb die Wasserkraft einst schwere Mahlwerke an, zwischen denen Marmor oder Kalkstein zu Kugeln geformt wurden. Benutzt wurden diese zum Spielen oder als Glücksbringer. In der Kugelmühle Neidlingen am Fuß der Schwäbischen Alb pflegt Stefan Metzler das über tausendjährige Handwerk noch heute. Dazu betreibt er ein Museum.

Kugelmühlen gab es nur im deutschsprachigen Raum, dafür einst zu Tausenden. Heute weiß Metzler nur noch von zwei Kollegen in Österreich, die wie er dieses Handwerk mit einer eigenen Produktion lebendig erhalten.

Mit ihnen saß er bereits beim „Weltkongress der Kugelmüller“ am Wirtshaustisch zusammen, wie er mit einem Augenzwinkern erzählt. Zusätzlich erklären Museen oder Ausstellungen die alte Technik. Im thüringischen Sachsenbrunn steht ein privates Murmelmuseum an einer historischen Mühle, auch bei Marktschellenberg in Bayern gab es eine jahrhundertealte Tradition des Rundschleifens von Steinen in Kugelmühlen.

Feinschliff auf den Hundertstel Millimeter

Wenn die Stein-Rohlinge in Neidlingen in eines der Mahlwerke gegeben werden, sind sie bereits rollfähig. Der Feinschliff, auf den Hundertstel Millimeter genau, wird dann mithilfe des Wassers geleistet. Im Sommer sind die Kugeln nach einem Tag perfekt rund, im Winter schon nach einem halben Tag, wie Metzler erklärt: Das kalte Wasser ist dichter und es fließt schneller. Die Mahlwerke sind so gebaut, dass die Kugeln verschiedener Größen alle gleichzeitig fertig werden.

In das Kugelmühlen-Museum im alten Waschhaus kommen Grundschulklassen wie Seniorenkreise, die Ausstellung ist für Kinder ab etwa acht Jahren interessant. Die Neugier sei wichtiger als das Alter, sagt der Kugelmüller.

Metzler ist von Beruf Sicherheitsingenieur, die Kugelmühle ist sein geliebtes Hobby. „Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig“, sagt er. Ab 1974 verfiel das frühere Waschhaus fast 30 Jahre lang zunehmend. Dann hatte er die Idee, dort das Handwerk des Kugelmüllers wiederzubeleben, das er in Österreich kennengelernt hatte. Ende 2024 lief die wasserrechtliche Erlaubnis für die Kugelmühle aus, die Verlängerung war eine Zitterpartie.

Denn die Durchgängigkeit von Bächen und Flüssen ist für Fische und Kleinstlebewesen vorgeschrieben. Um eine Kugelmühle und eine Fischtreppe mit Wasser zu versorgen, hätte das Wasservolumen des Seebachs nicht ausgereicht, die Kugelmühle hätte deshalb weichen müssen.

Der Fortbestand von Bachforellen ist gesichert

Doch erwies sich eine Fischtreppe an dieser Stelle als nicht sinnvoll. Der Fortbestand einer Population von Bachforellen – andere Fische tauchten bei einer exakten Zählung nicht auf – ist auch im jetzigen Zustand gesichert. Die neue wasserrechtliche Erlaubnis gilt nun bis Ende 2055. Mit Überzeugung hat der Kugelmüller Umweltthemen ins Museum aufgenommen. (epd)

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