Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Von der uneinnehmbaren Festung zum Adelssitz

Ministerin Nicole Razavi übergibt den Preis an Ronny Hierlmeier (Bildmitte) vom Geschichts- und Kulturverein Herrenzimmern. Foto: Denkmalstiftung BW/H. Hölsch
Denkmalstiftung BW/Foto : Heinri)Stuttgart. Der Geschichts- und Kulturverein Herrenzimmern im Landkreis Rottweil erhält den mit 10.000 Euro dotierten Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg 2026. Damit wird das langjährige bürgerschaftliche Engagement für den Erhalt der dortigen Burgruine gewürdigt, wie die Stiftung mitteilt.
Über einem Seitental des Neckars thronen die Überreste eines weithin sichtbaren Rundturms, umgeben von Teilen einer Ringmauer und Umfassungen eines Saalbaus. Sie sind geblieben von der Burg Herrenzimmern, die im 11. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt wurde.
Wiederaufbau nach der Zerstörung durch einen Brand
Jahrhunderte lang galt die Burg als uneinnehmbar und blieb trotz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen unversehrt, bis sie im Jahr 1504 ausbrannte. Heinrich von Zimmern baute sie neu auf, Wilhelm Werner von Zimmern erweiterte sie zu einem repräsentativen Adelssitz. Graf Froben Christoph von Zimmern verfasste dort die „Zimmersche Chronik“. Das Original ist heute in der Württembergischen Landesbibliothek zu finden.
Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts erwarb die Stadt Rottweil die Burg im Jahr 1595 von den letzten Nachfahren. Als die Gemeinde Herrenzimmern sie im Jahr 1810 für 1700 Gulden erwarb, diente sie noch als Gasthaus, verfiel aber zusehends und wurde schließlich als Steinbruch genutzt.
Seit 1978 setzt sich der damals gegründete Geschichts- und Kulturverein Herrenzimmern dafür ein, die geschichtlich bedeutsame Ruine zu erhalten, ihre Historie zu erforschen und sie der Bevölkerung zugänglich zu machen. In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und in mehreren Bauabschnitten wurden zunächst die Südwand, anschließend das Kellergewölbe, die nördliche und östliche Ringmauer und Teile der Oberburg saniert. 2015 wurde eine neue Zuwegung angelegt und eine Spindeltreppe zur Erschließung der Anlage errichtet. Die Denkmalstiftung steuerte insgesamt 110.000 Euro bei.
Heute ist die Gemeinde Bösingen Eigentümerin der Ruine. Sie übertrug 2012 die Bauunterhaltspflicht auf den Geschichts- und Kulturverein. Sie organisieren alle zwei Jahre ein Mittelalterfest. Kriegsvolk, Gaukler, Handwerker und Künstler sind zu Speis und Trank geladen.
Die von Besuchern bei diesem Fest entrichtete „Wegzollspende“ fließt ebenso in den Erhalt der Ruine wie die Einnahmen aus dem vom Verein bewirtschafteten „Burgstüble“ und aus Trauungen in der Burgkapelle.
Verein fördert die Belange des Denkmalschutzes
„So sorgt der Verein nicht nur für dringend benötigte finanzielle Mittel für den Erhalt, sondern verankert die Ortsgeschichte und damit auch das Verständnis für Belange des Denkmalschutzes im Bewusstsein der Bevölkerung“, sagte Ministerin Nicole Razavi (CDU), die auch Kuratoriumsvorsitzende der Denkmalstiftung ist, bei der Preisverleihung.