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Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit sinkt leicht, doch der Arbeitsmarkt bleibt unter Druck

Die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg ist im Oktober unter die Marke von 300.000 gefallen. Der Rückgang beruht jedoch vor allem auf saisonalen Effekten. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt weiter schwach. Nach Ansicht der Arbeitgeber sind tiefgreifende Reformen nötig, um eine Trendwende am Arbeitsmarkt einzuleiten.
Person in Anzug mit verschränkten Armen vor grauem Hintergrund.

Die schwache Herbstbelebung zeigt, dass die Impulse aus der Wirtschaft den Arbeitsmarkt noch nicht erreichen“, sagt Martina Musati, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

Bundesagentur für Arbeit)

Stuttgart . Die Zahl der arbeitslosen Menschen in Baden-Württemberg ist im Oktober 2026 gegenüber dem Vormonat um 2,1 Prozent auf 299.660 Menschen gesunken. Laut der regionalen Bundesagentur für Arbeit liegt die Zahl der Arbeitslosen damit erstmals seit Juni wieder unter 300.000. Saisonbereinigt zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Hier stieg die Arbeitslosigkeit leicht um 0,6 Prozent.

„Die schwache Herbstbelebung zeigt, dass die Impulse aus der Wirtschaft den Arbeitsmarkt noch nicht erreichen“, sagt Martina Musati, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Die neu gemeldeten Stellen lägen auf einem langjährigen Tiefstand und hätten sich bislang nur wenig erholt.

Nachfrage nach Fachkräften ist sehr verhalten

Tatsächlich bleibt die Nachfrage der Unternehmen nach Fachkräften verhalten. Seit Jahresbeginn wurden den Arbeitsagenturen rund 161.000 offene Stellen gemeldet und damit kaum mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Bestand offener Stellen lag im Oktober bei rund 74.000 und damit ebenfalls nahezu auf Vorjahresniveau.

Musati sieht darin eine Folge der anhaltenden Wirtschaftsschwäche. Wenn Unternehmen kaum einstellen, hätten vor allem Ältere und Menschen ohne Berufsabschluss schlechtere Chancen. Um gegenzusteuern, investiere die Bundesagentur für Arbeit in diesem Jahr rund 480 Millionen Euro in berufliche Weiterbildung, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Diese verbessere die Chancen auf eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt deutlich.

Jugendarbeitslosigkeit liegt über Vorjahr

Besonders deutlich ging die Jugendarbeitslosigkeit zurück. Gegenüber September sank sie um 7,1 Prozent. Für einen Oktober ist das jedoch ein vergleichsweise schwacher Wert. Üblicherweise fällt die Jugendarbeitslosigkeit in diesem Monat um 12 bis 15 Prozent. Zudem liegt sie weiterhin 5,9 Prozent über dem Vorjahresniveau und steigt damit bereits seit vier Jahren.

Etwas stabiler präsentiert sich die Langzeitarbeitslosigkeit. Nachdem deren Zahl zwischen 2022 und 2025 von rund 68.000 auf etwa 90.000 gestiegen war, blieb sie 2026 mit rund 91.000 Betroffenen nahezu unverändert. Damit ist etwa jeder dritte Arbeitslose langzeitarbeitslos.

Hohe Arbeitskosten setzen Arbeitgeber unter Druck

Die Arbeitgeber machen für die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt die schlechten Standortbedingungen verantwortlich. „Besonders bedenklich ist, dass die hohen Arbeitskosten gerade die Industrie immer stärker unter Druck setzen und dort eine wachsende Zahl an Arbeitsplätzen dauerhaft verloren geht“, sagte Stefan Küpper, UBW-Geschäftsführer für Bildung, Arbeitsmarkt und Landespolitik, am Freitag in Stuttgart. „Allein die Metall- und Elektroindustrie hat seit dem Höchststand 2019 rund 350.000 Arbeitsplätze verloren, davon knapp 95.000 in Baden-Württemberg“, so der Arbeitsmarktexperte. Dazu trage auch der weitere Anstieg der Lohnzusatzkosten bei. „Arbeit in unserem Land ist schon heute viel zu teuer. Wer Beschäftigung sichern und den Standort stärken will, muss die Ausgabendynamik in den Sozialversicherungssystemen endlich in den Griff bekommen“, so Küpper.

Eine bloße konjunkturelle Stabilisierung werde nicht genügen, um den Arbeitsmarkt in der Industrie wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen, sagt er. Nur wenn der Standort international wettbewerbsfähig sei, würden Entscheidungen für Investitionen und Arbeitsplätze wieder zugunsten Deutschlands und Baden-Württembergs ausfallen“, so Küpper.

Trendwende nur durch mutige Reformen

Dafür sei nötig, dass die Politik reagiere. Deutschland habe sich zu lange auf vergangenen Erfolgen ausgeruht, so Küpper. „Heute haben wir eine der höchsten Abgaben- und Steuerlasten weltweit. Hohe Energiekosten und überbordende Bürokratie setzen unsere Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich unter Druck. Wer glaubt, dass unser Wohlstand ohne mutige Reformen gesichert werden kann, irrt gewaltig. Dazu müssen alle ihre Hausaufgaben machen.“

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