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SPD: Land ist „ziemlich hinten dran“

Sascha Binder sieht die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der Herkunft als Problem in Baden-Württemberg.
IMAGO/Arnulf Hettrich)Stuttgart. Mit vier Schwerpunkten will die CDU-Landtagsfraktion der Bildungspolitik im Land eine neue Richtung geben. „Wir müssen uns von Gewissheiten verabschieden“, verlangte Schulexperte Andreas Sturm in einer aktuellen Debatte zur jüngsten PISA-Studie . Sogar die Digitalisierung soll auf den Prüfstand.
Sturm, der Shakespeare-Kenner, empfiehlt als Konsequenz aus den durch PISA ermittelten schlechteren Ergebnissen in vielen Staaten, den Blick ins Vereinigte Königreich mit seinem Bildungssystem, das lange Zeit als „etwas unmodern“ bewertet worden sei. Schon seit 2011 vollziehe sich aber ein Paradigmenwechsel, verbunden mit dem Aufstieg in Vergleichsstudien. So gehe es wieder mehr um die Vermittlung von Wissen statt von Kompetenzen, getreu der Einsicht, dass neues Wissen auf vorhandenem aufbaue. Außerdem verwies Sturm auf die Hirnforschung und deren Erkenntnis, wie sich Schreiben mit der Hand auf bestimmte Areale positiv auswirke. Es gebe „gute Dinge“ bei der Digitalisierung, aber die Konzeption gehöre überdacht.
SPD beklagt Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der Herkunft
Beantragt worden war die Debatte von der SPD. Deren Fraktionschef Sascha Binder beklagte, dass Baden-Württemberg auch 26 Jahre nach der ersten PISA-Studie nicht viel weiter sei, allen voran in der Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der Herkunft. Insgesamt nannte er das Land „ziemlich hinten dran“. Für die Grünen vermisste der neue bildungspolitische Sprecher Benjamin Bauer konkrete Vorschläge der Sozialdemokraten. Erneut kündigte er das verbindliche, kostenfreie letzte Kitajahr an, um Familien finanziell zu entlasten und mehr Qualität in die frühkindliche Bildung zu bringen. Das Konzept sei in Arbeit.
Kultusminister Andreas Jung (CDU) sieht Handlungsbedarf über den Koalitionsvertrag mit den Grünen hinaus, etwa durch eine veränderte Struktur im Grundschulangebot mit mehr Unterricht auch nachmittags. Er wolle mit Kommunen und Eltern darüber ins Gespräch kommen. Der AfD-Fraktionschef Martin Rothweiler griff mit Blick auf die Lage an Schulen die Inklusion als „zynischen Etikettenschwindel“ heraus, weil es in Wahrheit um ein „eiskaltes Sparprogramm“ handle. Und er behauptete, „man kann nicht ernsthaft über bessere Bildung sprechen und so tun, als hätte die ungesteuerte, beliebige Massenzuwanderung keinerlei Einfluss auf unsere Schulen“.
Harte Auseinandersetzung nach Zwischenrufen aus der AfD-Fraktion
In der Folge kam es zu einer harten Auseinandersetzung nach Zwischenrufen aus der AfD-Fraktion. Jung hielt Miguel Klauß ein Zitat vor. Er habe gesagt, dass „nicht die deutschen Kinder unser Problem sind, die anderen Kinder sind unser Problem“. Das sage wenig über die Realität an Schulen aus, „aber viel über Ihre Geisteshaltung“. Unter anhaltendem Applaus von CDU, Grünen und SPD erklärte der Kultusminister, dass „alle unsere Kinder in der Mitte der Gesellschaft stehen“ und dass „das unser Anspruch ist“.